18. März 2019 / 09:53 Uhr

Tauziehen um Regionalliga-Reform: Das sind die Szenarien

Tauziehen um Regionalliga-Reform: Das sind die Szenarien

Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Drei Optionen zur Regionalliga-Aufstiegsreform. Die erste gefällt Energie Cottbus und Trainer Pele Wollitz (l.) nicht, die zweite sieht noch mehr Kellerkinder wie Jena und Aalen vor und die dritte sieht eine Relegation vor.
Drei Optionen zur Regionalliga-Aufstiegsreform. Die erste gefällt Energie Cottbus und Trainer Pele Wollitz (l.) nicht, die zweite sieht noch mehr Kellerkinder wie Jena und Aalen vor und die dritte sieht eine Relegation vor. © imago/Montage
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Am Dienstag sollen sich in Peißen die Vereine aus dem Norden, Nordosten und Bayern darauf einigen, wie ihre Regionalligen künftig aussehen und wie die Aufsteiger ermittelt werden. Drei Modelle haben Chancen. Lest hier, was für sie spricht – und was dagegen.

Die Botschaft ist so einfach und einleuchtend, dass wohl jeder spontan mit dem Kopf nickt: "Meister müssen aufsteigen". So steht es seit Jahren auf Bannern in Regionalliga-Stadien, so wiederholen es Präsidenten in Interviews und Fans auf Social Media. Das beste Team soll aufsteigen. Punkt.

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Seit 2012: Meister steigen auf. Vielleicht.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. 2012 wurden die Regionalligen neu geschnitten, aus drei Staffeln wurden fünf. Fünf Aufsteiger? Zu viel für die eingleisige 3. Liga. Deshalb müssen die Meister (und der Zweitplatzierte aus dem mitgliederstarken Südwesten) nach Saisonende in die Aufstiegsrelegation, und mindestens zwei Meister bleiben auf der Strecke. Zuletzt traf es Weiche Flensburg, den 1. FC Saarbrücken und Waldhof Mannheim.

Meister, aber kein Aufsteiger: Diese Teams sind in der Aufstiegsrunde zur 3. Liga gescheitert

So fühlt es an, wenn man zum dritten Mal in Folge in der Aufstiegsrelegation scheitert. Welches Team diesen traurigen Rekord hält und wer noch Erfahrung darin hat, die 3. Liga zu verpassen, seht Ihr in der Galerie. Zur Galerie
So fühlt es an, wenn man zum dritten Mal in Folge in der Aufstiegsrelegation scheitert. Welches Team diesen traurigen Rekord hält und wer noch Erfahrung darin hat, die 3. Liga zu verpassen, seht Ihr in der Galerie. ©

Das sorgte für massiven Frust bei Fans und Verantwortlichen. Die Drittligisten erklärten sich deshalb bereit, künftig ein viertes Team absteigen zu lassen - wenn die Regionalligen im Gegenzug auf vier Staffeln reduziert würden. Der DFB-Bundestag fasste im Dezember 2017 einen entsprechenden Beschluss. Damit ein neuer Zuschnitt für die Regionalligen gefunden werden kann, gibt es eine Übergangsregel für diese und nächste Saison: Fünf Regionalligen, aber nur ein Relegationsspiel. Drei Staffeln haben einen festen Aufsteiger.

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Was kommt ab 2020?

Jetzt geht es also um die dauerhafte Lösung ab Sommer 2020. Kommt die Reduzierung auf vier Regionalliga-Staffeln, dann sind der Westen und Südwesten wohl sicher: Weil sie zusammen mehr als die Hälfte Fußballdeutschlands repräsentieren, sollen sie auch die Hälfte der Aufstiegsplätze bekommen. Die Meister der beiden Staffeln würden direkt aufsteigen. Bleiben noch die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern. Sie sollen sich nun am Dienstag im Hotel H+ in Landsberg-Peißen (Sachsen-Anhalt) darauf einigen, wie die Regionalligen in ihrem Gebiet künftig geschnitten sein sollen. Neben den Verbandspräsidenten sind Vertreter aller Dritt- und Regionalligisten aus diesem Gebiet eingeladen.

