20. August 2021 / 17:26 Uhr

Holtby in Kiel, Steinmann in Brisbane: Das macht die bis dato letzte HSV-Startelf in der Bundesliga heute

Holtby in Kiel, Steinmann in Brisbane: Das macht die bis dato letzte HSV-Startelf in der Bundesliga heute

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Lewis Holtby (l.) ist zurück in Deutschland. Matti Steinmann zog es über Umwege zu Wellington Phoenix und den SC East Bengal zu Brisbane Roar.
Lewis Holtby (l.) ist zurück in Deutschland. Matti Steinmann zog es über Umwege zu Wellington Phoenix und den SC East Bengal zu Brisbane Roar. © IMAGO/Philipp Szyza/Action Plus/Getty (Montage)
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Der 12. Mai 2018 ist noch heute ein trauriger Tag für alle Fans des Hamburger SV: Trotz eines 2:1-Siegs gegen Gladbach am 34. Spieltag stieg der HSV erstmals in die 2. Liga ab – und schaffte das Comeback ins Oberhaus bisher nicht. Anlässlich der Deutschland-Rückkehr von Lewis Holtby blickt der SPORTBUZZER auf die letzte HSV-Bundesliga-Startelf und checkt, was aus den Spielern geworden ist.

Lewis Holtby ist zurück in Deutschland. Am Dienstag vermeldete das Zweitliga-Schlusslicht Holstein Kiel überraschend, den ehemaligen Hamburg-Profi bis 2023 verpflichtet zu haben. Damit kickt der ehemalige Nationalspieler nach zwei Jahren beim englischen Zweitligisten Blackburn Rovers wieder in einer deutschen Profi-Liga – und gleichzeitig mit seinem Ex-Klub HSV in einer Spielklasse.

Mit Holtby kehrt auch deutsche Fußballgeschichte zurück. Schließlich war der heute 30-Jährige am 12. Mai 2018 einer von elf Spielern in der HSV-Startaufstellung gegen Borussia Mönchengladbach. Das Spiel sollte bis heute das letzte der Hamburger in der Bundesliga gewesen sein. Trotz eines 2:1-Siegs stand am Ende der erstmalige Abstieg des einstigen Bundesliga-Dinos fest. Doch was ist neben Holtby aus den anderen HSV-Startelf-Spielern vom 34. Spieltag der Saison 2017/18 geworden? Von Lyon bis Brisbane – keinen von ihnen hat es bis heute beim HSV gehalten und nur noch wenige spielen in Deutschland, wie der SPORTBUZZER-Überblick zeigt.

Tor:

Julian Pollersbeck (heute Olympique Lyon): Der deutsche Stammkeeper beim U21-EM-Triumph 2017 galt aufgrund seines Alters lange Zeit als die Zukunft des HSV zwischen den Pfosten. Unter Trainer Christian Titz, der den HSV ab dem 27. Spieltag 2017/18 übernommen hatte, erhielt Pollersbeck bis zum Saisonende den Vorzug vor Christian Mathenia – und agierte als Anspielstation im Aufbauspiel meist weit vor seinem eigenen Tor, fast schon als Libero. Nach dem HSV-Abstieg blieb er im ersten Jahr auch nach dem Trainerwechsel zu Hannes Wolf weiter die Nummer eins. Nachdem Pollersbeck dann unter Wolf-Nachfolger Dieter Hecking schließlich aussortiert wurde und erst zum Saisonende auf Einsätze kam, wechselte der Torwart 2020 für 250.000 Euro Ablöse schließlich in die Ligue 1 zu Olympique Lyon (bisher drei Einsätze), wo er bis heute als Nummer zwei die Pokalspiele absolvieren darf.

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Abwehr:

Gotoku Sakai (heute Vissel Kobe): Der Japaner war der Kapitän der Abstiegsmannschaft und auch in der ersten Zweitliga-Saison eine feste Größe auf der rechten Abwehrseite. Im Sommer 2019 zog es Sakai dann in das Heimatland seines Vaters. Bei Vissel Kobe heuerte die ehemalige HSV-Stammkraft für eine Ablöse von 500.000 Euro an – und spielt dort bis heute. Gemeinsam mit Lukas Podolski gewann Sakai 2019 den japanischen Kaiserpokal. In Kobe wechselte der heute 30-Jährige die Position und ist dort bis heute Linksverteidiger.

