12. April 2021 / 10:36 Uhr

In Perleberg: Ohne Vorbilder kommen die Mädchen nicht zum Handball

In Perleberg: Ohne Vorbilder kommen die Mädchen nicht zum Handball

Dirk Becker
Märkische Allgemeine Zeitung
Vor 10 Jahren wurden die Handballerinnen von Blau-Weiß Perleberg Meister in der Prignitz.
Vor 10 Jahren wurden die Handballerinnen von Blau-Weiß Perleberg Meister in der Prignitz. © Dirk Becker
Anzeige

Vor zehn Jahren: Nach der Meisterschaft wurde es immer ruhiger im Frauen-Handball bei Blau-Weiß Perleberg.

Anzeige

Ein Mädchen ist noch beim SV Blau-Weiß Perleberg dabei, als Spielerin jedoch zu alt, um bei der männlichen C-Jugend zu spielen. „Die werden wir jetzt verlieren“, sagt Mirko Großer, Abteilungsleiter der Handballer vom SV Blau-Weiß Perleberg, „sie darf nur trainieren“. Vor zehn Jahren sah die Situation in der Handballabteilung hinsichtlich der Frauenquote noch ganz anders aus. Gerade war die Mannschaft Prignitz-Meister geworden und hatte sich gegen die Rivalinnen vom PHC Wittenberge durchgesetzt.

Anzeige

„Damals gab es gute Spielerinnen“, erinnert sich Großer, der die Damenmannschaft auch schon im Jahr vor dem Titel ein oder zweimal unter seinen Fittichen hatte. „Bis dahin hatte die Mannschaft Wolfgang Heil super trainiert. Dann gab es Querelen und die Mädels standen ohne Trainer da.“ Mirko Großer erinnert sich an Heil als einen umstrittenen, aber fachlich besten Trainer in der Prignitz, der sogar die B-Lizenz vorweisen konnte.

Mehr Handball aus Brandenburg

Seit dem Titelgewinn ging es mit dem Frauenhandball in Perleberg kontinuierlich bergab. Woran es liegt? Großer vermutet die Ursache an dem mangelnden Interesse der Mädchen in der Prignitz an jener Sportart. Vielfach kommen die Kinder über eine Vorbildfunktion an den Sport heran – so die Erklärung des Abteilungsleiters. Während das bei den Jungs noch einigermaßen funktioniert, wenn sie zum einen bei Heimspielen der ersten Männermannschaft die Stimmung von 250 Fans mitbekommen und zum anderen auch Spiele der Handballstars im Fernsehen sehen. Bei den Mädchen gibt es das allerdings nicht.

„Die Akquise in den Schulen war vor der Pandemie gut, aber wir haben eben keine Mädchen gewinnen können“, sagt Mirko Großer. „Handball ist eben ein Kontaktsport, das tut manchmal weh, das schreckt die Mädchen eher ab.“ Jetzt gibt es ein verschenktes Jahr durch die Corona-Pandemie, „das macht die Sache wahrlich nicht einfacher“.

Blau-Weiß Perleberg meldet vier Teams für die Handball-Saison

In der 2. Aprilwoche trafen sich die Verantwortlichen für den Handball von Blau-Weiß Perleberg, um über die zukünftige Entwicklung zu beraten, da bis Mai die Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet werden müssen. Ins Rennen geschickt werden von Blau-Weiß letztlich insgesamt vier Mannschaften. Die erste Männermannschaft wird für die Landesliga gemeldet, die Reserve für die Spielunion A in der Saison 2021/22. Ein Novum im Verein: „Wir haben keine D-Jugend, deswegen haben wir zwei C-Jugend-Mannschaften angemeldet.“

Die jetzigen Spieler der B-Jugend werden bei den Männern angesiedelt, „weil wir so denen eine Plattform bieten können.“ Denn die B-Jugend-Mannschaft wurde vor der letzten Saison mangels Spieler abgemeldet. „Wenn wir das so nicht gemacht hätten“, ist sich Mirko Großer sicher, „dann wären die Jungs auch weg“. So verzeichnet die Abteilung lediglich zwei Abgänge im Nachwuchsbereich. Sollte das eine Mädchen gehen, wäre sie die Dritte.