24. Oktober 2021 / 19:27 Uhr

Union Berlin gibt sicher geglaubten Sieg in Stuttgart aus der Hand

Union Berlin gibt sicher geglaubten Sieg in Stuttgart aus der Hand

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Union Berlin hat in letzter Sekunde zwei Punkte gegen den VfB Stuttgart verloren.
Union Berlin hat in letzter Sekunde zwei Punkte gegen den VfB Stuttgart verloren. © IMAGO/Sven Simon
Anzeige

Der Berliner Fußball-Bundesligist zeigt im Schwabenland lange eine abgeklärte Leistung gegen einen über weite Strecken harmlosen VfB Stuttgart. Für Union Berlin trifft Taiwo Awoniyi wie gewohnt, Stuttgarts Atakan Karazor fliegt vom Platz nach zwei Gelben Karten binnen 35 Sekunden. In der Nachspielzeit gleicht Wahid Faghir zum 1:1 aus.

Nach 41 Spielminuten dürften nicht wenige Fans des VfB Stuttgart den Kopf geschüttelt haben. Hamadi Al Ghaddioui und Nikolas Nartey wollten einen langen Ball erlaufen, rannten sich gegenseitig in die Queere und purzelten wie kleine Kinder über den Rasen. In der Fußball-Bundesliga sieht man sowas selten. Profis nennen sich die Spieler in dieser Liga gerne. Zu Ehren Al Ghaddiouis und Narteys muss angefügt werden, dass es nicht das einzige Missgeschick war, das die Stuttgartern im Heimspiel gegen den 1. FC Union Berlin produzierten. Es gab ja noch Atakan Karazor, der es schaffte, binnen 35 Sekunden zwei Gelbe Karten zu erhalten und deshalb vorzeitig das Spielfeld verlassen musste (57. Minute).

Anzeige

Wesentlich koordinierter trat Union auf. Eine durchschnittliche Leistung genügte den Berlinern, um dank Taiwo Awoniyis Tor in der 31. Minute auf die Siegstraße einzubiegen. Der Erfolg schien lange sicher, Union hatte alles im Griff - doch in der Nachspielzeit traf Wahid Faghir für Stuttgart zum 1:1, Timo Baumgartl hatte den Ball unhaltbar für Torwart Andreas Luthe abgefälscht. Union verpasste durch das späte Gegentor den Sprung auf den vierten Tabellenplatz.

Unions Trainer Urs Fischer verzichtet auf Max Kruse

"Das war einfach unnötig, wir haben das Spiel 90 Minuten im Griff", sagte Unions Timo Baumgartl bei DAZN. "Da kann Stuttgart sich heute glücklich schätzen." Sein Abwehrkollege Robin Knoche meinte mit Blick auf den Ausgleich: "Das darf so nicht passieren und ist dem Spielverlauf überhaupt nicht entsprechend. Ich glaube, das war die einzige Torchance, die wir heute zugelassen haben."

Anzeige

Die erste Überraschung gab's schon vor dem Anpfiff: Union-Trainer Urs Fischer strich den eigentlich immer gesetzten Max Kruse aus der Startelf, stattdessen begann Sheraldo Becker. Neu dabei im Vergleich zur 1:3-Niederlage in der Conference League bei Feyenoord waren auch Linksverteidiger Niko Gießelmann und Genki Haraguchi.

Allzu viele Höhepunkte lieferten die beiden Mannschaften in der ersten Halbzeit nicht. Die erste Szene zum Schmunzeln lieferte Gießelmann, dem in der Anfangsphase ein falscher Einwurf geahndet worden war. Wenig zu lachen hatten zunächst die Stuttgarter. Union überließ den Schwaben zwar die Initiative, viel damit anzufangen wusste der VfB allerdings nicht. Mehr als ein paar halbherzige Chancen durch Wataru Endo, der zwei Möglichkeiten hatte, und Marc-Oliver Kempf ergaben sich nicht. Union verteidigte routiniert und teils tief in der eigenen Hälfte stehend.

Den Berlinern reichte offensiv ein sauberer Spielzug, um in Führung zu gehen. Der aufmerksame Rani Khedira eroberte im Mittelfeld den Ball gegen Endo, behielt die Übersicht und schickte Becker auf die Reise. Kruses Ersatz tat das einzig Richtige: Er wackelte ein, zweimal mit den Hüften und schob den Ball anschließend quer auf Awoniyi, der mit dem linken Fuß direkt abschloss und präzise ins rechte Eck traf - ein perfekt gespielter Konter. Eine weitere, allerdings weniger zwingende Chance vergab Awoniyi kurz darauf, als er nach Haraguchis Zuspiel flach am Tor vorbeischoss.

Mehr zu Union Berlin

Wer nach der Pause ein Feuerwerk der Heimelf erwartet hatte, musste auf die Tribünen schauen. Die VfB-Fans zündeten etliche bengalische Feuer, ihre Mannschaft zündete allerdings nicht. Farbe ins Spiel brachte lediglich Karazor, der Rani Khedira völlig übermotiviert im ungefährlichen Raum abgrätschte und zu Recht seine zweite Gelbe Karten innerhalb von 35 Sekunden sah - Gelb-Rot also. Khedira musste wenig später auch runter, nach einer Grätsche deutete er Adduktorenprobleme an.

Der Platzverweis kam den lauffreudigen und kompakt arbeitenden Berlinern natürlich zu Gute, sie kontrollierten Spiel und Gegner, hielten das Visier aber geschlossen. Mit letzter Vehemenz ging die Fischer-Elf nicht aufs zweite Tor. Gegen die ersatzgeschwächten Stuttgarter begnügten sich die Gäste mit Ballstaffetten, die dem VfB sichtlich die Motivation raubten.

Im Stadion wurde es leiser, die Stuttgarter Fans glaubten nicht mehr so recht an ihre Elf. Erst in der Schlussphase wachten Zuschauer und Mannschaft noch mal auf - gerade rechtzeitig. In der Nachspielzeit kam Faghir an den Ball, wühlte sich durch den Berliner Sechzehner und traf zum Ausgleich. Kurz darauf war Schluss und Union um eine weitere Enttäuschung in dieser Woche reicher. "Wir haben das Spiel dominiert. Ich glaube, Stuttgart weiß gar nicht wie sie hier zum Punkt gekommen sind", klagte Baumgartl, der aber auch die positiven Dinge sah: "Wir können auf diesem Spiel aufbauen, das war eine super Reaktion im Vergleich zu Donnerstag."