15. April 2021 / 16:22 Uhr

Mannschaftsleiter, Mitgründer, Trainer: Die dreifache Leidenschaft des Oschatzers Rainer Schwurack

Mannschaftsleiter, Mitgründer, Trainer: Die dreifache Leidenschaft des Oschatzers Rainer Schwurack

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Skeptischer Blick: Rainer Schwurack steht bei einem FSV-Spiel direkt hinter dem Schiedsrichter-Assistenten.
Skeptischer Blick: Rainer Schwurack steht bei einem FSV-Spiel direkt hinter dem Schiedsrichter-Assistenten. © Privat
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Das Herz von Rainer Schwurack schlägt dreifach. Der Oschatzer ist Mitgründer des TSV Stahl Riesa, Mannschaftsleiter vom FSV Oschatz und seit 14 Jahren Trainer der Oschatzer Löwen. Ein Leben ohne Fußball, wäre für den 64-Jährigen nicht vorstellbar.

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Oschatz. Seit Monaten Lockdown, seit einer gefühlten Ewigkeit kein Fußball mehr. Rainer Schwurack glaubt nicht daran, dass in der Nordsachsenliga weitergespielt wird. „Das Vernünftigste ist aus meiner Sicht ein Saisonabbruch ohne Wertung und ein Neubeginn im Sommer“, sagt der Mannschaftsleiter des FSV Oschatz. Er hofft aber darauf, dass der Pokalwettbewerb im Kreis beendet wird. Erstmals haben die Oschatz das Viertelfinale erreicht und müssten dort in Schildau antreten. „Es wäre ein schöner Erfolgs für uns, wenn wir noch eine Runde schaffen würden, das ist eine große Chance.“ Dann wäre das Finale nur noch ein Spiel entfernt. Vom Pokalsieg zu träumen, hält der 64-Jährige zwar für vermessen. „Aber im Vorjahr haben ja die Wermsdorfer gezeigt, was möglich sein kann und überraschend den Cup geholt.“

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Das runde Leder ist aus dem Leben von Rainer Schwurack nicht wegzudenken. Sein Vater war einst Sektionsleiter von Einheit Oschatz, er selbst hat aber nur mal bei Dynamo Oschatz gespielt. „In der Jugend, im Mittelfeld, vor meiner Armeezeit. Viel Talent hatte ich nicht.“ Sein Herz gehörte ohnehin Stahl Riesa. „Mit dem Zug war es nicht weit, und ich wollte unbedingt DDR-Oberliga sehen. Die Eintrittskarte von meinem ersten Spiel habe ich noch: 1971 gegen Eisenhüttenstadt. Ich wurde ein treuer Fan.“

Schwurack
Rainer Schwurack bekam einen Sonderpreis von Oberbürgermeister Andreas Kretschmar für seine Arbeit bei den Oschatzer Löwen. ©

Und später Fan-Beauftragter. Als Präsidiumsmitglied erlebte und durchlitt er aus nächster Nähe 2003 die Insolvenz des Vereins und wollte sich mit dem durch die Liquidation entstandenen Scherbenhaufen nicht abfinden. „Ich war dann einer von sieben Verrückten, die den Traditionsportverein Stahl Riesa gegründet haben und bin Mannschaftsleiter geworden.“

Deutscher Rekord und ein geschlossener Kreis

Der neue TSV begann in der 2. Kreisliga, spielte zunächst zwei Jahre in Seerhausen und entfachte große Begeisterung. „Wir haben vor 400 bis 500 Zuschauern gespielt“, erinnert sich Rainer Schwurack, „ein Sponsor hat uns 2004 sogar ein einwöchiges Trainingslager in Peking organisiert. Als Kreisligist in China trainieren und spielen zu dürfen, war der Hammer.“

Die Riesaer schafften drei Aufstiege in Folge und stellten mit 78 Partien am Stück ohne Niederlage 2006 einen neuen deutschen Rekord auf. Ein Jahr zuvor war das neue Stadion in Riesa, die heutige Feralpi-Arena, eingeweiht worden. „Auch ich habe gemeinsam mit Fans und Spielern viele Wochenenden an diesem Schmuckkästchen gearbeitet“, erzählt Rainer Schwurack.

