22. Oktober 2021 / 16:05 Uhr

Kapitän Sebastian Schonlau über den Druck beim HSV, Trainer Tim Walter und den Aufstieg

Kapitän Sebastian Schonlau über den Druck beim HSV, Trainer Tim Walter und den Aufstieg

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sebastian Schonlau wechselte im vergangenen Sommer zum HSV und trifft nun auf seinen Ex-Verein SC Paderborn. 
Sebastian Schonlau wechselte im vergangenen Sommer zum HSV und trifft nun auf seinen Ex-Verein SC Paderborn.  © IMAGO/KBS-Picture
Anzeige

Vor dem Duell mit seinem Ex-Klub SC Paderborn spricht Kapitän Sebastian Schonlau im SPORTBUZZER-Interview über den Druck beim Hamburger SV, die Vorgaben von Trainer Tim Walter und das Rennen um den Aufstieg.

Im Sommer wechselte Sebastian Schonlau vom SC Paderborn zum großen Hamburger SV. Der 27-Jährige führt den Zweitligisten inzwischen als Kapitän aufs Feld – und trifft an diesem Freitag erstmals auf seinen Ex-Klub (18.30 Uhr, Sky). Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über sein Leben in der Millionen-Metropole, den Druck in der Hansestadt und die Vorgaben von Trainer Tim Walter. Zudem wirft Schonlau einen Blick auf das Rennen um den Aufstieg.

Anzeige

SPORTBUZZER: Vor sechs Jahren saßen Sie noch in der Regionalliga beim SC Verl auf der Bank. Jetzt sind Sie Kapitän beim HSV. Haben Sie das noch für möglich gehalten?

Sebastian Schonlau (27): Das Jahr in Verl lief nicht nach meinen Vorstellungen. Natürlich war die heutige Situation damals ganz weit weg. Aber ich wusste schon, was ich kann. Es ging dann relativ schnell bei Paderborn aufwärts.

Mit dem SC Paderborn folgte zunächst der Abstieg in die 3. Liga. 2019 ging es hoch bis in die Bundesliga. Wie groß war der Anteil von Trainer Steffen Baumgart an Ihrer Entwicklung?

Sicherlich sehr groß. Er und sein Trainerteam haben mich aus dem defensiven Mittelfeld in die Abwehr gesetzt. Da gehört ein gewisser Mut zu. Ich habe mich in den vier Jahren gut entwickelt. Und daran hat Steffen Baumgart einen großen Anteil.

Die Zeit in Paderborn war sehr turbulent mit Auf- und Abstiegen. Welche Phase beim SCP blieb am meisten hängen?


Die Momente der Aufstiege in die zweite und erste Liga vergisst man nie. Das Nonplusultra für viele Fußballer ist die Bundesliga. Deswegen werde ich diese Zeit so schnell nicht vergessen.

Baumgart ist wieder in der Bundesliga beim 1. FC Köln gelandet. Wie verfolgen Sie seinen Weg?

Es freut mich total für ihn, dass er dort einen ähnlichen Erfolg wie in Paderborn hat. Er wurde in Köln mit seiner Art sehr gut aufgenommen. Steffen ist im Kern immer der gleiche geblieben. Er passt sehr gut nach Köln.

Wollte er Sie nicht auch mitnehmen an den Rhein?

Es gab Gespräche. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm und habe mich mit ihm darüber auch ausgetauscht. Doch ich habe mich bewusst anders entschieden. So ist er am Ende in Köln und ich beim HSV – und das ist auch gut so.

Und in Paderborn ist Lukas Kwasniok auf Baumgart gefolgt. Wie ist Ihr Eindruck vom "neuen" SC Paderborn?

Vielleicht wusste man vor der Saison nicht so richtig, wo der SCP steht. Es kam ein neuer Trainer, eine lange Ära mit Steffen ging vorbei. Da mussten sich vielleicht alle erstmal ein bisschen finden. Aber man sieht es am Tabellenplatz, dass die Jungs und der Trainer richtig gute Arbeit leisten. Ich habe bisher nur positives von den alten Teamkollegen über Lukas Kwasniok gehört. Mich freut es für die Menschen dort, dass es in Paderborn ähnlich weitergeht und das weiterhin ein attraktiver Fußball geboten wird.