Kyriakos Papadopoulos (heute Al-Fayha FC): 6,5 Millionen Euro Ablöse zahlte der HSV vor Beginn der Abstiegssaison an Bayer Leverkusen für den Griechen. Eine Fehlinvestition. Papadopoulos bestätigte keineswegs die guten Eindrücke nach seiner halbjährigen Leihe im Winter und sorgte auch nicht für die nötige Stabilität in der wackligen HSV-Hintermannschaft. Nach dem Abstieg sollte der bullige griechische Nationalspieler – anfangs verletzungsbedingt, später aus Leistungsgründen – nur noch vier Pflichtspiele für den HSV absolvieren, ehe der Vertrag des heute 29-Jährigen im Sommer 2020 nach einigen internen Querelen, inklusive Versetzung in die zweite Mannschaft, schließlich auslief. Heute verdient Papadopoulos nach einem Jahr in Kroatien bei Lokomotiva Zagreb sein Geld beim saudi-arabischen Erstligisten Al-Fayha FC.

Gideon Jung (heute SpVgg Greuther Fürth): Von allen Spielern aus der letzten Bundesliga-Startelf blieb Jung dem HSV am treuesten. Der Innenverteidiger, der auch in der 2. Liga zumeist gesetzt war, verließ den HSV in diesem Sommer ablösefrei in Richtung Fürth. Beim Bundesliga-Aufsteiger unterschrieb Jung nach 143 Pflichtspielen für die Hamburger einen Vertrag bis 2023 und kam in den ersten beiden Pflichtspielen direkt zum Einsatz. Seinen Kontrakt beim HSV löste Jung nach einer enttäuschenden letzten Saison auf.


Douglas Santos (heute Zenit St. Petersburg): Nach Filip Kostic (35 Millionen Euro) ist der Olympiasieger von 2016 mit Brasilien laut transfermarkt.de mit einem Marktwert von 16 Millionen Euro der heute wertvollste Spieler aus der damaligen Startaufstellung gegen Gladbach. Im Sommer 2019 kassierte der HSV nach dem verpassten Wiederaufstieg für das eigene Geldkonto wichtige 12 Millionen Euro Ablöse (plus Bonuszahlungen) von Zenit St. Petersburg für den wuchtigen Linksverteidiger. In Russland ist der Brasilianer heute unangefochtener Stammspieler und feierte mit Zenit schon zwei Meisterschaften und Superpokalsiege sowie einen nationalen Pokalsieg.

Mittelfeld:

Matti Steinmann (heute Brisbane Roar): Der gebürtige Hamburger ist ein echtes HSV-Eigengewächs: 2009 wechselte der defensive Mittelfeldspieler ins Nachwuchsleistungszentrum des damaligen UEFA-Cup-Halbfinalisten. Er zog ins Internat ein, wurde bereits mit 17 Jahren in die U23 der Hamburger hochgezogen und trainierte regelmäßig mit den Profis. Seinen ersten Bundesliga-Einsatz hatte der heute 26-Jährige im September 2014 beim 0:0 gegen den FC Bayern – es blieb das einzige Spiel in der Saison für Steinmann. In den folgenden fünf Jahren pendelte der fünffache U20-Nationalspieler zwischen dem HSV und dem Chemnitzer FC, Mainz 05 und Vendyssel FF in Dänemark, wohin er jeweils ausgeliehen wurde. Ablösefrei wechselte Steinmann 2019 zu Wellington Phoenix in die erste australische Liga. Nach nur einer Spielzeit dort ging es für ihn zum SC East Bengal. Seit Juli 2021 spielt er für den dreifachen australischen Meister Brisbane Roar.

Lewis Holtby (heute Holstein Kiel): Auch der Kiel-Neuzugang lässt sich angesichts seiner von zahlreichen Wechseln geprägten Profi-Karriere als „Wandervogel“ bezeichnen. Aus der Jugend des Pokalfinalisten von 2004 schaffte es Lewis Holtby in den Profikader von Alemannia Aachen. In der Saison 2007/08 machte Interimstrainer Jörg Schmadtke den damals 17-Jährigen mit einer Einwechslung gegen den FC St. Pauli zum Zweitliga-Profi. Mit dem Wechsel zu Schalke 04 zur Saison 2009/10 begann für den Mittelfeldmann das unstete Leben. Die Königsblauen verliehen den Linksfuß nach nur einem halben Jahr für den Rest der Saison zum VfL Bochum, dann direkt weiter zu Mainz 05, wo er mit André Schürrle und Adam Szalai als „Bruchweg-Boy“ für Furore sorgte. Daraufhin verpflichtete der Premier-League-Klub Tottenham Hotspur den dreifachen Nationalspieler. Nach einem Jahr bei den Spurs das gleiche Spiel: halbjährige Leihe zum FC Fulham, einjährige Leihe zum HSV, der ihn 2015 schließlich fest verpflichtete. Mit Hamburg stieg der Deutsch-Engländer 2018 aus der Bundesliga ab. In seiner bisherigen Laufbahn kommt Holtby unter anderem auf 200 Bundesliga-Einsätze, 38 Spiele in der Premier League und sechs in der Champions League.

