17. Mai 2021 / 12:57 Uhr

RB Leipzigs verflixte erste Halbzeit: "Immer mal wieder eine Weck-Aktion"

RB Leipzigs verflixte erste Halbzeit: "Immer mal wieder eine Weck-Aktion"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
LEIPZIG, GERMANY - MAY 16: Justin Kluivert of RB Leipzig has a shot saved by Koen Casteels of VfL Wolfsburg during the Bundesliga match between RB Leipzig and VfL Wolfsburg at Red Bull Arena on May 16, 2021 in Leipzig, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Jan Woitas - Pool/Getty Images)
Justin Kluivert erzielte gegen den VfL Wolfsburg seinen zweiten Bundesligatreffer für RB Leipzig. © 2021 Getty Images
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In den vergangenen Spielen tat sich RB Leipzig in der ersten Halbzeit ziemlich schwer. Nach Wiederanpfiff schien die Mannschaft dann allerdings stets wie ausgewechselt. Das war auch gegen den Vfl Wolfsburg nicht anders. Gibt es zur Halbzeitpause immer mal einen Zaubertrank vom Coach?

Leipzig. Es ist ein Phänomen, dass sich in den vergangenen Spielen deutlich gezeigt hat: RB Leipzig hat das Talent für die erste Hälfte verloren. Aufgrund dessen ging nicht nur die Liga-Partie gegen Borussia Dortmund (2:3) verloren, sondern auch das Pokalfinale gegen denselben Gegner (1:4). Und fast wäre auch der zweite Tabellenplatz in der Bundesliga in Gefahr geraten, als die Roten Bullen im letzten Heimspiel der aktuellen Saison zur Halbzeitpause gegen den VfL Wolfsburg 0:2 zurück lagen. „Die erste Halbzeit war tatsächlich schwierig. Wir hatten noch ein paar Nachwehen aus dem Pokalfinale. Man hat gemerkt, dass die Jungs die eine oder die andere schlaflose Nacht hatten“, sagte Trainer Julian Nagelsmann nach dem 2:2-Remis gegen die Wölfe.

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„Viele Fehler im Aufbau“

Dennoch: „Wir waren im Kopf nicht so aktiv da, wie es Wolfsburg gemacht hat. Wir haben viele Fehler im Aufbau gemacht. Wir hatten zwar trotzdem zwei oder drei recht große Chancen, lagen aber verdient zur Pause hinten.“ Umso erstaunlicher sei die Leistung seiner Mannschaft nach der Pause. „Wir haben einige personelle Veränderungen vorgenommen und ein bisschen die Grundordnung angepasst. Dann haben wir sehr guten Fußball gespielt, viel Druck gemacht, hatten viele gute Gegenpressing-Aktionen und haben Wolfsburg nicht mehr wirklich rauskommen lassen. Am Ende haben wir verdient den Ausgleich gemacht. Die Punkteteilung ist absolut gerecht. Es waren auch zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten.“

DURCHKLICKEN: Einige Bilder aus der Partie

Nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Spielhälfte holt RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg noch einen Punkt und ist damit vom zweiten Tabellenrang nicht mehr zu verdrängen. Zur Galerie
Nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Spielhälfte holt RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg noch einen Punkt und ist damit vom zweiten Tabellenrang nicht mehr zu verdrängen. ©

Die RB-Profis zeigten zuletzt regelmäßig in den zweiten 45 Minuten, was in ihnen steckt. Warum klappt das nicht vom Anpfiff weg? Eine genaue Begründung habe er nicht, gab Nagelsmann nach dem Remis am Sonntag zu. „Wir haben mit den Spielern ein paar Mal darüber diskutiert. Wir haben auch schon viele gute erste Halbzeiten gespielt. Die letzten waren leider tatsächlich so, dass wir immer wieder mal eine Weck-Aktion brauchten.“ Hilfreich dabei sei eben die Halbzeitpause, weil er und das Team dann einige Szenen aus dem ersten Durchgang anschauen und entsprechend Sachen anpassen könnten, erklärte der Coach.

Lob für Haidara, Angelino und Kluivert

Diese Veränderungen setzte die Mannschaft nach Wiederanpfiff stets zügig um. Fast so als hätte ihnen der Trainer in der Kabine noch einen kleinen Zaubertrank à la Asterix und Obelix gegeben, zeigten sich die Roten Bullen zuletzt im zweiten Durchgang energischer, organisierter und mit viel Kontrolle im Angriff. „Es ist ein großer Vorteil, dass wir über die letzten zwei Jahre so variabel geworden sind.“

Vor allem die Einwechslungen von Amadou Haidara und Angelino lobte Nagelsmann: „Doudou war super im Spiel, ist perfekt reingekommen. Angel hat es auch gut gemacht, ist sehr gut reingekommen und hat Justin Kluivert deutlich mehr unterstützt. Die beiden haben uns sehr gut getan. Dadurch hatten wir ein bisschen mehr Kontrolle als in der ersten Halbzeit.“ Tatsächlich liefen die meisten Angriffe von RB nach dem Wechsel über die linke Seite. Schließlich war es dann auch Kluivert, der den Anschlusstreffer erzielte.

Für das Tor des Niederländers hatte Nagelsmann ebenfalls viel Lob übrig, analysierte aber auch, wo sich der 22-Jährige verbessern muss: „Er hat sehr viele Ansätze, bei denen man das Gefühl hat, dass jetzt etwas passieren kann. Er bleibt aber immer irgendwie nochmal hängen. Beim Tor habe ich auch gedacht: ‚Bitte nicht noch einen Haken, nicht dass dir diese Aktion auch noch weggehtʻ. Er hat immer gute Situationen, gute Ansätze. Aber sein Ziel für seine weitere Karriere sollte sein, dass er aus diesen Ansätzen noch einen Tick mehr rausbekommt und er Tore macht. Man sieht aufblitzen, dass er etwas kann. Am Ende muss der Name Justin Kluivert einfach häufiger auf dem Spielberichtsbogen stehen, nicht nur bei der ersten Elf, sondern auch auf der Torjäger- oder Assist-Liste.“