16. April 2021 / 17:51 Uhr

Lindow-Gransee gegen Moerser SC: Schlammschlacht endet wohl am grünen Tisch

Lindow-Gransee gegen Moerser SC: Schlammschlacht endet wohl am grünen Tisch

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Im März mussten die Moerser (hier Team-Manager Hans-Peter Heisig und Trainer Hendrik Rieskamp, v.r.) unverrichteter Dinge aus Gransee abreisen. Diesmal ist SVLG-Chef Frank Seeger (l.) erbost.
Im März mussten die Moerser (hier Team-Manager Hans-Peter Heisig und Trainer Hendrik Rieskamp, v.r.) unverrichteter Dinge aus Gransee abreisen. Diesmal ist SVLG-Chef Frank Seeger (l.) erbost. © Jürgen Sabarz
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2. Volleyball-Bundesliga Nord: Für die Grün-Weißen scheint die Saison vorzeitig beendet - die Adler vom Niederrhein werden am Samstag nicht anreisen, hoffen auf eine Spielverlegung, haben aber nur geringe Chancen.

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Gänzlich verspielt hat der SV Lindow-Gransee die Meisterschaft in der 2. Volleyball-Bundesliga Nord noch nicht. Nach der 1:3-Niederlage beim Kieler TV sind die Chancen auf den zweiten Titel der Vereinsgeschichte jedoch deutlich geschrumpft und mit Blick auf die Form des jüngsten SVLG-Bezwingers lediglich theoretischer Natur. Die Krone setzen sich die Grün-Weißen nur auf, wenn Kiel in den beiden letzten Auswärtsspielen heute in Bocholt (19 Uhr) oder Bitterfeld (24. April, 19 Uhr) mindestens einmal patzt – und der SV Lindow-Gransee zeitgleich sein für Samstag angesetztes Nachholspiel gegen den Moerser SC mit drei Punkten abschließt. Dazu wird es jedoch nicht kommen – die Gäste aus Nordrhein-Westfalen kommunizierten bereits am Donnerstagabend, dass sie die Reise ins Brandenburgische nicht antreten können – aus Personalmangel.

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„Etliche Spieler haben berufliche Verpflichtungen und stehen uns deshalb nicht zur Verfügung. Wir hatten an diesem Wochenende ja auch eigentlich spielfrei“, erklärt Hans-Peter Heisig, Team-Manager bei den Adlern vom Niederrhein, auf SPORTBUZZER-Nachfrage. Zur Vorgeschichte: Am 13. März diesen Jahres stand das Spitzenduell zwischen Lindow-Gransee und dem Moerser SC auf dem Programm. Aus der mittlerweile üblichen und in dieser Saison unumgänglichen Corona-Testreihe gab es bei einem SVLG-Spieler einen positiven Befund.

In Bildern: Volleyballer des SV Lindow-Gransee unterliegen im Titelkampf beim Kieler TV.

Die Grün-Weißen wollten in der Hansestadt den zweiten Zweitliga-Titel der Vereinsgeschichte perfekt machen, verloren nach 92 Spielminuten  aber mit 1:3 (15:25, 20:25, 25:17, 24:26). Die Kieler Adler haben bei noch zwei auszutragenden Partien nun beste Chancen, sich die Meisterschaft zu sichern. Zur Galerie
Die Grün-Weißen wollten in der Hansestadt den zweiten Zweitliga-Titel der Vereinsgeschichte perfekt machen, verloren nach 92 Spielminuten aber mit 1:3 (15:25, 20:25, 25:17, 24:26). Die Kieler Adler haben bei noch zwei auszutragenden Partien nun beste Chancen, sich die Meisterschaft zu sichern. © Marius Böttcher

Die Hausherren testeten ihr Team erst rund zwei Stunden vor Spielbeginn durch, die Gäste waren bereits in der Dreifelderhalle angekommen – und mussten schließlich unverrichteter Dinge abreisen. Die Volleyball Bundesliga hatte auf eine Neuansetzung der Partie bestanden, wogegen der MSC fristgerecht Einspruch erhob. Dieser wurde am Donnerstag von der Spruchkammer abgewiesen. „Wir hatten uns terminlich nicht auf ein Nachholspiel eingerichtet und wollten das Ergebnis des Einspruchs abwarten“, verrät Heisig. Nun sieht sich Moers nicht in der Lage, so kurzfristig eine Mannschaft zusammenzustellen.

