11. Mai 2021 / 11:13 Uhr

Opa - Der Holstein-Blog: Dähne nagelt Holstein Kiels Tor zu

Opa - Der Holstein-Blog: Dähne nagelt Holstein Kiels Tor zu

Andreas Geidel
Holstein Kiels Keeper Thomas Dähne schnappt sich die Kugel.
Holstein Kiels Keeper Thomas Dähne schnappt sich die Kugel. © Uwe Paesler
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Der Höhenflug des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel verursacht emotionale Schwindelgefühle. Das am Ende glückliche 1:0 gegen Hannover 96 war der sechste (!) Heimsieg in Folge. Platz zwei mit einem Punkt Vorsprung und einem Spiel Rückstand auf den Tabellendritten Greuther Fürth – die an der Förde weiter surreal anmutende Vision von der Ersten Bundesliga nimmt konkrete Gestalt an. Mit einem weiteren Dreier am Donnerstag (15.30 Uhr) gegen Jahn Regensburg ist – unabhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz - zumindest die Relegation in Stein gemeißelt. Ein Frontman dieser wahnwitzigen Holstein-Boyband steht ganz hinten: Torwart Thomas Dähne.

Als sich die Störche am Montag in angemessenem Sicherheitsabstand von ihren Fans für den schwer erkämpften Erfolg gegen Hannover feiern ließen, kam es zum emotionalen Höhepunkt des Abends. Stellvertretend schrie der Sprecher der Anhänger mit brüchiger Stimme per Megafon in Richtung der Spieler, wie unendlich stolz die Menschen auf dieses Team seien. Tränen der Rührung konnte er dabei kaum unterdrücken.Und tatsächlich lassen sich die Leistungen der Nordlichter kaum mehr mit normalen Maßstäben messen. Fünf Punkt- und ein Pokalspiel haben die Störche seit dem Re-Start nach ihrer zweiten Teamquarantäne am 27. April bestritten. Dabei in der Liga vier Siege und ein Remis eingetütet.

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Am Montag war ihnen nach gut einer Stunde die Luft komplett ausgegangen. Verständlich nach der dritten Partie binnen acht Tagen. Am Mittwoch beziehen die Störche wie alle 36 Klubs der Ersten und Zweiten Liga laut DFL-Verordnung in Kiel die Einzelzimmer ihres Quarantäne-Hotels – konsequenter Verzicht auf familiäre und private Kontakte bis zum Ende der Saison inklusive. Keine schöne Sache, aber eine, die laut Fin Bartels, am Montag wieder einmal Schütze des goldenen Tores, dank dieser Erfolgswelle leichter zu verkraften ist.

Bereits am Donnerstag müssen sie gegen den SSV Jahn erneut die vor Erschöpfung schlappen Körper und leeren Köpfe ignorieren. Motto des kollektiven Schulterschlusses: wer noch laufen kann, hilft dem anderen.

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Und sie müssen in Situationen größter Not auf jenen Mann hoffen, der nur aufgrund der Covid-19-Infektion seines Konkurrenten Ioannis Gelios zwischen die Pfosten rückte: Thomas Dähne. 27 Jahre jung, 1,93 Meter groß, geboren im bayrischen Oberaudorf. Bis zu seinem gesundheitlichen Pech belegte der 29-jährige Gelios mit dem besten Notenschnitt Platz eins in der Torhüter-Rangliste des Fachblattes „kicker“. Jetzt setzt Dähne noch einen drauf.

Seit 330 Minuten ist der reaktionsschnelle Mann aus den Bergen, dessen vor Selbstbewusstsein strotzende Ausstrahlung vom eigenen Hoheitsbereich bis auf die Tribüne reicht, mittlerweile ohne Gegentor. Drei Punktspiele in Serie ohne gegnerischen Treffer – eine Kieler Premiere in diesem Spieljahr.

„Der Sieg gegen Hannover hat eine riesige Bedeutung. Wir haben schon gemerkt, wie die Beine schwerer wurden. Aber wir haben mit Leidenschaft und Geschlossenheit alles wegverteidigt, haben uns in alles reingeworfen, was auf unser Tor kam“, sagte Dähne nach dem Duell gegen die Niedersachsen. Er empfinde nur noch einen „Riesenstolz“.

Mit welcher Startelf soll Holstein Kiel gegen Regensburg auflaufen?

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Wie man Titel holt, weiß Dähne aus eigener Erfahrung. Mit HJK Helsinki gewann der aus der Nachwuchsschule von RB Salzburg stammende Keeper 2017 das finnische Double. Mit dem polnischen Erstligisten Wisla Plock sammelte er in der Europa-League-„Quali“ internationale Erfahrung. 16 Einsätze hatte Dähne zudem in verschiedenen deutschen U-Nationalmannschaften.


Und jetzt gleich in seinem ersten Jahr an der Förde der Bundesliga-Aufstieg? Dähne hätte sicher nichts dagegen. Die nächste Ausfahrt dieses Mammut-Programmes heißt Regensburg. Ohne Pechvogel Ahmet Arslan, der sich am Montag schwer am Knie verletzte. Sie werden für ihren Mittelfeld-Kollegen kämpfen, noch eine Schippe draufpacken, wenn eigentlich nichts mehr geht. Weil sie das Team der Stunde im deutschen Profifußball sind. Weil ihnen nahezu die gesamte Fußball-Republik die Daumen drückt. Weil sie im Rahmen ihrer „Mission impossible“ neben dem Jahrhundert-Triumph im Pokal gegen den FC Bayern schon jetzt Historisches vollbracht haben.