28. Februar 2021 / 18:09 Uhr

Kommentar zum Schalke-Beben: Das Prinzip Hoffnung reicht nicht

Kommentar zum Schalke-Beben: Das Prinzip Hoffnung reicht nicht

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Die Experimente von Schalke 04 mit Sportvorstand Jochen Schneider, Trainer Christian Gross und Interimstrainer Huub Stevens dürfen als gescheitert betrachtet werden, kommentiert Sebastian Harfst.
Die Experimente von Schalke 04 mit Sportvorstand Jochen Schneider, Trainer Christian Gross und Interimstrainer Huub Stevens dürfen als gescheitert betrachtet werden, kommentiert Sebastian Harfst. © IMAGO/Rabas via TEAM2sportphoto
Anzeige

Der FC Schalke 04 stellt sich im Abstiegskampf neu auf - und setzt zum wiederholten Male auf neue Gesichter. Die auf Nostalgie beruhenden Experimente des Ruhrpott-Klubs sind misslungen, kommentiert der stellvertretende RND-Sportchef Sebastian Harfst.

Anzeige

Der Fußball ist ein emotionaler Sport. Wirklich auf Langfristigkeit ausgelegte Planung hat es schwer und wird in Windeseile einkassiert, wenn ein paar Mal in Folge am Wochenende die Ergebnisse nicht stimmen. Im hektischen Tagesgeschäft zählt dann allzu oft nur noch das Prinzip Hoffnung. Alte Bande werden aufgefrischt, ehemalige Erfolgskonstellationen reaktiviert. Was irgendwann mal gut war, muss einfach wieder gut werden.

Anzeige

Wie fatal es jedoch werden kann, nur auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, beweist der aktuelle Zustand des FC Schalke 04. Schon die Hoffnung, dass sich ein über zwei Jahrzehnte in der zweiten Reihe bewährter Mann wie Jochen Schneider auch in Reihe eins bewähren könnte, muss nun endgültig als gescheitert verbucht werden. Ebenso wie die Entscheidungen, zuerst eine Klublegende wie Huub Stevens als Interimstrainer zu installieren und schließlich alte, persönliche Bande zu Christian Gross zu reaktivieren. Die Bilanz der beiden Nostalgiepersonalien ist unterirdisch: ein Sieg in elf Bundesliga-Spielen.

Mehr vom SPORTBUZZER

Auch die Nottransfers aus diesem Winter haben den Anhängern vielleicht ein kurzzeitiges emotionales Hoch verschafft, sportlich sind sie jedoch verpufft. Die Klublegenden Sead Kolasinac und Klaas-Jan Huntelaar sowie Ex-Weltmeister Shkodran Mustafi sollten Hoffnung nach Gelsenkirchen bringen. Doch dabei blieb es. Im wöchentlichen Wettkampfbetrieb zeigen Kolasinac und Mustafi trotz aller nach außen getragener Motivation, dass sie keine Wunderheiler auf dem Platz sind. Und Huntelaar? Der hat bisher aufgrund von Verletzungen nicht einmal zeigen können, dass er auch als 37-Jähriger noch über die Torjägerqualitäten verfügt, die es braucht, um Schalke im Rennen um den Klassenerhalt zumindest als ernstzunehmenden Gegner zu präsentieren.

Mehr noch: Ausgerechnet diese drei Routiniers sollen beim nun ehemaligen Sportvorstand Schneider am Stuhl des nun ehemaligen Trainers Gross gesägt haben. Das Trio brachte statt sportlichem Erfolg also sogar weitere Unruhe in den gebeutelten Klub.

Schalkes letzte Antwort auf den beispiellosen Niedergang auf allen Ebenen ist nun ein beispielloser Kahlschlag bei der sportlichen Führung. Wenn dieser nun endlich zu Entscheidungen führt, die nicht nur vom Prinzip Hoffnung getrieben sondern längerfristiger angelegt sind, kann Schalke den Neuaufbau in Liga zwei ambitioniert angehen. Allein: Die Hoffnung auf diesen Lerneffekt fehlt nach den Erfahrungen der vergangenen Monate.