Realistische Chancen haben diese drei Modelle:

BVB-Fans fordern eine Reduzierung auf vier Regionalliga-Staffeln. Die Regionalliga West würde davon profitieren: Sie hätte künftig einen festen Aufstiegsplatz.
BVB-Fans fordern eine Reduzierung auf vier Regionalliga-Staffeln. Die Regionalliga West würde davon profitieren: Sie hätte künftig einen festen Aufstiegsplatz. © imago/Matthias Koch

Modell 1: Regionalliga Nordost aufteilen

Im Gebiet der Regionalligen Nord, Nordost und Bayern spielen knapp die Hälfte der deutschen Fußballmannschaften - und dann auch die Hälfte der Regionalligen. Aus drei Staffeln müssen also zwei werden. Die geografisch einzig sinnvolle Möglichkeit: die Regionalliga Nordost aufteilen. Der für Amateurfußball zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch (Bayern) favorisiert dieses Modell. Demnach kämen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt zur Regionalliga Nord. Bayern würde sich mit Thüringen und Sachsen zur Regionalliga Süd zusammenschließen.

Vorteile:

  • klare Struktur mit vier Ligen, aus denen jeweils der Meister aufsteigt
  • faire Aufteilung Fußball-Deutschlands: alle Staffeln ständen ungefähr für dieselbe Zahl an aktiven Fußballern

Nachteile:

  • deutlich weitere Reisen, vor allem für Teams aus der bisherigen Regionalliga Nord, aus Brandenburg, Berlin und Bayern
  • Wegfall traditioneller Ost-Duelle
  • insgesamt weniger Regionalligisten, also deutlich mehr Absteiger in den nächsten Jahren

Wie wahrscheinlich? Die Drittligisten haben sich mit einer Gegenstimme (Energie Cottbus) für dieses Modell ausgesprochen, aber in den drei betroffenen Regionalligen ist der Widerstand enorm. Für Vereine, die sich als Amateure ohne Ambitionen im Profifußball verstehen, wäre die Regionalliga finanziell kaum mehr zu stemmen. Besonders vehement spricht sich der Regionalverband Nordost gegen diese Lösung aus. Denn dessen Existenz steht auf der Kippe, wenn er für keine Herren-Regionalliga mehr zuständig ist.

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Modell 2: 3. Liga aufstocken

Alle Regionalliga-Staffeln bleiben erhalten. Da dann künftig fünf Teams aus der 3. Liga absteigen müssen, wird diese auf 22 Teams erweitert. Um die Zustimmung zu diesem Modell zu versüßen, bekommt die 3. Liga zusätzliches Geld vom Verband, mehr Startplätze im DFB-Pokal oder einen festen dritten Aufstiegsplatz. Drittligisten könnten später in die Landespokale einsteigen, damit sie nicht zu viele Termine haben.

Vorteil:

  • Meister steigen auf
  • für die Regionalligisten bleiben die Wege und die Zahl der Absteiger gleich
  • zwei zusätzliche Heimspiele für Drittligisten

Nachteile:

  • in der 3. Liga dürften schon zu Weihnachten die ersten Teams im Abstiegskampf praktisch chancenlos sein
  • zwei zusätzliche Auswärtsspiele für Drittligisten
  • um den Drittligisten etwas als Ausgleich zu geben, muss anderen etwas weggenommen werden (z. B. Zweitligisten oder Amateurvereinen)

Wie wahrscheinlich? Viele Regionalligisten finden das Modell reizvoll. Aber aus der 3. Liga dürften erhebliche Widerstände kommen. Und auch die Top-Teams aus den Regionalligen werden sich überlegen, ob sie in eine Liga mit fünf Abstiegsplätzen aufsteigen wollen.

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Modell 3: Staffeln erhalten und Relegation spielen

Alle Regionalliga-Staffeln bleiben erhalten. Die Staffeln Nord, Nordost und Bayern haben zusammen zwei Aufstiegsplätze. Sie spielen nach Saisonende eine Aufstiegsrunde oder Relegation.

Vorteile:

  • Wege werden nicht länger
  • Zahl der Regionalligisten bleibt gleich

Nachteil:

  • nicht alle Meister steigen auf

Wie wahrscheinlich? Die Drittligisten hatten sich klar positioniert: Wir stellen nur dann einen vierten Absteiger, wenn die Zahl der Regionalligen verkleinert wird. Aber aus den ersten Vereinen kommen Signale, dass man sich auch einen Kompromiss vorstellen kann. Dieses Modell könnte der Kompromiss sein, weil es übermäßige Härten vermeidet.

#GABFAF: Für Amateurfußball!

Wann fällt die Entscheidung?

Formal auf dem DFB-Bundestag am 26. und 27. September 2019. Wenn sich die Vereine aus Nord, Nordost und Bayern am Dienstag in Peißen auf Modell 1 oder 3 einigen, wäre die Zustimmung des Bundestags wohl sicher. Einigen sie sich nicht oder fordern sie Zugeständnisse von anderen, dann geht das Tauziehen weiter.

Für Dienstag, 17.30 Uhr, ist eine Pressekonferenz angesetzt. Sobald es Ergebnisse gibt, berichten wir im SPORTBUZZER.