23. September 2021 / 18:23 Uhr

Nochmal 5:0? Der 1. FC Union Berlin empfängt eine veränderte Arminia

Nochmal 5:0? Der 1. FC Union Berlin empfängt eine veränderte Arminia

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Motiviert gegen den Ex-Verein: Unions Stürmer Andreas Voglsammer (r.) hofft gegen Bielefeld auf einen Platz in der Startelf.
Motiviert gegen den Ex-Verein: Unions Stürmer Andreas Voglsammer (r.) hofft gegen Bielefeld auf einen Platz in der Startelf. © imago images/Revierfoto
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Der Berliner Fußball-Bundesligist erwartet defensiv eigestellte Gäste und muss deshalb selbst die Initiative ergreifen - derweil gibt der Verein bekannt, dass er die Geschäftsführung personell aufstockt.

In dieser Woche hat Andreas Voglsammer ein paar Sätze über eine Mannschaft aus der Fußball-Bundesliga gesagt, die so klangen, als spreche Voglsammer über den 1. FC Union Berlin. „Sie bekommen relativ wenige Gegentore.“ – „Sie spielen relativ oft zu Null.“ – „Sie sind megaeklig und schalten schnell um.“ Und dann sagte Voglsammer laut „BZ“ noch ein paar nette Worte („unglaublich schöne und erfolgreiche Zeit“), aus denen hervorging, dass Voglsammer wirklich nicht über sein aktuelles Team, den 1. FC Union, sprach, sondern über sein altes: Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen gastieren am Samstag (15.30 Uhr/live bei Sky) im Stadion An der Alten Försterei und werden die Berliner wohl gerne daran erinnern, wie eklig Union-Fußball sein kann.

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Die Arminia ist wie schon in der vergangenen Saison eine der Mannschaften, die als Absteiger Nummer eins, zwei oder drei gehandelt werden – und so spielt der Club auch: mit Herz, Defensivkraft und vor allem Laufbereitschaft. Die Bielefelder laufen so viel wie keine andere Mannschaft in der Liga, insgesamt 591,22 Kilometer nach fünf Spieltagen. Union schafft es mit 583,82 Kilometern auf den vierten Platz. Vom offensivfreudigen Stil, den Unions ehemaliger Trainer Uwe Neuhaus in der vergangenen Saison mit der Arminia probierte, ist unter Nachfolger Frank Kramer wenig übrig geblieben.

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Am ersten Gruppenspieltag der Conference League gastiert der 1. FC Union Berlin am Donnerstagabend beim tschechischen Traditionsverein Slavia Prag und muss sich mit 1:3 geschlagen geben. Zur Galerie
Am ersten Gruppenspieltag der Conference League gastiert der 1. FC Union Berlin am Donnerstagabend beim tschechischen Traditionsverein Slavia Prag und muss sich mit 1:3 geschlagen geben. ©

Als die Bielefelder im November des vergangenen Jahres 0:5 bei Union unterlagen, wirkten sie ordnungs- und orientierungslos; überfordert von Minute eins bis 90. In dieser Saison ist das anders, Kramers Handschrift klar zu erkennen. Erst fünf Gegentore nach fünf Spielen sprechen für die Gäste, die die viertbeste Abwehr stellen. Nur beim 1:3 gegen Mönchengladbach verließ die Arminia den Platz als Verlierer, gegen Freiburg, Fürth und Frankfurt stand am Ende eine Punkteteilung.

Im Berliner Lager hat man die Bielefelder Entwicklung durchaus registriert. „Ein Spiel, das ein Jahr her ist, sollte man nicht mehr herbeiziehen. Bielefeld hat sich stabilisiert“, sagte Unions Trainer Urs Fischer in der Pressekonferenz am Donnerstag; dem 5:0-Sieg aus der Vorsaison kann er nichts mehr abgewinnen. Als „sehr griffig“ und „sehr kompakt“ bezeichnete Fischer die Bielefelder – weshalb das Heimspiel zur Reifeprüfung für seine Elf wird. Sind die Berliner in dieser Saison schon so weit in ihrer Entwicklung, dass sie einen Gegner wie Bielefeld erfolgreich bespielen können?

Mit Ausnahme des Augsburg-Spiels, das 0:0 endete, gestattete Union in der Liga bisher stets dem Gegner die Spielkontrolle. Gegen Bielefeld sind eigene Impulse gefragt, vor allem aus dem bisher mäßig ideengebenden Mittelfeld. „Man braucht eine gewisse Geduld. Es wird ein ganz enges Spiel. Am Schluss entscheidet aber nicht der Ballbesitz über die Spiele, sondern die Effizienz“, sagt Fischer, „ich akzeptiere es, wenn wir nur 40 Prozent Ballbesitz haben, aber das Spiel gewinnen. Wichtig ist die Mischung.“ Über Ballbesitz-Fußball definiere man sich jedenfalls nicht, „noch nicht.“

Ein paar Optionen hat Fischer, die seine Elf etwas unberechenbarer machen könnten. Der gegen Augsburg früh ausgewechselte Kevin Möhwald ist wieder fit und gilt als Spieler mit Offensivgeist. Und mit Sheraldo Becker böte sich die Möglichkeit, mehr Geschwindigkeit auf den Flügeln zu erzeugen. Seinen beiden Stürmern Max Kruse und Taiwo Awoniyi wird Fischer wohl mehr Unterstützung zukommen lassen – oder gar eine Pause? Auch das scheint möglich. Voglsammer („Ich kann nicht zufrieden sein, wenn ich nicht von Beginn an spiele“) und Kevin Behrens stünden bereit. „Ich nehme den Konkurrenzkampf schon wahr. Und da macht sicher auch der ein oder andere die Faust im Sack. Entscheidend ist aber, was sie machen, wenn sie reinkommen“, sagt Fischer. Es spricht für Unions Entwicklung, dass selbst Spieler wie Kruse oder Awoniyi keine Einsatzgarantie haben.


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Auch außerhalb des Platzes legt der Club gerade nach. Den „digitalen Herausforderungen“, wie der Verein mitteilte, werde sich ab 1. Oktober Anja Kasper widmen, die künftig den neu geschaffenen Geschäftsbereich „Digitalisierung“ leitet. Jan Boysen (Marketing und Vertrieb) gehört künftig ebenfalls der Geschäftsführung an, und Thomas Stäpke (Finanzen) soll verstärkt die nötigen Gelder für den Stadionumbau und den Bau des Nachwuchsleistungszentrum in den Blick nehmen. Union will wachsen, erstmal aber an Arminia Bielefeld.