14. Mai 2021 / 17:01 Uhr

Leere am Cottaweg: Keine Fans bei der Rückkehr von RB Leipzig nach dem Pokalfinale

Leere am Cottaweg: Keine Fans bei der Rückkehr von RB Leipzig nach dem Pokalfinale

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Am Freitag nach dem Pokalfinale: RB Leipzig kehrt in die Messestadt zurück.
Am Freitag nach dem Pokalfinale: RB Leipzig kehrt in die Messestadt zurück. © Elena Boshkovska
Anzeige

Gäbe es keine Pandemie und bestünden keine Einschränkungen, hätten die Fans von RB Leipzig die Mannschaft sicherlich trotz der Final-Niederlage im DFB-Pokal in Leipzig willkommen geheißen. So war der Tag danach nicht nur aufgrund des miesen Wetters ein trister. 

Leipzig. Der Nachmittag nach dem verlorenen Pokalfinale sieht in der Messestadt genauso aus, wie er sich für viele Fans von RB Leipzig sicherlich auch anfühlt. Grau und verregnet, einfach richtig traurig. Nach der 1:4-Niederlage gegen Borussia Dortmund sitzen die Roten Bullen am Freitagmittag schon im Bus nach Hause, zurück aus der Hauptstadt, in der der Traum vom ersten Titel nun schon zum zweiten Mal geplatzt ist.

„Eigentlich hatte ich mehr Fans erwartet“

Wären sie siegreich gewesen, wäre mindestens ein kleiner Menschenauflauf am Cottaweg zu erwarten gewesen. Trotz aller Pandemieeinschränkungen. So ist die Straße vor dem Trainingszentrum von RB am Nachmittag doch recht leer. Nur ein einziger privater Pkw steht hier. Dafür aber gleich mehrere Polizeiautos. Sven und sein Sohn lassen sich weder davon noch vom Regen stören. Sie warten gespannt und geduldig, auch wenn die Klamotten allmählich nass werden. „Wir sind schon seit elf Uhr hier“, sagt der Böhlener, der sich bereits am Vormittag auf die Lauer gelegt hatte, um die Mannschaft willkommen zu heißen. Da waren die Kicker noch nicht einmal in Berlin losgefahren.

RB Leipzigs Ankunft am Cottaweg

„Eigentlich hatte ich mehr Fans hier erwartet“, gibt er zu und scheint dabei etwas geknickt. Die Enttäuschung hat mit der Niederlage allerdings nichts zu tun. „Nein, warum denn auch? Wir waren im Finale, sind Zweiter geworden“, sagt der 45-Jährige, dessen Frau und Kinder im Auto sitzen und im Trockenen auf die Busse der Roten Bullen warten. „Ich bin enttäuscht, dass sonst niemand hier ist.“

Anzeige

Wetter und Pandemie schrecken ab

Um 14 Uhr ist es dann so weit. Der erste Bus – der alte Mannschaftsbus – nähert sich und fährt aufs Gelände. Kurze Zeit später dann auch die zwei neuen, weißen Busse, in denen die Spieler sitzen. Drei Stunden Warten nur um einen kurzen Blick auf die Transportmittel werfen zu können. Mehr ist nicht drin. Schließlich befindet sich das Team seit Mittwoch in der von der DFL angeordneten Team-Quarantäne. Kontakt zur Außenwelt ist das nicht eingeplant. Kurz nach dem Eintreffen des Teams steigt Svens Sohn, die Klamotten mittlerweile völlig vom Regen durchweicht, wieder ins Auto. „Es wird Zeit, dass wir uns auf den Weg zurück machen“, so der RB-Anhänger. „Die Kinder sind schon müde.“

Müde scheinen auch die anderen RB-Fans an diesem Nachmittag zu sein, denn sonst sind nur noch zwei schaulustige Jungs im Alter von etwa 14 Jahren am Cottaweg. Sicherlich sind die Corona-Schutzmaßnahmen ein Grund. Bei einigen dürfte auch das miese Wetter eine Rolle gespielt haben. Aber auch Enttäuschung dürfte ein Faktor gewesen sein. Grit Kleindienst, Medienbeauftragte des Fanclubs Sportfreunde LE, schildert die Stimmung während des Spiels: „In unserer WhatsApp-Gruppe ging es heiß her, mehrere hundert Nachrichten. Das ging bis nach Mitternacht. Es wurde heiß diskutiert. Die Enttäuschung war schon da. Aber wir sind ehrlich: Niemand von unseren Mitgliedern war von vornherein fest davon überzeugt, dass wir das Ding holen. Wahrscheinlich haben die Wenigsten wirklich daran geglaubt, aber trotzdem haben sie davon geträumt. Das wäre auch zu schön gewesen.“

Mehr zum Pokalfinale

„Natürlich waren wir geknickt, aber keineswegs wütend oder undankbar“, sagt auch Olaf Olschewski von den Holy Bulls. „Klar, Nagelsmann kam nicht gut weg. Er saß irgendwann auch nur noch auf der Bank. Aber was sollte er denn letzten Endes auch noch machen? Dortmund war spielerisch stark und taktisch gut eingestellt, sie haben uns den Schneid abgekauft.“ Die Diskussionen in der Gruppe seien trotzdem gelaufen: „Warum hat Poulsen nicht von Beginn an gespielt und Orban überhaupt nicht?“ Auf die fachlichen Fragen schien allerdings niemand mehr eine Antwort zu haben.