07. März 2022 / 18:11 Uhr

Ist 96 nach dem Totalausfall in Sandhausen bereit für Nürnberg?

Ist 96 nach dem Totalausfall in Sandhausen bereit für Nürnberg?

Dirk Tietenberg und Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Trainer Christoph Dabrowski tröstet den Eigentorschützen Marcel Franke.
96-Trainer Christoph Dabrowski tröstet den Eigentorschützen Marcel Franke. © dpa
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Im Auswärtsspiel beim SV Sandhausen hat sich Hannover 96 selbst geschlagen. Für Pechvogel Marcel Franke waren "alle Gegentore gefühlte Eigentore“. Manager Marcus Mann warnt: „So gewinnt man kein Spiel.“ Die Lage in der Liga ist wieder ernst.

Auf dem Rasen im Hardtwald trat und riss und grätschte Sandhausen nach Herzenslust. Anders als die 96-Mannschaft nahm Manager Marcus Mann die ruppige Gangart nicht kampflos hin. Es flogen die Fetzen beim Wortgefecht zwischen den Ersatzbänken. Mann auf der einen, Sandhausens Sportlicher Leiter Mikayil Kabaca auf der anderen Seite. „Da gab’s eine kurze Diskussion. Es hat uns aber auch nicht geholfen“, gab Mann zu. Hannover 96 verlor in Sandhausen mit 1:3 – verdient, hier gab es keine zwei Meinungen.

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200 Fans aus Hannover klatschten höhnisch Applaus und ließen die Mannschaft nach Abpfiff vor der Gästekurve antanzen. Kapitän Marcel Franke sprach mit den verärgerten Fans, gab nachher zu: „Letztlich waren heute alle Gegentore gefühlte Eigentore, die wir geschossen haben.“

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Stolzes Tor schönt deutliche 96-Unterlegenheit

Nach nur neun Minuten zirkelte Sandhausens Stärkster Chima Okoroji einen Eckball direkt ins Tor. Kurios und seit Mai 2017 in der 2. Liga nicht mehr passiert. Aber normalerweise ist dies ein Fall für Torwart Ron-Robert Zieler – oder für Luka Krajnc, der zuvor die zweite Sandhäuser Ecke unnötig verursachte. Das 0:2 schoss Franke selbst, nachdem Sebastian Stolze den schnellen Okojori zwar über 60 Meter verfolgt, aber nie gestört hatte. Das 1:3 legte Niklas Hult nach scheinbarer Rettung dem Schützen Janik Bachmann in den Fuß. Das war die Entscheidung, 96 hatte sich selbst geschlagen.

Stolzes Tor zum 1:2 schönte die deutliche 96-Unterlegenheit. Es war eine von zwei, vielleicht drei 96-Torchancen, während Sandhausen noch Tore hätte erzielen können. Die frühen Treffer wirkten wie K.-o.-Schläge auf ein überfordertes Hannover-Kollektiv. Trainer Christoph Dabrowski sah zu, wie seine Mannschaft „undenkbar schlecht ins Spiel gekommen ist“.

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Der Mannschaft, erklärte Mann am Sonntag, habe die „geistige Schnelligkeit gefehlt, koordinative Abläufe haben nicht gepasst“. Der Manager redete den Totalschaden in Sandhausen auch nicht schön: „Wir waren nicht bereit für das, was auf uns zukommt. Wir haben zu wenig Gegenwehr geleistet. So gewinnt man in der 2. Liga kein Spiel.“

96 ließ sich auf das Kraftspiel des Gegners ein

Es passte von Beginn an nichts zusammen. Angefangen mit Torwart Zieler, der trotz Kreislaufschwäche spielte. Weiter ging es bei Aufstellung und Matchplan, den Dabrowski schon nach 19 Minuten einkassierte. 96 begann kurioserweise wie in St. Pauli, um „mit drei Innenverteidigern die langen Bälle gut zu verteidigen“, sagte Dabrowski. Dafür setzte er auf Stolze, Jannik Dehm und Lukas Hinterseer statt auf die filigranen Linton Maina, Cedric Teuchert oder Sei Muroya. 96 ließ sich auf das Kraftspiel des Gegners ein. Das beherrschte Sandhausen allerdings viel besser, griff früh an und zwang so 96 zu langen Bällen. Alexander Zhirov köpfte zurück, das frühere 96-Talent Bachmann fing die Pässe ab. Einen kantigen Typen wie Bachmann, Spielzerstörer statt Spielmacher, hat 96 nicht. Nach dem 0:2 gab Dabrowski Plan A auf und stellte um. Es war zu spät.

In der Liga wird es höchste Zeit, dass sich 96 von dem erneuten Unfall in Sandhausen erholt. Die Rivalen im Abstiegskampf punkten fast alle. „Wir haben wieder eine große Chance liegenlassen, Abstand nach hinten zu schaffen“, sagte Mann. Die nächste Chance ergibt sich am Sonntag gegen die weniger aggressiven, dafür spielstarken Nürnberger. Ob Hanover 96 dazu bereit sein wird?

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