23. Juli 2021 / 17:40 Uhr

Kapitel Union Berlin ist geschlossen: Emily-Jane Karger will mit Sieversdorf den ersten Titel

Kapitel Union Berlin ist geschlossen: Emily-Jane Karger will mit Sieversdorf den ersten Titel

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
In Sieversdorf hat Emily-Jane Karger (vordere Reihe, 4.v.r.) die Lust am Fußball wiederentdeckt.
In Sieversdorf hat Emily-Jane Karger (vordere Reihe, 4.v.r.) die Lust am Fußball wiederentdeckt. © Verein, Peglow
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Die 17-jährige Fußballerin kämpft am Sonntagmittag mit der SGS-Reserve gegen Wittenberge/Breese um den Kreispokal im Fußballkreis Prignitz/Ruppin.

Wenn am Sonntagmittag das Kreispokal-Endspiel der Fußballerinnen in Sieversdorf angepfiffen wird, dann steht auch Emily-Jane Karger auf dem Platz. Statt um Punkte in der Juniorinnen-Bundesliga geht es ab 12 Uhr um den Cup im Fußballkreis Prignitz/Ruppin, statt VfL Wolfsburg heißt der Gegner Veritas Wittenberge/Breese. Doch die 17-Jährige ist froh und glücklich, nach anderthalb Jahren beim 1. FC Union Berlin nun das Trikot der SG Sieversdorf zu tragen. „Ich habe mich schon im Winter dem Verein angeschlossen, wegen der Corona-Pandemie fand bisher aber leider keine Partie statt“, sagt die gebürtige Perlebergerin, die in Bad Wilsnack lebt und in der heimischen Kurstadt sowie beim SSV Einheit Perleberg ab dem zehnten Lebensjahr das Fußball-Abc erlernte.

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Karger und das Spiel mit dem runden Leder – das passt: „Ich habe Fußball schon immer gemocht, war auch schon als kleines Mädchen oft im Stadion.“ Das Berliner Olympiastadion und der Signal Iduna Park, wo ihr Lieblingsverein Borussia Dortmund seine Heimspiele austrägt, sind jene Orte, die Kindheitserinnerungen wecken. Und: Papa Marcel und Mama Janett spielten früher selbst Fußball, „mein Papa ist auch Trainer in Perleberg“. Neben ihm war es vor allem Einheit-Jugendleiter Ulf Liebmann, der maßgeblich an der fußballerischen Förderung von Emily-Jane Karger beteiligt war. Nach den Jahren auf Kleinfeld setzte sie sich auch noch zwei weitere Jahre gegen die männlichen Konkurrenten auf dem großen Feld durch – in der Landesklasse Nord-West ging Karger mit den C-Junioren des SSV auf Torejagd.

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2019 folgte der Wechsel in den Südosten der Hauptstadt, des eigenen Anspruchs wegen. „Ich wollte mich weiterentwickeln, es war mein Traum, mal höherklassig aktiv zu sein“, verrät die ehemalige Landesauswahlspielerin. Den ersten Kontakt nach Berlin-Köpenick nahm Karger selbst auf, ein Telefonat und ein Probetraining später hatte sie ihren Platz sicher – sowohl in der Union-Kabine als auch im WG-Zimmer im Internat der Flatow-Oberschule, einer Eliteschule des Sports. „Das erste Jahr verlief gut, bei den B-Juniorinnen hatte ich Spaß. Dieser ging aber verloren, als ich zu Beginn des zweiten Jahres zu den Frauen aufrückte.“ Dort stand einzig und allein der Sport im Vordergrund, ein Gemeinschaftsgefühl war laut Karger nicht mehr gegeben. In Sieversdorf erlebt die künftige Zwölftklässlerin des Wittenberger Oberstufenzentrums eine andere Stimmung: „Da sitzen wir auch mal nach dem Training zusammen. Ich wurde toll integriert und fühle mich wohl.“

Folgerichtig ist die kurz abhanden gekommene Lust am Fußball wieder zurück – und ein erster Titel mit dem neuen Verein nicht weit. Zwar plant SGS-Trainer Siegfried Zepp die technisch beschlagene und mit guter Übersicht ausgestattete Mittelfeldspielerin in der kommenden Spielzeit in der Landesliga-Mannschaft ein. Am Sonntag aber darf sie mit der Reserve, die sich vor der abgebrochenen Saison erst neu gründete, nach dem Pokalcoup greifen. „Ich genieße jede Minute, die ich nach der langen Pause auf dem Platz stehen darf und will natürlich auch den Pokal holen“, gibt sich Emily-Jane Karger kämpferisch. Vielleicht gelingt ihr gegen die Wittenberger Torhüterin Luana Wietzki, mit der sie gemeinsam in der märkischen Landesauswahl kickte, gar ein Tor: „Das wäre super.“ Vorbild Jadon Sancho machte es ihr Mitte Mai im DFB-Pokalfinale schon vor – da traf der englische Nationalspieler im BVB-Trikot gegen RB Leipzig (4:1) doppelt. Nun darf Karger selbst nachziehen