06. September 2021 / 13:22 Uhr

Nicht im Champions-League-Kader: Wolfsburgs Mehmedi ist "schockiert"

Nicht im Champions-League-Kader: Wolfsburgs Mehmedi ist "schockiert"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Nicht im Champions-League-Kader des VfL Wolfsburg: Admir Mehmedi.
Nicht im Champions-League-Kader des VfL Wolfsburg: Admir Mehmedi. © Roland Hermstein
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Der VfL Wolfsburg verzichtet in der Champions League auf Admir Mehmedi - das hatte der Klub jüngst bekannt gegeben. Jetzt sprach Mehmedi über die Nicht-Nominierung, zeigt sich "schockiert, überrascht und enttäuscht".

Der VfL Wolfsburg verzichtet in der Champions League auf die Erfahrung von Admir Mehmedi. Die UEFA hatte am Freitag Wolfsburgs 23er-Aufgebot für die Königsklasse veröffentlicht – und in dem fehlt der Schweizer. Jetzt äußerte sich der Offensivmann erstmals zu seiner Nicht-Nominierung. „Ich war ein Stück weit schockiert und überrascht - und natürlich enttäuscht“, so die Nummer 14 der Wolfsburger offen und ehrlich. Gleichwohl sagte Mehmedi, dass er in seiner Karriere schon viele Rückschläge erlitten habe und daher wisse, mit solch einer Frust-Situation umzugehen. Trainer Mark van Bommel habe sich eben für andere Spieler entschieden. „Ich versuche, es sportlich zu nehmen und zu akzeptieren", sagte Mehmedi, "obwohl es eine schwierige Situation für mich ist, definitiv."

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Bis zu 25 Spieler kann ein Klub für die Königsklasse melden - darunter müssen aber vier vom Verein selbst ausgebildete Profis sein. Von denen hat der VfL aber nur zwei in seinem Aufgebot: Mittelfeld-Mann Maximilian Arnold und der dritte Torwart Niklas Klinger. Entsprechend reduziert sich die Wolfsburger Spielerzahl auf 23, neben Mehmedi fehlt auch Xaver Schlager, der wegen seiner schweren Knieverletzung in diesem Jahr ohnehin nicht mehr zum Einsatz kommen kann. Nach der Winterpause kann der Kader wieder verändert werden.

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Mehmedi (30) war nach der EM aus der Nationalmannschaft der Schweiz zurückgetreten. In der vergangenen Saison war er in Wolfsburg nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinausgekommen, Verletzungen bremsten ihn aus, er absolvierte kein Bundesliga-Spiel über 90 Minuten. In dieser Spielzeit kam er in der Bundesliga bisher nur zu einem Drei-Minuten-Einsatz gegen Bochum - und wurde im Pokal in Münster als sechster Spieler eingewechselt; weil nur fünf erlaubt sind, flog der VfL nachträglich raus. Mit 49 Einsätzen in diversen europäischen Wettbewerben (für Zürich, Kiew, Freiburg, Leverkusen und Wolfsburg) ist Mehmedi einer der international erfahrensten Spieler im Wolfsburger Kader.

Nach dem Testspiel in der vergangenen Woche gegen Hannover 96 hatte van Bommel dem ehemaligen schweizerischen Nationalspieler das CL-Aus mitgeteilt. "Er hat mich zur Seite genommen und hat mir gesagt, dass ich nicht auf dieser Liste bin, dass er sich eben für andere Spieler entschieden hat", beschreibt der VfL-Profi mit nachdenklicher Miene. Dass Mehmedi, in der Vergangenheit beim VfL fast immer gesetzt, gerade keine große sportliche Rolle beim VfL spiele, "ist eine komplizierte Situation für mich, weil ich die in der Form noch nie in meiner Karriere hatte. Es ist neu für mich." Schon als Kind und zu Beginn der Profizeit habe er von solchen Gänsehaut-Abenden in der Königklasse geträumt. Aber wenn der VfL am 14. September mit dem Spiel in Lille in die Gruppenphase des Wettbewerbs startet, ist Mehmedi nur Zuschauer.

Er versprach, sich trotz dieser großen Enttäuschung nicht hängen zu lassen. Dennoch scheint spätestens im nächsten Sommer für den dreifachen Familienvater beim VfL Schluss zu sein, der Vertrag läuft aus. Möglicherweise wechselt er schon im Winter. Mehmedi: "Ob das ein Thema wird, wird man sehen. Bis zum Winter sind es noch vier Monate. Im Fußball kann viel passieren. Für mich war die Nicht-Nominierung jetzt ein herber Schlag, aber wie die Zukunft aussehen wird, kann ich nicht sagen."

Sollte es zu einer Trennung kommen, entscheide die Familie mit. Ein Last-Minute-Wechsel jetzt, einige Ligen haben ihre Transferfenster noch nicht geschlossen, kommt eher nicht infrage. Mehmedi: "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr gering, dass da jetzt noch was passiert. Das wäre eine Hauruck-Aktion. Jeder, der mir kennt, weiß, dass ich meine Entscheidungen immer wohlüberlegt treffe." Und weiter: "Während des Sommers hat man sich den einen oder anderen Gedanken gemacht, aber ich habe immer versucht, den Fokus aufs Sportliche zu legen und hier Vollgas zu geben." Das mache er weiterhin, denn: "Das Schlimmste, was ich mir vorwerfen könnte, ist, dass ich nicht alles dafür getan hätte." Nicht alles getan hätte, sich beim neuen Trainer zu empfehlen.


Möglicherweise zieht es Mehmedi und seine Familie schon bald wieder in die Schweiz zurück. "Mein Ziel ist, die Karriere beim FC Zürich oder beim FC Winterthur zu beenden", erzählt er. Für beide Klubs hatte der Wolfsburger in den Anfängen seiner Karriere gespielt. Wann es so weit sein könnte, "das weiß ich nicht. Aber das ist der grobe Plan. Und meine Familie will irgendwann auch in die Schweiz zurück." Aber wann das sein werde, "kann ich noch nicht sagen. Ich habe noch bis nächsten Sommer hier Vertrag, alles andere steht noch in den Sternen."

Wichtig für ihn: Mit seinem Körper, der zuletzt öfter mal gestreikt hatte, ist gerade alles "gut". Mehmedi schiebt Extra-Schichten und hat seine Ernährung etwas umgestellt. Einzig es fehlen ihm die Minuten: „Als Fußballer willst du auf dem Platz stehen, deswegen habe ich diesen Job ausgewählt. Wenn man den Rasen sieht, will man dabei sein, anstatt zugucken zu müssen.“