16. April 2021 / 20:28 Uhr

Ein fast perfekter Tag: Zwei Leipziger Schwimmer bei Olympia, einer bei der EM am Start

Ein fast perfekter Tag: Zwei Leipziger Schwimmer bei Olympia, einer bei der EM am Start

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Eine Leipzigerin in Tokio: Marie Pietruschka hat sich für die Olympischen Spielen 2021 qualifiziert.
Eine Leipzigerin in Tokio: Marie Pietruschka hat sich für die Olympischen Spielen 2021 qualifiziert. © Archiv/imago/Aleksandar Djorovic
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Marie Pietruschka und David Thomasberger können für Tokio planen. Ihr Leipziger SSG-Kollege Marek Ulrich dagegen qualifiziert zunächst für die EM in Budapest.

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Berlin/Leipzig. Bis Sonntag kämpfen die deutschen Schwimmer in Berlin um die Olympia-Tickets – doch für die drei Asse der Schwimmstartgemeinschaft Leipzig war der Freitag bereits der entscheidende und fast sogar ein perfekter Tag. Das Wichtigste vorab: Nachdem die Olympischen Spiele in London und Rio ohne Leipziger Schwimmerinnen und Schwimmer über die Bühne gingen, haben sich mit Marie Pietruschka (25) über 4x200 m Freistil und David Thomasberger (25) über 200 m Schmetterling mindestens zwei Leipziger das Tokio-Ticket gesichert.

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Es fehlen fünf Hundertstel

Ein dramatischer Tag wurde es für Marek Ulrich (24), den Dritten im Bunde. Noch vor anderthalb Jahren lag die Badehose des gebürtigen Dessauers irgendwo in der Ecke, war an ein Comeback nicht zu denken. Doch im Herbst 2019 ging er nach Leipzig und stand bei Trainer Frank Embacher wieder auf der Matte. Gestern schwamm er über 100 m Rücken zum ersten Mal in seinem Leben unter 54 Sekunden – das Ganze gelang ihm gleich doppelt im Vorlauf (53,75) und Finale (53,99). Morgens war er wie schon zuvor in Heidelberg und Magdeburg der schnellste DSV-Rückenschwimmer, am Abend wurde er auf den letzten Metern vom Berliner Ole Braunschweig (53,87) um zwölf Hundertstel abgefangen.

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Was nun? Wer darf für die olympische Lagenstaffel planen? In früheren Zeiten wären zur Absicherung des Quartetts beide mitgenommen worden. Und diesmal? Ulrich hat die schnellste Zeit stehen und sogar die Einzelnorm des Weltverbandes Fina geknackt. Doch zur DSV-Norm fehlten ihm im Vorlauf fünf Hundertstel. Und die Nominierungskriterien sehen Braunschweig als Final-Sieger vorne. Vor einem Jahr stand auch noch die Addition aus Vor- und Endlauf in dem Papier. Doch dieser Passus ist inzwischen gestrichen.

Thomasberger früh durch

„Ich gehe davon aus, dass knallhart nach Kriterien entschieden wird. Das heißt, ich werde bei der EM im Mai in Budapest starten“, sagte Marek Ulrich, der darüber nicht traurig ist: „Ich bin erst einmal happy, so starke Zeiten angeboten zu haben. Das hätte ich noch vor einer Woche nicht für möglich gehalten. Natürlich war der Druck im Finale enorm hoch und am Ende fehlten ein paar Körner. Es ist auch schade, dass ich früh so knapp an der Einzelnorm vorbeigeschwommen bin. Doch unterm Strich kann ich sehr stolz sein.“

Diesen Satz kann Marie Pietruschka unterstreichen, die als Ranglistenzweite über 200 m Freistil (1:58,33) nach Berlin reiste, diese Zeit als Vierte (1:58,46) bestätigte und das Staffelticket löste. „Jetzt fällt eine Last von den Schultern. Ich musste noch zittern, dass im B-Lauf keine schneller ist, auf die Zitterminuten hätte ich gern verzichtet. Aber ich war sehr stabil, habe noch nie an drei Wochenenden in Folge so konstant meine Leistung gebracht. Und ich spüre: Es geht im Sommer noch mehr.“

Und David Thomasberger? Der hat in Heidelberg vor 14 Tagen mit seinem deutschen Rekord schon für derart klare Fronten gesorgt, dass er den Rest des Olympia-Ausscheids genießen und seine Spezialstrecke 200 m Schmetterling in Berlin sogar weglassen kann. Deshalb muss der gebürtige Leipziger Ramon Klenz nun allein gegen die Uhr ran.