28. März 2021 / 19:06 Uhr

Kommt der Saisonabbruch? Für Oberhavels Fußballer gibt es da keine zwei Meinungen

Kommt der Saisonabbruch? Für Oberhavels Fußballer gibt es da keine zwei Meinungen

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Elgora-Stadion,Sachsenhausen
Seit November 2020 rollt auch im Elgora-Stadion Sachsenhausen kein Ball mehr. © Matthias Schütt
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Am Montag will der Fußball-Landesverband Brandenburg über den weiteren Saisonverlauf entscheiden. Spieler, Trainer und Funktionäre aus Oberhavel plädieren überwiegend für einen Abbruch. Doch es gibt auch alternative Ideen. Der Fußballkreis Oberhavel/Barnim will sich derweil dem Beschluss unterordnen.

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Seit Monaten ist die Fortführung der Fußballsaison 2020/21 eine Hängepartie – für Spieler, Trainer, Funktionäre und Eltern. Am Montag wird es Gewissheit geben: Der Vorstand des Fußball-Landesverbands Brandenburg (FLB) will eine Entscheidung „über die aktuelle Saison 2020/2021 und deren weitere Behandlung“ treffen, wie der Verband ankündigte. Für viele Fußballer und Clubverantwortliche aus Oberhavel ist ein Saisonabbruch die einzige logische Konsequenz.

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Für Hans Oertwig, Trainer von Brandenburgligist SV Altlüdersdorf, liegt die Sache auf der Hand. „Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass die Saison abgebrochen werden muss. Es ergibt keinen Sinn mehr“, sagt der Fußball-Lehrer.

Oertwigs früherer Schützling Sven Roggentin, Torhüter beim Oranienburger FC Eintracht, rechnet zwar auch mit diesem Entschluss, würde aber eine andere Variante lieber sehen. „Eigentlich bin ich gegen einen Abbruch. Man könnte die Saison auch einfrieren und dann fortsetzen, wenn es eben möglich ist“, sagt der 38-jährige Schlussmann. Dadurch würde sich für ausstehenden Spiele auch der zeitliche Druck reduzieren. „Dabei rede ich gar nicht mal nur von Corona“, meint er, „auch im Winter können mal Spiele ausfallen. Das wäre dann kein großes Problem und man könnte die Saison am Ende vernünftig werten.“ Denn niemand könne ja sicher sein, ob nicht im September oder Oktober auch die neue Spielzeit wieder unterbrochen werden müsste, glaubt Roggentin. „Dass kein Mannschaftssport möglich ist, solange andere Dinge Priorität haben, ist aber auch klar.“ Dennoch vermisse er den Fußball – besonders an Tagen wie vergangenen Sonnabend, wo eigentlich das Stadtderby gegen den TuS 1896 Sachsenhausen angestanden hätte.

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„Das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm“, sagt Marc Flohr und muss lachen. Der Sportliche Leiter des TuS hatte bis zuletzt auf eine sportliche Lösung gehofft. „Aber aufgrund der aktuellen Situation und spätestens nach der letzten Zusammenkunft der Ministerpräsidenten kann ein Saisonabbruch eigentlich das einzige Ergebnis sein“, meint Flohr. Er sei dann gespannt, wie mit Auf- und Abstieg umgegangen wird. In dem kurzen Zeitfenster, in dem das kontaktfreie Training in Oberhavel erlaubt war, habe man gemerkt, „dass die Jungs wieder richtig Bock auf Fußball haben“, erzählt Flohr. Jetzt gilt wieder Füße still halten.

