28. Juni 2021 / 21:53 Uhr

Walker, Maguire, Stones und Co: So tickt die Null-Gegentore-Abwehr von England

Walker, Maguire, Stones und Co: So tickt die Null-Gegentore-Abwehr von England

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Defensive der Engländer stand im bisherigen Turnierverlauf stabil.
Die Defensive der Engländer stand im bisherigen Turnierverlauf stabil. © IMAGO/Shutterstock/PA Images/Focus Images (Montage)
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Die englische Nationalmannschaft qualifizierte sich als Gruppenerster für das Achtelfinale der Europameisterschaft. Auch, weil die Defensive der "Three Lions" bislang zuverlässig abliefert. Der SPORTBUZZER blickt auf die Personalien der englischen Hintermannschaft.

Es gibt diese eine Jahreszahl im englischen Fußball, die Mythos und Last zugleich ist. Sie lautet: 1966. Damals wurden die Engländer Weltmeister. Seitdem warten sie vergeblich auf weitere Titel. Mal scheitern sie kurz vor dem Ziel, zuletzt bei der WM in Russland vor drei Jahren, als im Halbfinale gegen Kroatien Schluss war, mal blamieren sie sich krachend, zum Beispiel bei der EM 2016 in Frankreich, beim Achtelfinal-Aus gegen Island.

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Bei der EM in diesem Jahr hofft England auf ein Ende der mittlerweile “55 years of hurt”. Im Achtelfinale gegen Deutschland am Dienstag in Wembley muss die Mannschaft beweisen, dass sie zurecht zu den Favoriten gehört. Optimismus ziehen die Engländer aus zwei Zahlen: Null Gegentore haben sie in der Gruppenphase kassiert. Und: Das gelang ihnen bei einem Turnier vorher nur: 1966.

*Ein Überblick über Englands Defensive, die vor der EM als Schwachstelle ausgemacht wurde – und bisher so undurchlässig ist wie die Mauern des Tower of London: *

Jordan Pickford (Torwart, FC Everton)

Half im Achtelfinale der WM in Russland, das Schicksal zu besiegen. Dank seiner Parade gegen den Kolumbianer Carlos Bacca überwanden die Engländer ihr Trauma bei Elfmeterschießen. Hat seitdem keine gute Entwicklung genommen. Bei Everton ein Unsicherheitsfaktor, oft übermütig und unberechenbar. Zeigte das, als er Liverpools Verteidiger Virgil Van Dijk in der vergangenen Saison einen Kreuzbandriss zufügte. In der Nationalmannschaft tadellos. Überzeugt mit genauen Zuspielen und sicherte vor allem gegen Schottland und Tschechien mit starken Paraden die Null.

Kyle Walker (Rechtsverteidiger, Manchester City)


Machte im Lockdown Negativ-Schlagzeilen mit Besuchen bei seiner Familie und einer Party “mit zwei Frauen, die für ihre Anwesenheit bezahlt wurden”, wie es der “Guardian” formulierte. Bei der EM mit Licht und Schatten. Sucht mit dem Ball noch die richtige Mischung zwischen Sorglosigkeit und zu großer Vorsicht. Könnte auf der rechten Seite von Reece James (FC Chelsea) oder Kieran Trippier (Atlético Madrid) ersetzt werden oder von ihnen Verstärkung erhalten, falls Nationaltrainer Gareth Southgate gegen Deutschland auf eine Fünfer-Abwehr umstellt, wie einige Experten vermuten.

Harry Maguire (Innenverteidiger, Manchester United)

Kehrte beim Vorrunden-Abschluss gegen Tschechien nach sechswöchiger Verletzungspause zurück und zeigte, warum er Englands Abwehrchef ist. Sicher im Zweikampf und in der Luft, wichtig für das Aufbauspiel und mit guten Pässen durch die gegnerischen Linien. Manchmal etwas behäbig. Dürfte in Kürze den Status als teuerster englischer Fußballer (wechselte 2019 für geschätzt 87 Millionen Euro von Leicester zu United) an Jadon Sancho verlieren. Dass er im vergangenen Sommer im Urlaub auf Mykonos wegen angeblicher Körperverletzung und versuchter Polizisten-Bestechung verurteilt wurde, ist aktuell kein Thema.

John Stones (Innenverteidiger, Manchester City)

Profitierte von der Verschiebung der EM um ein Jahr. Brachte seine Karriere in der abgelaufenen Saison wieder in Schwung mit starken Leistungen bei Manchester Citys Meisterschaft. Beweist bisher bei der EM, dass seine sportliche Wiedergeburt nicht nur seinem überragenden Nebenmann im Verein, dem Portugiesen Rúben Dias, zu verdanken ist. Ein solider Abwehrchef in Maguires Abwesenheit – und gegen Schottland fast mit einem Tor, als sein Kopfball an den Pfosten klatschte.

Luke Shaw (Linksverteidiger, Manchester United)

Ein weiterer Spieler, dessen Karriere eine erstaunliche Wende zum Guten genommen hat. In der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen geplagt. Am schlimmsten erwischte es ihn 2015, als ihm ein doppelter Unterschenkel-Bruch beinahe die Karriere kostete. Von José Mourinho in dessen Zeit als United-Trainer konsequent zum Sündenbock gemacht. In der vergangenen Saison dann herausragend. Bei der EM hinten solide und nach vorne mir viel Elan. Könnte bei Umstellung auf eine Fünfer-Abwehr auf die so genannte Wingback-Position rücken. Konkurriert mit Trippier und Ben Chilwell (FC Chelsea) um einen Platz im Team, wobei sich Chilwell zuletzt wegen Verstößen gegen Corona-Regeln isolieren musste.