Aaron Hunt (heute vereinslos): Nach dem größten Triumph der jüngeren Vergangenheit des Erzrivalen der Hamburger wurde Aaron Hunt Profi bei Werder Bremen. Für Ivan Klasnic wurde der heute 34-Jährige im September 2004 zum ersten Mal beim damals amtierenden Double-Sieger in der Bundesliga eingewechselt. Als sich der offensive Mittelfeldakteur zehn Jahre später aus Bremen Richtung Wolfsburg verabschiedete, ging er als Pokalsieger (2008/09). Beim VfL gelang ihm der Gewinn dieses Titels direkt in der ersten – und einzigen – Spielzeit ein zweites Mal. Ab 2015 trug Hunt dann sechs Jahre (insgesamt 153 Einsätze) das Trikot des HSV. Ende Juni lief der Vertrag des ehemaligen Kapitäns aus, der dreifache Nationalspieler ist seitdem vereinslos. Nach Gerüchten über einen Wechsel nach Katar steht nun sogar ein Karriereende im Raum.

Filip Kostic (heute Eintracht Frankfurt): Als Rechtsaußen wirbelte im vorerst letzten HSV-Bundesliga-Spiel im Mai 2018 der serbische Nationalspieler Filip Kostic. Nach dem Abstieg wurde der Offensivmann, der seine ersten Bundesliga-Spiele 2014 für den VfB Stuttgart machte, an Eintracht Frankfurt zunächst ausgeliehen und anschließend, 2019, für 6 Millionen Euro verkauft. Da war der heute 28-Jährige schon 22 Millionen Euro wert. Für die Eintracht lief Kostic insgesamt 22-mal in der Europa League auf. Zahlreiche Top-Klubs beobachten den Linksfuß.

Tatsuya Ito (heute VV St. Truiden): Vor dem Abstieg des Hamburger SV galt der Japaner als junger Hoffnungsträger beim Nordklub. Vor allem im Saisonendspurt setzte Titz auf den flinken Linksaußen und verpasste dem Team so ein junges Gesicht. Mit 2 Millionen Euro Marktwert listete transfermarkt.de den heute 24-Jährigen vor gut drei Jahren. Aus der U18 des japanischen Klubs Kashiwa Reysol stieß der Angreifer 2015 zur U19 des HSV. 20 Spiele im deutschen Oberhaus, 14 in der zweiten Etage und drei im DFB-Pokal absolvierte der zwischenzeitliche Publikumsliebling für den ehemaligen Bundesliga-Dino. Nach dem Trainerwechsel von Titz zu Wolf sank der Stern des Außenstürmers. Ito wechselte nach der Saison für 1,5 Millionen Euro zum belgischen Erstligisten VV St. Truiden. Dort kommt der ehemalige U23-Nationalspieler Japans allerdings kaum zum Zug und absolvierte bis heute nur 17 Pflichtspiele.

Angriff:

Bobby Wood (Real Salt Lake City): Gegen Gladbach flog Wood damals in der 71. Minute wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb-Rot vom Platz. Der US-Amerikaner, der 2007 mit 14 Jahren von den Irvine Strikers in die Jugend von 1860 München wechselte, lebt mittlerweile wieder in seinem Heimatland. Seit April 2021 läuft der 28-Jährige für Real Salt Lake City in der MLS auf. Insgesamt 112 Spiele machte Wood für 1860, Erzgebirge Aue, Union Berlin und den Hamburger SV. Hinzu kamen 72 Bundesliga-Spiele für die Hamburger und Hannover 96.

Trainer:

Christian Titz (heute 1. FC Magdeburg): Dem gebürtigen Mannheimer wäre am ersten Spieltag im DFB-Pokal 2021/22 beinahe eine Sensation gelungen: Mit seinem Drittligisten aus Magdeburg verlor er knapp mit 3:2 gegen den FC St. Pauli – mit dem gleichen Ergebnis unterlag eine Woche später der HSV in der 2. Liga gegen den Kiezklub. Titz übernahm den abstiegsbedrohten HSV am 12. März 2018 und konnte das Schicksal nicht mehr abwenden. Im Oktober desselben Jahres wurde er vom Nordklub entlassen. Nach Hamburg gekommen war der heute 50-Jährige im Sommer 2015 als Trainer der U17 des HSV. Weitere Stationen: Viktoria Köln, FC 08 Homburg und RW Essen.