Auch Sascha Stahlberg geht das so. Der Angreifer von Fußball-Landesligist FC 98 Hennigsdorf wünscht sich vor allem einheitliche und verständliche Regelungen. „Wir durften ja gerade erst kurzzeitig mal trainieren, da haben wir auch Abstand gehalten, niemand hat sich angesteckt“, erklärt der Stürmer, „das Hin und Her ist ärgerlich.“ Ein Abbruch der Saison sei wohl unvermeidlich, Stahlberg findet das aber sehr schade. „Ich hätte gerne noch das eine oder andere Spiel gemacht, um endlich auch mal wieder sportlich zu einem Ende zu kommen.“

Doch für eine Fortsetzung der Saison laufe dem Verband schlicht die Zeit davon, glaubt Eberhard Janotta, der Trainer des aktuellen Kreisoberliga-Dritten Blau-Weiß Leegebruch. „Wir haben schon wieder fast April, das wird zu eng“, sagt er. Das eigentliche Problem werde durch einen Abbruch aber nicht aus der Welt geschafft. „Es wird doch nicht einfacher, auf Vorschläge wird ja auch nicht mehr eingegangen“, redet er sich in Rage. „Da verliert man die Lust und den Mut“, bemerkt Janotta, den eine ganz andere Sorge umtreibt. „Ich habe noch nicht gehört, dass sich beim Sport an der frischen Luft jemand angesteckt hat. Da geht es mir vor allem um die Kinder und Jugendlichen. Auch wir haben zwei Spieler, die schon die Lust verloren haben, die wir jetzt überzeugen müssen, doch weiterzumachen. So wird es vielen Vereinen gehen. Wie es mit der Saison weitergeht, ist da fast zweitrangig. Wichtig ist, dass wir überhaupt bald wieder was machen können“, meint Eberhard Janotta.

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Daran, dass sich der Fußballkreis Oberhavel/Barnim der Entscheidung des Landesverbandes vom Montag anschließen wird, besteht kaum ein Zweifel. „Ich bin kein Freund von Flickenteppichen“, sagt Spielausschuss-Chef Steffen Misdziol. Es sei sehr wahrscheinlich, dass man sich dem Beschluss des FLB unterordnen werde. Dem will er nicht vorgreifen, lässt aber durchblicken: „Wenn man jeden Tag die Nachrichten hört, ist es wohl noch lange hin, bis wieder Fußball gespielt werden kann.“

Sollte die Saison abgebrochen werden, kommt diese Entscheidung für Daniel Runge, den Trainer von Brandenburgligist SV Zehdenick, „vier Wochen zu spät“, wie er sagt. „Bei dem ganzen Theater um das Training bleibt das Sportliche auf der Strecke“, findet er. Zwei Wochen lang hatte man in der Havelstadt den kontaktfreien Übungsbetrieb wieder aufgenommen – dann kam die Notbremse. „Ich glaube, auch die meisten meiner Trainerkollegen sind der Ansicht: Mehr als ein Saisonabbruch ergibt keinen Sinn“, sagt Runge. Vereine, Spieler und Trainer könnten zur Zeit ohnehin gar nicht planen, glaubt er. Dabei sei eine gute Vorbereitung der nächsten Saison jetzt das A und O. „Man muss klare Vorstellungen haben, wenn man etwas Neues anfängt“, fordert der Zehdenicker Coach, der nicht glaubt, dass bis zum Neustart wirklich die ganze Bevölkerung durchgeimpft ist. „Und im Amateurfußball mit Schnelltests zu arbeiten, ist aus meiner Sicht nicht praktikabel. Wer soll diese Kosten übernehmen?“ Dass sein SVZ, aktuell Tabellenletzter der höchsten Landesspielklasse, ein Profiteur des Abbruchs sein könnte, ist für Runge nur gerecht. „Wir haben sieben Spiele gemacht, das kann man sportlich nicht werten.“

Für eine komplette Annullierung ohne Auf- und Absteiger spricht sich auch Ron Haß vom Landesligisten Birkenwerder BC aus. „Man sollte mit der Saison im Sommer einfach von vorn anfangen“, findet der BBC-Torjäger. „Ein Abbruch ist das einzig Richtige.“ Schon allein, weil die Zeit fehle. „Man muss auch auf eine ausreichende Vorbereitung achten. Die meisten Teams sitzen doch seit fünf Monaten zu Hause“, sagt Haß. Entscheidet der FLB am Montag auf einen Saisonabbruch, dürfte für Oberhavels Kicker noch der eine oder andere fußballlose Monat dazukommen.

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