Haben Sie damit gerechnet, dass es so gut läuft? Der SCP steht nach zehn Spieltagen auf Platz vier…

Anzeige

Erwarten konnte man das nicht. Die individuelle Qualität der Jungs ist groß. Aber nach dem Umbruch im Sommer war das nicht klar. So, wie sie es bisher machen, ist es richtig gut.

Ein Erfolgsgarant in dieser Saison bei Paderborn ist Sven Michel. Acht Tore und drei Vorlagen gehen in zehn Spielen schon auf sein Konto. Sie standen mit ihm zusammen 133-mal auf dem Platz. Keinen anderen Spieler kennen Sie so gut wie ihn. Wie sehen Sie seine aktuelle Performance?

Ich freue mich total für Svenni. Es ist wirklich richtig gut, was er da auf dem Platz abliefert. Aber Svenni ist auch in der Kabine wichtig für die Mannschaft. Er ist schon ein verrückter Typ, passt da richtig gut rein in die Mannschaft. Man sieht seinen Stellenwert in Paderborn auch aus der Ferne. Das ist für mich schön zu beobachten.

Sie leben jetzt in Hamburg – 1,8 Millionen statt 148 .000 Einwohner. Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Es gibt einfach ein paar Unterschiede. In Hamburg gibt es mehr Möglichkeiten. Ich bin echt froh und habe so eine sportliche Herausforderung gesucht. Es freut mich, in der Großstadt zu leben. Bisher habe ich nur gute Erfahrungen gemacht und nette Menschen kennengelernt.

Können Sie immer noch unentdeckt auf die Straße gehen?

Das ist auch in Hamburg relativ entspannt. Dass manche Leute einen erkennen, gehört dazu. Es ist auch schön, wenn die Aufmerksamkeit etwas da ist. Aber keine Angst, ich kann mich frei bewegen, und ein großer Fußballstar bin ich ja auch nicht. (lacht)

Kommt es Ihnen dabei entgegen, dass Sie nicht ganz so viel Wert auf Social Media legen? Sie haben bei Instagram weniger als 7000 Abonnenten.

Da habe ich sicherlich noch etwas aufzuholen im Vergleich zu vielen Jungs aus der Mannschaft. Es soll jeder machen, wie er es für richtig hält. Ich habe diesen Weg gewählt und fahre damit ganz gut. Ich muss nicht jedem zeigen, was ich in der Freizeit mache.

Trainer Tim Walter hat den HSV im Sommer übernommen. Wie sehr kann die Mannschaft seine Vorgaben bereits umsetzen?

Bis man dieses Spiel perfektioniert hat, benötigt man eine gewisse Zeit. Es geht aber mittlerweile alles immer mehr in Fleisch und Blut über. Es ist schon eine deutliche Entwicklung zu sehen.

Der Druck ist beim HSV größer als in Paderborn. Wie gehen Sie damit um?

Für uns ist es einfach wichtig, dass wir bei uns bleiben und innerhalb des Vereins ein gutes Klima entwickeln, in dem wir uns weiterentwickeln können.

Ist der Aufstieg nach drei verpassten Chancen nicht Pflicht?

Für mich ist es meine erste Saison beim HSV. Ich interessiere mich nicht dafür, warum es die letzten drei Jahre nicht geklappt hat. Für uns ist wichtig, dass wir dieses Jahr annehmen, so wie es ist.

Wer sind die Favoriten?

Die halbe Liga kann und will aufsteigen. Vor der Saison war klar, dass viele den HSV, Werder und Schalke oben sehen. Aber man sieht, dass es nicht so einfach ist, wie es sich manche Leute vorstellen. Es wird bis zum Schluss spannend bleiben.

Der HSV und Werder Bremen tun sich schwer, genau wie beispielsweise Hannover 96. Was sagt das über die Liga aus?

Das zeigt einfach, dass die Leistungsdichte extrem eng ist. Natürlich hätten viele Außenstehende damit nicht gerechnet, dass Regensburg und Paderborn so weit oben stehen. Überraschungsteams gibt es aber in jeder Saison.

Wie weh tut es, dass der Stadtrivale FC St. Pauli mit sieben Punkten Vorsprung auf den HSV an der Spitze steht?

Schön ist das nicht. Aber unabhängig vom Tabellenführer, schaue ich eh nur auf unsere Leistungen und nicht auf die Tabelle.