13. August 2020 / 14:08 Uhr

Opa - Der Holstein-Blog - Holstein Kiel: Wenn Langeweile Zuversicht schürt

Opa - Der Holstein-Blog - Holstein Kiel: Wenn Langeweile Zuversicht schürt

Andreas Geidel
Die Holstein-Profis bereiten sich intensiv auf die Saison 2020/21 vor.
Die Holstein-Profis bereiten sich intensiv auf die Saison 2020/21 vor. © Uwe Paesler
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Die Störche scheinen im Rahmen der realen Möglichkeiten seriös gewirtschaftet zu haben.

Still ruht der See beim Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel. Zumindest aus medialer Sicht. Ein vor allem den Folgen der Pandemie geschuldeter Zustand. Doch außerhalb des abgeriegelten Trainingszentrums Projensdorf wächst sukzessive der Optimismus, dass die Störche in der bevorstehenden Pflichtspiel-Serie des Bundesliga-Unterhauses eine deutlich bessere Rolle spielen könnten als zuletzt. Ein faktisch unwichtiger Aspekt in diesen trüben Tagen voller Furcht und Sorge wegen steigender Infektionszahlen. Zugleich aber ist dieser Hoffnungsschimmer ein starkes Signal gegen den Corona-Blues.

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Kein Wechsel auf den zentralen Positionen des Cheftrainers und/oder des Geschäftsführers Sport? Das gab's beim schleswig-holsteinischen Fußball-Flaggschiff zuletzt im Aufstiegssommer 2017. Zu Beginn eines Spieljahres, das bekanntlich fast mit dem triumphalen Durschmarsch in Liga eins geendet hätte. Drei Jahre später stehen Ole Werner und Uwe Stöver anstelle der damaligen Protagonisten Markus Anfang und Ralf Becker.

Und heute wie damals nimmt ein eingespieltes Gerüst an Stammspielern den Kampf auf, um nach den Plätzen drei, sechs und elf im vierten Jahr der Zweitliga-Zugehörigkeit wieder in einstellige Tabellenregionen zurückzukehren. Angetrieben und inspiriert von einem ebenfalls miteinander vertrauten Trainer- und Funktionsstaff mit dem jüngsten Coach im deutschen Profifußball an der Spitze.

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Wo spielen die Aufstiegshelden der Saison 2016/17 heute?

Im September 2019 war der 32-jährige Werner nach dem sechsten Spieltag und einer Kieler Mannschaft, die auf Relegationsrang 16 taumelte, als Nachfolger des glücklosen Andre Schubert von Stöver-Vorgänger Fabian Wohlgemuth ins kalte Zweitliga-Wasser geworfen worden. Werner schwamm sich trotz der Belastungen durch seine Ausbildung zum Fußballlehrer und Corona beeindruckend frei. Und musste am Ende der Serie sogar noch einen Trauerfall in der Familie verarbeiten. Monate des mentalen Stresses in XXL-Format. „Ich freue mich unheimlich auf die Herausforderung, mit der Mannschaft den nächsten Schritt zu machen. Dass ich nun ausschließlich bei ihr sein kann, erhöht meine Vorfreude noch mal zusätzlich“, sagt das Holstein-Urgestein in einem Interview mit dem Fachblatt „kicker“.

Zum Vergleich: Beim HSV wird Pit Reimers (36) via „Bild“-Zeitung als Leuchtturm der eigenen Trainerförderung gefeiert. Es handelt sich um den künftigen Coach der U21-Mannschaft, der seit 13 Jahren in Diensten der Rothosen steht. Ob sie unter diesen Vorzeichen Ole Werner (14 Jahre bei Holstein) schon ein Denkmal am Volkspark gebaut hätten?

Negativ im Gedächtnis haften geblieben ist Werner derweil, dass „wir nach dem Re-Start nicht mehr an unsere Leistungsgrenze gekommen sind und eine mögliche bessere Endplatzierung als Rang elf hergegeben haben“. Das soll nun auch mit Hilfe der samt und sonders spannenden Neuzugänge Thomas Dähne (Tor), Simon Lorenz, Marco Komenda (Abwehr), Fin Bartels, Niklas Hauptmann, Ahmet Arslan und Jonas Sterner (alle Mittelfeld und Angriff) besser werden.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. Zur Galerie
Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. ©

Aktuell umfasst der Kader 30 Profis. Auf drei Torhüter und 24 bis 25 Feldspieler soll das Aufgebot laut Werner reduziert werden. Dass die offensiven Leit-Störche Janni Serra und Jae-Sung Lee (beide Vertrag bis 2021) nach dem Ende der Transferperiode am 5. Oktober dann noch zum Kreis der Störche zählen, ist angesichts der stetig wiederkehrenden Gerüchte vom angeblichen Interesse anderer Klubs fraglich. Andererseits darf der offensive Umgang mit diesen Personalien auch als Zeichen interpretiert werden, dass die Zeiten des Regelverkaufes von Leistungsträgern zwecks zwanghafter Generierung von Ablösesummen bei der KSV Holstein zumindest partiell vorbei sind. „Beide Spieler sind bei uns. Ich bin sehr froh darüber – und ich plane mit ihnen. Wir sind nicht gezwungen, einen Spieler ziehen zu lassen. Und wir würden das auch nur dann tun, wenn es uns finanziell zufriedenstellt und uns in der Lage versetzt, entsprechenden Ersatz zu finden“, sagt Werner.

Die Störche scheinen im Rahmen der realen Möglichkeiten seriös gewirtschaftet zu haben. 4,5 Millionen Euro wurden in die Trainingsflächen der Übungsplätze investiert – eine sinnvolle, weil nachhaltige Maßnahme. Auch an anderer Front ist Normalität in unruhigen Zeiten eingekehrt. „Wir haben uns zu Beginn des Lockdowns entschieden, die Kurzarbeit für die Monate April, Mai und Juni anzumelden und dieses intern so kommuniziert. Wie geplant haben wir den Betrieb somit ab 1. Juli wieder hochgefahren. Und auch die Vereinbarung zum Gehaltsverzicht der Profis war auf diesen Zeitraum beschränkt“, erklärt Wolfgang Schwenke, Holsteins Kaufmännischer Geschäftsführer. Sätze, die anderenorts - wie beispielsweise in Karlsruhe – kleine Jubelstürme auslösen würden.

Die Störche arbeiten anno August 2020 im stillen Kämmerlein. Gezwungenermaßen grundsätzlich ohne Kiebitze und fast ausnahmslos ohne Journalisten. Kontakte zur medialen Außenwelt? Zu 90 Prozent per E-Mail oder Telefon. Kleinere Skandale, überzogen formulierte Erwartungshaltungen gegenüber Spielern, vorschnelle Orakel bezüglich der tabellarischen Saisonziele? Fehlanzeige! Das bodenständig unaufgeregte Motto: In der Ruhe liegt die Kraft. Die Ruhe vor dem Sturm? Oder ketzerisch ausgedrückt: Wenn Langeweile Zuversicht schürt.

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