13. Dezember 2020 / 13:35 Uhr

Nach dem 1:1 gegen Bayern München herrscht bei Union Silvesterstimmung

Nach dem 1:1 gegen Bayern München herrscht bei Union Silvesterstimmung

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Grischa Prömel brachte Außenseiter Union Berlin gegen den FC Bayern früh in Front.
Grischa Prömel brachte Außenseiter Union Berlin gegen den FC Bayern früh in Front. © imago images/Matthias Koch
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Mit Raketen feiern die Fans von Union Berlin das Unentschieden gegen den deutschen Fußball-Rekordmeister. Der Punktgewinn gegen müde Münchner ist ein weiterer Beleg dafür, wie gut sich Union in seinem zweiten Bundesliga-Jahr entwickelt hat.

Manchmal kommt Silvester ein bisschen früher, zumindest in Berlin-Köpenick schien das am Samstagabend gegen 20.30 Uhr so. Gerade war ein attraktives Bundesligaspiel zwischen den Fußballern des 1. FC Union Berlin und des FC Bayern München zu Ende gegangen, als neben dem hell erleuchteten Stadion Raketen emporstiegen. Es donnerte, blitzte und zischte, fast so intensiv wie in den 90 Minuten zuvor, in denen der Außenseiter Union dem großen Favoriten FC Bayern in einem intensiven Schlagabtausch ein 1:1 (1:0) abgetrotzt hatte – und das nicht nur hochverdient, sondern fast schon ein bisschen schmeichelhaft für den Rekordmeister.

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„Mit mehr Präzision, mehr Entschlossenheit, mehr Effizienz wäre vielleicht mehr möglich gewesen“, sagte der sehr zufrieden wirkende Berliner Trainer Urs Fischer. Er donnerte nicht, sondern spulte sein Programm so routiniert ab wie der Auftritt seiner Mannschaft zuvor auf dem Platz gewirkt hatte. Ein „tolles Spiel“ habe er von seiner Mannschaft gesehen „mit genügend Möglichkeiten“, fand Fischer.

Union Berlin in der Einzelkritik: Die Noten zum 1:1 gegen Bayern München.

Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Seine Spieler sahen es ähnlich, zwischen Stolz und Wehmut schwankten ihre Aussagen, so dicht hatten sie den Sieg gegen die beste deutsche Vereinsmannschaft vor Augen.„Heute waren die Bayern schlagbar, wenn man sieht, was wir für Chancen ausgelassen haben“, sagte Unions Torschütze Grischa Prömel. In der vierten Minute hatte er seine Farben nach einer einstudierten Eckball-Variante in Führung geköpft. Der Ball, geschlagen von Kapitän Christopher Trimmel, war auf den kurzen Pfosten gesegelt, Prömel verlängerte in Uwe-Seeler-Manier mit dem Hinterkopf ins lange Eck, Manuel Neuer war machtlos. Es war Prömels erstes Tor in der Bundesliga. „Mein Papa hat mir vor dem Spiel noch geschrieben, dass es langsam Zeit wird für ein Tor, deshalb schönen Gruß nach Esslingen“, sagte der gebürtige Schwabe, der im Mittelfeld fleißig Kilometer abspulte und die Rolle des rotgesperrten Robert Andrich als aggressiver Antreiber glänzend ausfüllte.

Weil auch Prömels Mitspieler die Räume meist eng hielten, schafften die Bayern nur ein Tor: Torjäger Robert Lewandowski, fein bedient von Kingsley Coman, gelang in der 67. Minute der Ausgleich. „Wir nehmen uns nicht vor, dass wir die ersten 20 Minuten nachlässig sind. Es passiert uns zu oft, dass wir uns überrumpeln lassen“, erklärte Bayerns Thomas Müller. „Sie waren von der ersten Minute da, wir leider nicht“, fasste Trainer Hansi Flick den müden Auftritt seiner Stars zusammen.

FC Bayern in der Einzelkritik: Die Noten zum 1:1 gegen Union Berlin.

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Flicks Kommentar war keine Floskel, bereits nach 52 Sekunden hatte Bayern-Torwart Manuel Neuer gegen Taiwo Awoniyi mit einem Weltklasse-Reflex einen Rückstand verhindert. „Er hat ein sehr tolles Spiel gemacht“, lobte Urs Fischer dennoch seinen Stürmer, der sich in alles hineinwarf, was irgendwie nach Ball aussah und Bayerns Innenverteidiger Boateng und Alaba intensiv beschäftigte. Nur im Abschluss hatte er Pech, etwa in der 22. Minute, als er einen Flachpass von Sheraldo Becker stark verarbeitete, Alaba ins Leere grätschen ließ, den Ball an Neuer vorbeischob, aber eben auch um Millimeter am rechten Pfosten. „Er muss weiter dran arbeiten, die Überzeugung zu bekommen, die Ruhe“, analysierte Fischer.

Stolz dürfte der Trainer indes darauf gewesen sein, wie ruhig und abgeklärt seine Elf insgesamt ihr Spiel durchzog. Teils ansehnlich befreiten sich die Berliner vor allem in der ersten Halbzeit vom Münchner Druck, gewährten den Gästen nur einen Torschuss in 45 Minuten (Gnabry, 43.) und waren offensiv zwingend. „Unser Plan ging gut auf, wir standen gut in den Zweikämpfen, waren kompakt“, sagte Fischer. Der Vortrag seiner Elf war ein weiterer Beleg dafür, wie gut sich Union in seinem zweiten Bundesliga-Jahr entwickelt hat.


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Nicht auszudenken, wie laut wohl der Applaus gewesen wäre, als die Gastgeber zur Halbzeit mit einer 1:0-Führung in die Kabine schritten. Dass die Bayern nach der Pause zulegen mussten, war Unions starker Leistung geschuldet; dass den Gästen nicht mehr gelang , als Lewandowskis 1:1, lag dieses Mal auch am aufmerksamen und zuletzt angezählten Torwart Andreas Luthe, der in der 89. Minute gegen den eingewechselten Leroy Sané stark parierte. Auch die Berliner hatten offensiv feine Beiträge abgegeben, nur den finalen Abschluss versäumten sie. Dann wäre in Köpenick neben Silvester wohl auch Weihnachten vorgezogen worden.