21. Juli 2021 / 22:08 Uhr

Klavier, Casablanca, Königsklasse: Das ist Wolfsburg-Neuzugang Bornauw

Klavier, Casablanca, Königsklasse: Das ist Wolfsburg-Neuzugang Bornauw

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Neuzugang des VfL Wolfsburg: Sebastiaan Bornauw.
Neuzugang des VfL Wolfsburg: Sebastiaan Bornauw. © Roland Hermstein
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Der VfL Wolfsburg und seine Neuen - für die Innenverteidigung hat der VfL Sebastiaan Bornauw vom 1. FC Köln geholt. Ein Wechsel, bei dem es Geduld brauchte.

Klavierspielen geht gerade nicht bei Sebastiaan Bornauw, weil sich der VfL-Neuzugang in einem Testspiel mit seinem Ex-Verein 1. FC Köln einen Handbruch zugezogen hat. Aber beim Fußballspielen schränkt ihn das nicht ein, der neue Innenverteidiger des Wolfsburger Bundesligisten trägt in den Einheiten eine Schiene. Diese Verletzung kann einen wie Bornauw aber auch nicht aufhalten – er will hoch hinaus. Wie hoch? "So hoch wie möglich", sagt der ehrgeizige Neuzugang.

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Der Abwehrmann war Wolfsburgs Wunschlösung – schon lange hatte die VfL-Verantwortlichen um Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer den Belgier im Visier. Mit ihm waren sie schnell klar, mit Köln dauerte es, bis eine Einigung bei der Ablöse gefunden war. Aber gezweifelt, dass der Deal noch platzen könnte habe er nicht, sagt Bornauw. „Ich hatte immer einen guten Kontakt zum VfL. Sie haben immer gesagt: ,Wir machen das, wir glauben an dich'. Die Zeit war nicht so einfach, aber jetzt bin ich hier und freue mich.“ Er freut sich auf den VfL, bei dem er an John Anthony Brooks und Maxence Lacroix vorbei muss, um spielen zu können.

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Letzterer bleibt, obwohl etwa RB Leipzig ihn wollte, aber der VfL lässt den Franzosen nicht ziehen. „Ich finde es gut, Maxence ist ein guter Spieler und ein geiler Typ“, so Bornauw, der von einem Relegations-Teilnehmer zu einem Champions-League-Teilnehmer gewechselt ist. „Die Trainingsintensität ist hoch, aber ich liebe das“, sagt der Neuzugang. „Das ist ist eine geile Truppe, die Qualität auf dem Platz ist hoch.“

In Köln war er Stammspieler, in Wolfsburg muss er sich neu beweisen. Wie schätzt er seine Chancen auf die Startelf ein? „Schwierig, aber es sind viele Spiele, es liegt an mir, mich zu zeigen. Ich möchte jeden Tag lernen, lernen, lernen“, so Bornauw, der bei sich selbst überall noch Verbesserungspotenzial sieht, wenngleich er schon gezeigt hat, dass er einer Abwehr viel Stabilität verleihen kann. Das hatte er in Köln aber auch beim RSC Anderlecht unter dem ehemaligen Top-Abwehrspieler Vincent Kompany gezeigt. „Er hat mir zu meinem Wechsel gratuliert“, erzählt Bornauw.

Im Saisonfinale der vergangenen Spielzeit gegen Schalke war es sein Tor, das dafür sorgte, dass die Kölner in die Relegation durften und sich dann gegen Zweitligist Holstein Kiel retteten. „Für mich war der Klassenerhalt sehr wichtig, ich wollte durch die große Tür rausgehen und nicht durch die Hintertür 2. Liga“, erzählt der Wolfsburger Neuzugang. „Ich wollte unbedingt, dass der FC drin bleibt, denn der Verein hat mir zwei schöne Jahre gegeben.“

Schöne Jahre, die will er auch in Wolfsburg haben, bis 2026 hat der 15-Millionen-Mann unterschrieben. Beim VfL will er den viel zitierten nächsten Schritt in seiner Karriere machen und sich für die Nationalmannschaft empfehlen. „Ich glaube, dass ich, wenn ich hier spiele und gut spiele, eine größere Chance habe“, so der zweifache Nationalspieler, dessen Vorbild der holländische Top-Innenverteidiger Virgil van Dijk (FC Liverpool) ist. „Für mich“, betont Wolfsburgs neue Nummer 3, „ist das der momentan beste Innenverteidiger. Er ist schnell, gut und stark. Er hat auch offensiv ein sehr gutes Kopfballspiel und ist sehr gut am Ball. Wenn ich sein Spiel anschaue, kann ich viel lernen.“


Der VfL Wolfsburg bereitet sich in Bad Waltersdorf/…sterreich auf die neue Saison vor. Zur Galerie
Der VfL Wolfsburg bereitet sich in Bad Waltersdorf/…sterreich auf die neue Saison vor. ©

Bornauw hat sein erstes Fußballspiel auf einem Ascheplatz in Marokko gemacht, sein Vater ist Marketingmanager eines großen Konzerns. Zweieinhalb Jahre hatte er mit seiner Familie unter anderem in Casablanca gelebt, bei Wydad Casablanca hatte der neue VfLer mit dem Fußballspielen angefangen. „Das war für mich die beste Erfahrung, die ich in meinem Leben hatte“ sagt Bornauw über die Zeit in Marokko, die ihn geprägt hat: „Bei uns war alles gut, aber zwei, drei Straßen weiter hatten die Kinder weniger. Meine Eltern haben immer gesagt, du musst hart arbeiten für das, was du erreichen willst. Und du musst immer demütig bleiben.“

Bornauw ist es geblieben. Das merkt man ganz schnell in dem Gespräch mit dem 22-Jährigen, der Musik liebt, vier Sprachen spricht („Deutsch, Französisch, Flämisch und Englisch, aber ich wollte gerne noch eine andere lernen. Ich finde spanisch sehr schön“) und jetzt in Wolfsburg ein Haus oder eine Wohnung im Grünen sucht - für sich, seine Freundin und den gemeinsamen Mini-Labradoodle. Ein Haus, in dem natürlich auch sein Klavier stehen wird, denn: „Ich liebe Musik.“