22. Januar 2021 / 12:27 Uhr

Jens-Uwe Friske erlebte bei Holstein Kiel "noch andere Zeiten“

Jens-Uwe Friske erlebte bei Holstein Kiel "noch andere Zeiten“

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Jens-Uwe Friske mit einer artistischen Flugeinlage.
Jens-Uwe Friske mit einer artistischen Flugeinlage. © hfr
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Der Sportbuzzer blickt zurück auf die Karrieren regionaler Fußballgrößen. Heute richtet sich unser Fokus auf den ehemaligen Holstein-Spieler Jens-Uwe Friske, der 89 Mal das Trikot der Störche trug und 31 Tore erzielte.

Schnelligkeit und Sprungvermögen kamen nicht von der Einnahme eines bekannten gallischen Getränkes. „Jenner“, wie ihn seine Freunde nennen, konnte im Gegensatz zu Asterix ohne Zaubertrank Höchstleistungen abrufen. Artistische Flugeinlagen, wuchtige Kopfbälle und einen guten Torriecher. Der gelernte Dachdecker spielte mit einem späteren Weltmeister in einem Team, wurde Europameister und zeigte der Pauli-Legende Walter Frosch, was eine Harke ist. Verlockende Angebote ließen nicht lange auf sich warten. Doch außer auf dem Fußballplatz ist der heute 57-jährige nie abgehoben und blieb Kiel immer treu.

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Jens-Uwe Friske machte die ersten Schritte mit Ball auf der Moorteichwiese beim FC Süd Kiel, ehe er in der C-Jugend zum VfB Kiel wechselte. Zusammen mit dem späteren Holstein-Spieler Martin Seefeld spielte Friske bis 1982 auf der Waldwiese. Den Sprung in den Seniorenbereich wagte der 1.70-Meter große Stürmer zunächst jedoch nicht. Jedenfalls nicht beim VfB. „Ich habe drei Jahre in keinem Verein gespielt, sondern Gaststättenfußball. Damals war das eine große Sache in Kiel mit drei Staffeln. Da waren etliche Leute aus Kieler Vereinen dabei. Und auch viele Trainer, die sich nach Talenten umsahen“, erinnert sich Friske, der 1984 in einem wahren Krimi mit dem „Alten Berliner“ Meister wurde. Im letzten Spiel traf sein Team auf das „anyway“ mit Holstein-Spieler Stefan Dietrich und brauchte ein Unentschieden. Mit der letzten Aktion köpfte Jenner, der höher als der Torwart sprang, zum 3:3 ein und der Titel war eingetütet.

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Ab 1984 trug Jens-Uwe Friske dann das Trikot vom VfB Kiel: „Ich durfte weiter Kneipenfußball spielen. Ich hatte gefragt, und die Trainer hatten nichts dagegen. Wenn die aber gewusst hätten, dass ich vormittags noch auf dem Norder gekickt habe und nachmittags zum Punktspiel schon 90 Minuten in den Knochen hatte, weiß ich nicht, was die gesagt hätten. Während der Zeit wurden wir mit dem VfB jedes Jahr stärker. Da spielten Frank Wolf, Andreas Gröper, Jürgen Sievers oder Bernd Brexendorf und viele tolle Typen mehr, die es alle Wert sind, genannt zu werden.“

Ein Spiel mit dem VfB ist dem Stürmer in besonderer Erinnerung geblieben. Ein Pokalspiel gegen Holstein Kiel. „Da war ich gerade beim Bund, und wir hatten Übung. Irgendwie es ist mir gelungen, Dienstbefreiung zu bekommen. Der Spieß hat dafür gesorgt, dass ich mit dem Jeep vom Übungsplatz zur Kaserne nach Lütjenburg gebracht wurde, dann mit meinem Auto nach Kiel und rauf aufs Spielfeld. Ein spannendes Spiel. Leider hat Axel Möller in letzter Minute das 5:4 für Holstein geköpft“, erinnert sich der damals 21-jährige, der dem Kneipenfußball weiter treu blieb.

Mit den Gastspielern Rainer Züchner, Jürgen Sievers und Andreas Köpke im Tor traf Friske mit dem „Alten Berliner“ bei einem Turnier in Böklund auf Edeka-Hamburg, der sich mit dem Ex-Bundesligaspieler Walter Frosch verstärkt hatte. 1992 gelang den Kielern mit einer veränderten Mannschaft bei den Europameisterschaften in Belgien der Coup. Gegen starke Konkurrenz aus Frankreich und England gewann Friske mit seinem Team den Titel. „An den gigantischen Wanderpokal kann ich mich genau erinnern. Der war größer als ich. Da passten 21 Flaschen Sekt rein. Und das haben wir mal ausgetestet“, erzählt Friske, der sogar dem späteren Nationaltorwart Andreas Köpke noch einmal gegenüberstehen sollte, als der VfB den 1. FC Nürnberg 1998 zu einem Freundschaftsspiel empfing.

Zu einem Wechsel zu Holstein mochte sich der quirlige Angreifer aber noch nicht durchringen. „Ich habe Michael Lorkowski zwei Mal einen Korb gegeben. Erst 1988 als er Trainer bei Holstein war und dann später als er Trainer in Norderstedt wurde. In Norderstedt haben die mir einen Job, eine Wohnung und ein Top-Spielergehalt geboten. Das war schon verlockend.“ 1990 wechselte Jens-Uwe Friske dann aber doch zu den Störchen und brachte es auf 89 Spiele und 31 Tore. Und das, obwohl der Stürmer tagsüber noch als Dachdecker arbeitete. „Ach, das ging alles. Ich bin zum Training meist direkt von der Arbeit gekommen und mit dem Transporter vorgefahren. Umziehen und dann auf den Fögeplatz oder zum Steenbeker Weg. War Training im Steenbeeker Weg, bin ich mit dem Transporter hingefahren. Oft genug haben sich die Jungs darum gerissen, wer bei mir mitfahren durfte. Es war sehr einfach alles. Wir waren mit wenigem zufrieden. Nach so einem Trainingsgelände, wie es die Spieler heute haben, hätten wir uns damals alle zehn Finger geleckt. Es waren eben noch andere Zeiten.“

Als Holstein den Trainingsbeginn auf 15 Uhr festsetzte, musste Friske passen. „Ich hätte das von der Arbeit her nicht geschafft“, so der heutige Kraftfahrer beim ABK Kiel, der deshalb den Verein wechselte. Von 1993 bis 1997 läutete er die erfolgreichste Zeit des TuS Felde mit ein, und zum Abschluss der Karriere lief Friske noch für den 1. FC Schinkel auf. Heute kickt der 57-Jährige bei den Alten Herren des TSV Kronshagen oder fachsimpelt in wöchentlicher Runde mit vielen seiner alten Weggefährten im Vereinsheim des SV Surendorf.

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