„Bei den steigenden Inzidenzzahlen wäre es auch verantwortungslos, die Mannschaft, zu der dann auch noch minderjährige Jugendspieler gehören würden, mehrere Stunden in den ICE zu setzen“, betont Hans-Peter Heisig, der die Entscheidung der Spruchkammer zwei Tage vor der Neuansetzung als „zu spät“ empfindet: „Deshalb habe ich der VBL zwei Terminvorschläge übermittelt und warte jetzt auf eine Antwort.“ Eine Verlegung auf den 1. Mai habe er bereits im Vorfeld bei der Bundesliga angefragt, wegen des noch laufenden Verfahrens aber vermutlich keine Antwort erhalten.

Seeger: "Habe es satt, als Buhmann dargestellt zu werden"

Im Lager des SV Lindow-Gransee ist man ob des Nichtantritts empört, wie Volleyball-Chef Frank Seeger deutlich zu verstehen gibt: „Der 17. April als Nachholtermin ist nicht erst seit ein paar Tagen bekannt, das wurde frühzeitig kommuniziert. Bis in den Mai zu spielen, ist indiskutabel, wir haben auch Beacher im Team, die dann schon wieder anderweitig verplant sind. So ein unprofessionelles Verhalten, gerade von solch einem Traditionsverein wie Moers, habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt.“ Mit der Testung erst am Spieltag vor Ort habe der SV Lindow-Gransee am 13. März keinen Fehler begangen, für Seeger war die fehlende Kommunikation der Knackpunkt: „Hätten die Moerser zuvor angerufen und nachgefragt, ob wir schon Freitag testen, wäre das kein Problem gewesen.“

In Schüttorf beispielsweise, wo die Gastgeber selbst erst vor Ort die Testungen durchführten, hätte es auch die Lindower Wölfe unglücklich treffen können. „Das ist eben so in diesen Tagen“, sagt Frank Seeger, „ich bin von diesem Verhalten einfach nur geschockt. Wir sprechen hier über 2. Volleyball-Bundesliga, nicht über 3. Fußball-Kreisklasse. Da habe ich es auch satt, selbst immer als Buhmann dargestellt zu werden.“ Mitleid hat das Lindower Urgestein trotzdem – und zwar mit dem Kieler TV. „Ich gehe davon aus, dass wir die drei Punkte jetzt am grünen Tisch bekommen. Eine sportliche Lösung wäre mir lieber gewesen, auch mit Blick auf Kiel. Sie haben es aber selbst in der Hand und wenn sie beide Spiele gewinnen, ist das auch der verdiente Meister“, findet Frank Seeger.

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Auch Trainer Peter Schwarz wollte sich mit seinen Schützlingen noch ein letztes Mal in dieser Saison auf der Platte beweisen, hatte aber bereits eine Vorahnung. „Für Moers hat dieses Spiel ja auch tabellarisch keinen Mehrwert, dafür haben wir mit dem einen gewonnenen Satz in Kiel selbst gesorgt. Ich komme damit gut klar, mich stört das nicht und ich gewinne das Ding gerne am grünen Tisch, wobei es für Kiel wirklich bitter wäre, wenn sie auf einen Ausrutscher von uns hätten hoffen müssen“, erläutert Schwarz, dessen Mannschaft im Training unter der Woche den Ball nicht über, sondern ihn in das Netz befördern musste: „Wir haben unter anderem etwas Fußball gespielt, die Jungs brauchten etwas Abstand vom Volleyball. Wir wären dennoch vorbereitet gewesen und hätten für das, was uns am Wochenende erwartet hätte, Lösungen gefunden.“

Den Liveticker der VBL werden am Samstagabend wohl nicht nur Peter Schwarz und Frank Seeger mit großem Interesse verfolgen. Die gesamte SVLG-Familie blickt Richtung Bocholt, wo die heimischen Turner und Ballspieler (TuB) dem Kieler TV in die Meistersuppe spucken könnten. Auf Anreize für die mögliche Schützenhilfe verzichtete Seeger ganz bewusst: „Wie gesagt, hier handelt es sich nicht um Kreisklassen-Fußball. Sowas macht man nicht. Und außerdem kenne ich keinen Zweitligisten, der ein Heimspiel freiwillig abschenkt. Wir sind gespannt, können den Ausgang aber eh nicht mehr ändern.“