Im Jahr 2012 wurde der Verein wieder in BSG (diesmal aber nicht Betriebs-, sondern Ballsportgemeinschaft Stahl Riesa) umbenannt,. Es sollte die letzte Saison für den Oschatzer als Mannschaftsleiter werden. Er hatte Fan-Busse organisiert, die Vereinsführung fühlte sich hintergangen, die Situation eskalierte. „Die haben mich rausgeekelt, es war ein großes Missverständnis“, meint Rainer Schwurack, „später wollten sich mich zurückhaben, aber ich hatte die Nase voll.“ Inzwischen habe sich jedoch beim jetzigen Landesligisten in Riesa ein Kreis geschlossen. „Jetzt ist mein Sohn dort Mannschaftsleiter und mein Enkel spielt bei Stahl im Nachwuchs. Es liegt offenbar in der Familie, und ich bin natürlich immer noch Fan des Vereins.“

Erfolgreiches Trio und Ruf der Lebenshilfe

Er legte damals eine Fußball-Pause ein, bis ihn 2015 ein Anruf vom Präsidenten des FSV Oschatz erreichte. Der hatte Enrico Ueberschär als neuen Trainer verpflichtet und wollte Rainer Schwurack als Mannschaftsleiter. „Ich habe sofort zugesagt.“ Dass Ueberschär schnell wieder weg war, über Nacht ein Angebot aus Grimma annahm, und Rainer Schwurack im April 2016 für einige Monate zum FSV-Trainer wurde, sei allerdings nicht geplant und auch nicht sein Ding gewesen.

Sein Nachfolger als Coach hieß kurzzeitig Steffen Kaiser, aber erst unter der Regie von Steffen Wiesner ging es aufwärts mit dem Oschatzer Fußball. Im Vorjahr gelang der erlösende Aufstieg in die Nordsachsenliga. Rainer Schwurack sah das als Belohnung für engagierte Arbeit der Mannschaft und des gesamten Vereins. „Ich glaube, dass Steffen Wiesner, Co-Trainer Enrico Kernche und ich ein ganz gutes Trio sind.“

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Ein großes Herz zeigt Rainer Schwurack seit nunmehr 14 Jahren als Trainer der Oschatzer Löwen. „Eines Tages fragte mich die Lebenshilfe, ob ich die Fußballer mit Handicap bis zu einem Turnier bei der Landesgartenschau 2006 betreuen kann. Ich hatte meine Zweifel und habe mir das Team erst mal angeschaut. Und was ich gesehen habe, hat mir gefallen. Also bin ich dabei geblieben.“ Er staunte über Trainingsfleiß, Disziplin und Begeisterung der geistig oder körperlich behinderten Spieler und Spielerinnen. „Natürlich haben alle ihre Eigenheiten, aber ich empfinde das als dankbare Aufgabe, die mir bis heute viel Spaß macht.“

Training mit Heiko Scholz und RB-Spiel gegen Dortmund

So nimmt er regelmäßig mit seinem Team an Regionalmeisterschaften teil, einmal führte er die Löwen zum Sachsen-Titel. „Es gab viele schöne Erlebnisse“, sagt Rainer Schwurack. Besonders gern erinnert er sich an ein „Probetraining“ beim 1. FC Lok Leipzig, das vom damaligen Chefcoach Heiko Scholz geleitet wurde („Er war vom Niveau sehr angetan“) und an den Besuch eines Bundesliga-Heimspiels der Rasenballer gegen Dortmund. „RB war sehr entgegenkommend und hat uns nach unserer Anfrage sofort ermäßigte Tickets zur Verfügung gestellt.“ Für sein Engagement erhielt er gemeinsam mit Dirk Gliemann von der Lebenshilfe 2018 beim Sportlerball den Sonderpreis des Oschatzer Oberbürgermeisters.

Oschatzer Löwen
Die Oschatzer Löwen mit dem ehemaligen Lok-Coach Heiko Scholz (r.). © Rainer Schwurack

Derzeit vermisst Rainer Schwurack das Training beim FSV sowie das wöchentliche Üben mit den Löwen und auch mit den Hortkindern, die er vor Corona stets von der Schule abgeholt hatte, um ihnen schon früh das Kicken nahezubringen und Talente zu entdecken. „Ich hoffe sehr, dass wir alle bald wieder loslegen können.“

Auf die Frage, was für ihn ein rundum gelungenes Wochenende ausmacht, antwortet Rainer Schwurack: „Neben schönen Stunden mit der Familie vor allem, dass FSV Oschatz, Stahl Riesa und RB Leipzig ihre Spiele gewinnen.“ Aber darauf wird er noch eine Weile warten müssen.