26. April 2018 / 19:32 Uhr

Boateng bis Abschlussschwäche: Das sind die Bayern-Probleme

Boateng bis Abschlussschwäche: Das sind die Bayern-Probleme

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gegen Real Madrid: Bayern-Profi Jerome Boateng signalisiert, dass er verletzt ist.
Gegen Real Madrid: Bayern-Profi Jerome Boateng signalisiert, dass er verletzt ist. © imago/Moritz Müller
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War es das in Sachen Triple? Die Bayern hadern nach dem 1:2 gegen Real mit der Chancenverwertung. Und dann das: Boateng fällt den Rest der Saison aus. Auch Robben hinkt wieder.

Wenn ein 75-Jähriger einen 29-Jährigen stützen muss, ist das kein gutes Zeichen. Bayerns Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt begleitete Abwehrchef Jérôme Boateng am Mittwochabend in die Kabine, untersuchte ihn am Tag nach dem 1:2 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid. Laut "Sport Bild" zog sich Boateng einen Muskelbündelriss zu. Heißt: vier bis sechs Wochen Pause, die Saison ist für Boateng gelaufen. Muss er gar auf die WM in Russland verzichten? Möglich.

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Ein Wettlauf mit der Zeit. Für Bundestrainer Joachim Löw nach Torhüter Manuel Neuer die nächste ungewisse Personalie. Boatengs WM-Aus wäre ein herber Verlust für die Nationalelf, eine Führungsfigur würde wegbrechen. Als Boateng den Platz verlassen musste, führte Bayern mit 1:0. Mit ihm in der Startelf hatten die Münchner in dieser Saison kein Spiel verloren – so viel zur Bedeutung des in den Jahren zuvor von Verletzungen geplagten Innenverteidigers, der zuletzt laut Trainer Jupp Heynckes „fast wieder die absolute Topform von 2013“, erreicht hatte. Gegen Real litt Bayern nach zwei weiteren Auswechslungen, nach „Rückschlägen, die man erst einmal verdauen muss“, so Heynckes.

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Arjen Robben kam mit Beschwerden in der Muskulatur des linken Oberschenkels, die durch eine Fehlsteuerung ausgelöst wurden, noch glimpflich davon. Er und Javi Martínez (Schädelprellung) peilen das Rückspiel am kommenden Dienstag im Bernabeu-Stadion an.

Den Bayern tat nach der sechsten Pleite hintereinander gegen Real alles weh. Wunden lecken war angesagt – körperlich wie seelisch. Diese Bilder im Kopf von den Gegentreffern, von den eigenen Chancen. Ein schwerer Tag mit depressiver Note. Der schon zur schlimmen Gewohnheit gewordene Real-Kater fiel diesmal noch dröhnender aus, weil die Königlichen sich hinterher selbst klein machten. „Das Ergebnis ist gut, mehr nicht“, sagte Real-Spielmacher Toni Kroos, der „eine durchschnittliche Leistung“ kritisierte. „Das tut weh“, so Kapitän Thomas Müller. Die Erkenntnis des Abends: Bayern braucht eine überdurchschnittliche Leistung, um die Benchmark-Kicker aus Madrid zu besiegen. Der Titelverteidiger spielt solide, Cristiano Ronaldo wird abgemeldet – und Real gewinnt trotzdem.

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Bayern fehlte das Schlachtenglück. Ein Begriff, den Ottmar Hitzfeld prägte. Real nutzte Fehler, die „zwei Geschenke“ (Heynckes), brutal aus. Den ersten der beiden Boxkämpfe gewannen die Münchner nach Punkten, es fehlte lediglich „der Killerinstinkt“, wie Müller monierte, „wir haben Real leben lassen, das war naiv“. Weil man zu viele Chancen vergab. Vor allem Franck Ribéry erarbeitete und erspielte sich gute Gelegenheiten, doch im Abschluss fehlte der Schuss Weltklasse. Ein „5:2“ war laut Innenverteidiger Niklas Süle, der Boateng glänzend vertrat, drin – ja sogar ein „7:2“, wie Kimmich keck meinte. War es fehlende Qualität oder Cleverness? Ein Mix, der zur bösen Erkenntnis führt, dass man seit dem Triple 2013 kein Finale der Königsklasse erreichen kann und seit 2014 jedes Jahr an einem spanischen Kontrahenten scheitert.

Ist es tatsächlich schon vorbei? Müller gab die trotzige Marschrichtung vor: „Wir werden uns aufrichten und dann schauen wir am Dienstag, ob wir den Arsch in der Hose haben.“ Was Heynckes etwas gepflegter ausdrückte: „Wir geben uns nicht auf, haben in Madrid nichts zu verlieren, können viel freier aufspielen.“ Dabei allerdings ohne Boateng, Arturo Vidal und Kingsley Coman. Robben ist fraglich. Das Verletzungspech bleibt ein treuer Begleiter.


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Bayern geht angeknackst und angeschlagen ins Rückspiel, in die Operation Wunder. Nach einer Hinspiel-Niederlage im eigenen Stadion ist ihnen solch ein Coup vor 30 Jahren im Uefa-Cup-Achtelfinale gelungen. Erst 0:2, dann 3:1 bei Inter Mailand. Auf der Trainerbank saß: Heynckes.