22. April 2022 / 20:00 Uhr

RB Leipzigs Forsberg nach Last-Minute-Treffer gegen Union: "Ich liebe große Spiele"

RB Leipzigs Forsberg nach Last-Minute-Treffer gegen Union: "Ich liebe große Spiele"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Immer zur Stelle, wenn RB Leipzig ihn braucht: Emil Forsberg.
Immer zur Stelle, wenn RB Leipzig ihn braucht: Emil Forsberg. © Getty Images
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Im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Union Berlin war Forsberg der entscheidende Mann, schoss das Tor zum Sieg. Der ewige Emil bleibt in aller Munde und ersetzt seinen Boss Domenico Tedesco beim medialen Vorspiel der zweiten Partie gegen die Eisernen binnen vier Tagen.

Leipzig. Man stelle sich vor, die Union-Stars Taiwo Awoniyi und Sheraldo Becker hätten ihre Top-Chancen zum 2:0 genutzt und RB Leipzig aus dem DFB-Pokal gekippt. Andreas Rettig, der 2014 als DFL-Macher das Mitmachen der Roten Bullen verhindern wollte, hätte mit einer vergilbten Kicker-Ausgabe Lambada getanzt und danach fürs Fachorgan die Kolumne „Hosianna, Geld ist nicht alles!“ geschrieben. Im Anhang Rettigs Kostennote für das in elf Minuten entstandene Werk: 1000 Euro.

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Die 11Freunde hätten mit seitlich heraushängender Zunge (man kennt das von Waranen auf der Jagd) bis tief in die Nacht gedichtet, das Vorhandensein des Herrgotts lobpreist und festgestellt, dass Urs-Fischer-Chöre den im Stimmbruch befindlichen RB-Anhang aber sowas von in den Sack gesteckt hat - Letzteres entbehrt nicht einer gewissen Grundlage.

DURCHKLICKEN: Eine Bilder aus dem Halbfinal-Duell

Wahnsinn!!!!! RB Leipzig steht nach einem 2:1-Erfolg gegen Union Berlin im Finale des DFB-Pokals! Zur Galerie
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Ja, sie hätten im Fall der Fälle jede Menge Häme einstecken müssen, die nach wie vor nicht von allen Menschen geliebten RB-Fußballspieler. Ein Ausscheiden hätte so gar nicht zum von Domenico Tedesco wachgeküssten Riesen gepasst. Und sie wären schwer gewesen, die Beine. Und leer, die Köpfe beim Heimspiel gegen eben jene Eisernen aus Köpenick (Sonnabend, 15.30 Uhr). Auch die Vorfreude aufs Spiel gegen die Glasgow Rangers (Donnerstag, 21 Uhr) hätte Schaden genommen. Es kam anders. Weil die Männer von Domenico stressresistent und mutig sind und gegen die Eisernen eine Entscheidung in den 90 Minuten der Verlängerung vorgezogen haben.

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"Wir glauben immer an uns"

Und weil sie seit 2015 einen Mann für die besondere Momente beschäftigen. Joker Emil Forsberg köpfelte in der Nachspielzeit das 2:1, schrieb seine eigene Erfolgsgeschichte und die des Vereins fort. Eingedenk ungezählter Presseanfragen saß beim medialen Vorspiel der neuerlichen Union-Partie Forsberg statt Tedesco auf dem Podium. Der 30-Jährige erzählte wie es so war am Mittwoch, wie es sein wird am Sonnabend und wie er mit seiner Rolle mal-drin-mal-draußen zurechtkommt.

Versetzt Glaube Berge? „Wir haben an uns geglaubt, wir glauben immer an uns.“ Das Tor ins Glück? „Es kommt zu mir, wenn es gebraucht wird. Ich habe gefühlt, dass ich noch ein Ding mache. Das Stadion ist explodiert, das war so geil, ich kriege jetzt noch Gänsehaut.“ Gefühle hatte der Schwede übrigens auch beim Halbfinal-Spiel in Bremen vor einem Jahr, als er von Julian Nagelsmann erst in der Verlängerung eingewechselt wurde, um beim Elfmeterschießen einen reinzumachen. Forsberg zu Nagelsmann: „Es gibt kein Elferschießen, ich schieß‘ das 2:1.“ Das tat er in der 120. Minute. Nagelsmanns Dank: Ein Bankplatz für Forsberg beim Finale (1:4 gegen Dortmund).

Frische Beine vonnöten

Der schwedische Wiederholungstäter schwärmt vom Teamspirit, freut sich über André Silvas 1:1-Elfmeter („super geschossen, für ihn und uns superwichtig“), warnt vorm Wiedersehen mit Union. „Die sind stark, das wird wieder schwer.“

Und natürlich kommt Emil F. nicht umhin, seinen Status bei Tedesco zu beleuchten. „Ich weiß, was ich kann, Dome weiß, dass ich immer spielen will.“ Vielleicht wusste Dome(nico) bis dato nicht, dass Forsberg für besondere Angelegenheiten konfiguriert worden ist, dass er da ist, wenn es eng wird. „Ich liebe große Spiele“, sagt der Mann, der 2015 für dreieinhalb Millionen Euro aus Malmö kam. Und er liebt es, in der Start-Elf zu stehen.

Nach dem Kraftakt vom Mittwoch sind am Samstag vor ausverkauftem Haus frische Beine vonnöten. In der Verlosung: Männer vom Fach. Nordi Mukiele, Tyler Adams, Yussuf Poulsen, Kevin Kampl, Marcel Halstenberg, Emil Forsberg. RB könnte mit einem Dreier einen entscheidenden Schritt Richtung Champions-League-Qualifikation machen. Union liegt diesbezüglich ebenfalls aussichtsreich im Rennen. Forsbergs Blick auf sieben Jahre RB, auf den Weg von der 2. Liga in die Beletage: „Das macht mich stolz. Jetzt wollen wir etwas Großes gewinnen.“ Und was hat er nach seiner Karriere in vier, fünf Jahren vor? „Wir haben ja momentan keinen Sportdirektor. Ich werden dann mit Oli (Mintzlaff) und Flo (Florian Scholz) sprechen.