03. Oktober 2021 / 09:03 Uhr

Norberts Einwurf: Trotz RB Leipzigs Sieg bleiben einige Fragezeichen

Norberts Einwurf: Trotz RB Leipzigs Sieg bleiben einige Fragezeichen

Norbert Wehrstedt
Leipziger Volkszeitung
JEsse
Trainer Jesse Marsch fielen nach dem Spiel bestimmt einige Steine vom Herzen. © dpa
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3:0 gewinnt RB Leipzig gegen den VfL Bochum. Vor allem in der ersten Halbzeit haben sich die Roten Bullen lange schwer getan, bevor sie durch André Silva endlich erlöst wurden. Auch LVZ-Kolumnist Norbert Wehrstedt fragt sich, warum die Messestädter ihre Überlegenheit nicht besser ummünzen können.

Würden aus Chancen Bäume wachsen, hätte RB nach 20 Minuten im Wald gespielt. Da wäre die Sonne, tief im Westen, längst verstaubt. Passierte nicht. Auf dem Rasen nämlich wurde gewuselt und gewurschtelt, der Ball hinten sämig herumgeschoben und vorn der besser postierte Mitspieler so lange ignoriert, bis nichts mehr ging. Es wurde verstolpert, verpasst und verfehlt, Angelino hatte für Flanken die falschen Schuhe an, Poulsen rackerte, Forsberg rannte, trotzdem wirkte es wild und wirr – und blieb torlos. Die Fragezeichen wuchsen.

Dabei ist nicht irgendein System der Knackpunkt der Marsch-Route. Es ist viel simpler: Welcher Spieler gehört auf welche Position? Wer hinten links, rechts, mittig kickt, löste zuletzt der Zufalls-Generator. Gegen Bochum nicht. Da waren Zweck und Ziel mal endlich klar. Da war rechts Tyler Adams einer, der Spaß machte: agil, anspielbar, antrittsschnell, in Abwehr so aktiv wie in der Attacke. Dass alles so lange so zerfahren blieb, an ihm lag es sicher nicht. Denn die Angriffe liefen diesmal über beide Seiten.

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Kamerad Glücksgriff kam nach 69 Minuten. Die Tore fielen. Auch ein paar Steine von der Trainerbank. Fragezeichen bleiben: Warum baut eine Truppe aus so viel fabelhaften Leuten so viele Tiefs? Warum geht das Toreschießen so schwer, wenn man das Feld beherrscht? Warum nicht, beispielsweise, konsequent aufs famose Stuttgart-Trio setzen: Szoboszlai, Forsberg, Nkunku? Als Jesse Marsch nach dem Brügge-K.o. von Spielern, die seinem Plan folgen, und anderen sprach, hatte er Zorn – und Recht. Aber trennend war das gar nicht gemeint. Sagt er.