02. April 2021 / 17:51 Uhr

Pendeln zwischen Trikot und Kittel für Hennigsdorfs Emanuel Schaumburg

Pendeln zwischen Trikot und Kittel für Hennigsdorfs Emanuel Schaumburg

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
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Emanuel Schaumburg ist an den Sana-Kliniken in Sommerfeld angestellt. © privat
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Landesliga Nord: Der Hennigsdorfer Fußballer arbeitet als Arzt in den Sana-Kliniken in Sommerfeld. Der Abwehrspieler ist seit bereits 16 Jahren beim FC 98 Hennigsdorf.

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So einen Mitspieler wie Emanuel Schaumburg dürfte sich jeder Fußballverein in seinen eigenen Reihen wünschen – im Fall des Fußballers aus Oberhavel gilt das sogar auf und neben dem Platz. Denn der Kicker des FC 98 Hennigsdorf arbeitet als Assistenzarzt der Orthopädie in den Sana-Kliniken in Sommerfeld. Dies wissen auch seine Mitspieler. „Die Spieler fragen mich schon immer auf dem Platz, wenn sie etwas haben. Ich helfe aber sehr gerne“, sagt der 35-Jährige.

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Der gebürtige Hennigsdorfer kann getrost als Urgestein bezeichnet werden. Immerhin trägt Schaumburg, wenn er nicht den Kittel in der Klinik überwirft, schon seit 16 Jahren das Trikot des FC 98 Hennigsdorf. Und das mit vollem Stolz und Leidenschaft. „Es ist einfach der Verein aus meiner Heimatstadt. Ich vertrete die Farben von Hennigsdorf sehr gerne und zu den Mitspielern, die man lange kennt, hat man einen sehr guten Kontakt. Der FC 98 Hennigsdorf ist sicherlich nicht die schlechteste Adresse“, sagt Schaumburg, der in seiner Jugendzeit einst bei Stahl Hennigsdorf mit dem runden Leder startete

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In der Folge spielte er eine Zeit lang im Nachwuchs beim SC Oberhavel Velten, ehe es in der A-Jugend zum Oranienburger FC Eintracht ging. „Das ist in Sachen Nachwuchsfußball eine der besten Adressen“, so der Hennigsdorfer. „Die Zeit in Oranienburg hat mir sicherlich nicht geschadet.“ Doch mit 19 Jahren ging es dann wieder zurück in die Stahlstadt. Dabei führt Schaumburg vor allem Freunde und den Wohnort als Gründe an: „Ich hatte dann auch keine Lust mehr auf die ganze Fahrerei.“



Der Weg nach Sommerfeld: Abitur, Ausbildung und Studium

In Hennigsdorf freute man sich auf den Rückkehrer, der direkt nach dem Abitur eine Ausbildung zum Physiotherapeuten startete. „Ich war sportlich und medizinisch sehr interessiert. Ich konnte dann Hobby und Beruf verbinden“, erläutert der kickende Arzt. Denn schon damals interessierte sich Emanuel Schaumburg für die Medizin, bildete sich stetig weiter und startete nur zweieinhalb Jahre nach seiner abgeschlossenen Ausbildung ein Studium an der Berliner Charité, ehe ihn sein Weg nach knapp sechsjährigem Studieren wieder in Richtung Oberhavel zu den Sana-Kliniken nach Sommerfeld führte. „Das ist schon ein purer Luxus, direkt in der Heimat arbeiten zu können“, so der Hennigsdorfer, der sich nicht nur am Arbeitsplatz wohlfühlt, sondern auch auf dem Fußballfeld.

Da ist der Oberhaveler in der Defensive gesetzt, spielt vor allem in der Abwehr. Doch Schaumburg interpretiert seine Aufgabe auch offensiv, sucht immer wieder den Weg nach vorne. „Als Außenverteidiger kann man da immer unterstützen“, verrät der FC 98-Kicker, der in seiner Spielerkarriere auf große medizinische Hilfe auf dem Rasen verzichten konnte – ob nun bei einem Mitspieler oder gegnerischem Akteur. Doch als sich Teamkollege Justin Tänzler in einem Match das Kreuzband im Knie riss, war Schaumburg sofort zur Stelle. „Da habe ich mit Erste Hilfe geleistet und ihn auch später versucht zu unterstützten. Da bin ich der Letzte, der nicht helfen würde. Das wissen meine Teamkollegen auch“, erklärt Schaumburg, der als Assistenzarzt in der Orthopädie in Sommerfeld die Operateure unterstützt und im Laufe der Jahre mit mehr Berufserfahrung auch selbst operieren darf – derzeit gehe es vor allem um den Einbau von Endoprothesen im Knie oder in der Hüfte. Das ist eine Art Gelenkersatz, ein Implantat, das dauerhaft im Körper verbleibt und ein geschädigtes Gelenk ganz oder teilweise ersetzt. „Ich bin jetzt zusätzlich ins Schulterteam gerückt und habe da ab und an die Chance, dann eine Schulter operieren zu dürfen“, erzählt Emanuel Schaumburg, der aufgrund seines sensiblen Berufs bereits gegen das Coronavirus geimpft wurde. „Das ist von Vorteil und gibt Sicherheit für Freunde und Familie. Ich kann es den Leuten nur an die Hand geben, sich impfen zu lassen“, appelliert der fußballspielende Orthopäde.

Emanuel Schaumburg landete mit Hennigsdorf einen Heimsieg.
Seit 16 Jahren trägt Emanuel Schaumburg bereits das Trikot des FC 98 Hennigsdorf. © Robert Roeske

Dabei dürfte der Fußballer, der beruflich gut eingespannt ist, seine Zeit auf dem Rasen jedoch vermissen. Seit Anfang November 2020 war der Spielbetrieb ausgesetzt und aufgrund der hohen Sieben-Tage-Inzidenz in Oberhavel ist auch das Training mittlerweile wieder untersagt. Trotz seines fortgeschrittenen Fußballalters denkt er noch nicht an das Laufbahnende. „Mit so einer zweiten abgebrochenen Saison in Folge kann man nicht aufhören“, stellt der Hennigsdorfer klar. „Das wäre jetzt kein guter Zeitpunkt, um sich zu verabschieden.“ Und so kann sich der FC 98 auch in Zukunft freuen, mit Emanuel Schaumburg einen echten Gesundheitsexperten in den eigenen Reihen zu haben.

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