06. Dezember 2022 / 08:52 Uhr

Kommentar zum DFB-Aus: Darum hatte Oliver Bierhoff keine Argumente mehr

Kommentar zum DFB-Aus: Darum hatte Oliver Bierhoff keine Argumente mehr

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser kommentiert das DFB-Aus von Oliver Bierhoff.
SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser kommentiert das DFB-Aus von Oliver Bierhoff. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur (Montage)
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Oliver Bierhoff ist nicht mehr DFB-Direktor. Wenige Tage nach dem WM-Desaster in Katar folgte die Einigung über eine Vertragsauflösung. Bierhoff hatte keine Argumente mehr, meint SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser.

Oliver Bierhoff ist nach 18 Jahren beim DFB Geschichte. Der Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie der DFB GmbH & Co KG, so Bierhoffs voller Titel, hat seinen bis 2024 laufenden Vertrag vorzeitig aufgelöst. Darauf habe sich der 54-Jährige "mit Präsident Bernd Neuendorf verständigt", wie er in einer Mitteilung schrieb. Die Formulierung "einvernehmlich" findet man nicht in den per Pressemitteilung am Montagabend verschickten Zeilen.

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War es wohl auch nicht. Bernd Neuendorf ist seit rund acht Monaten im Amt und das Verhältnis zu Bierhoff kühlte von Woche zu Woche ab, in der Wüstenhitze von Katar fröstelte es die Umstehenden. Nun zog Bierhoff die Konsequenzen – auch, weil er wohl spürte, woher der (Gegen-)wind weht. Die drei großen Enttäuschungen bei Turnieren seit 2018 (Vorrunden-Aus bei der WM in Russland, Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 und nun das Debakel von Katar) sind Dokumente der sportlichen Talfahrt. Die allerdings konnte nur so krass ausfallen, weil Bierhoffs seit seinem Amtsantritt 2004 als Manager der Nationalmannschaft gemeinsam mit dem Trainer-Duo Jürgen Klinsmann und Joachim Löw zunächst das Gefühl "Sommermärchen 2006" schuf und eine neue Euphorie um die Nationalmannschaft entfachte, die ihren Höhepunkt unter Löw mit dem WM-Titel 2014 in Brasilien erreichte.

Doch durch übertriebene Kommerzialisierung und zwanghafte Markenslogans wie "Die Mannschaft" verlor Bierhoff sein Gefühl und Gespür. Die Entfremdung von der Basis, von den Fans, nahm stetig zu. Der aktuelle sportliche Misserfolg, die schwachen Einschaltquoten, das mehr als 30 Millionen Euro schwere Defizit im Geschäftsjahr 2021 – Bierhoff hatte keine Argumente mehr.

Bierhoffs ganz persönliches "Golden Goal"

Die WM sollte am Mittwoch mit dem Treffen zur Aufarbeitung in die Verlängerung gehen. Teilnehmer neben Bierhoff, Bundestrainer Hansi Flick und Neuendorf: DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke, der neue starke Mann, ein Bierhoff-Kritiker. Dieses Tribunal wollte sich der ehemalige Stürmer ersparen. Das abrupte Ende dürfte für ihn eine Erleichterung sein. Ein ganz persönliches "Golden Goal".

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Fragt sich nur, was der Bierhoff-Rückzug nun für Flick und dessen Zukunft bedeutet. Ausgang offen. Mit Bierhoff ist der Mann weg, der ihn 2021 zu Löws Nachfolger gemacht hat.

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