18. Dezember 2020 / 17:08 Uhr

RSV-Trainer Patrick Hinze im Interview: "Brauchen Politik und Wirtschaft"

RSV-Trainer Patrick Hinze im Interview: "Brauchen Politik und Wirtschaft"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
RSV-Coach Patrick Hinze.
Immer unter Strom: Trainer Patrick Hinze hält dem RSV Eintracht 1949 weiter die Treue. © Benjamin Feller
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NOFV-Oberliga Nord: Trainer Patrick Hinze hat sich für weitere zwei Jahre an den RSV Eintracht 1949 gebunden und will mit seinem Team weiter für Furore sorgen.

Die Nachricht dürfte am Donnerstagnachmittag nicht wirklich viele Fußball-Anhänger in der Region überrascht haben: Chefcoach Patrick Hinze und sein Co-Trainer Jörg Miekley haben ihre im Sommer auslaufenden Verträge beim Oberligisten RSV Eintracht 1949 vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Warum der 34 Jahre alte Hinze frühzeitig für klare Verhältnisse sorgen wollte und aus seiner Sicht für das RSV-Team in der Oberliga nicht Schluss sein muss, hat der Inhaber der Trainer-A-Lizenz im SPORTBUZZER-Interview verraten.

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War die Verlängerung Ihrer Zusammenarbeit mit dem RSV Eintracht nach den Erfolgen der Vergangenheit nur Formsache, oder gab es zähe Verhandlungen, Herr Hinze?
Patrick Hinze: Das ging tatsächlich problemlos über die Bühne. Der Wunsch, sich frühzeitig zusammenzusetzen, kam von mir.

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Weil Sie bei der Eintracht alles haben, was Sie zu einem glücklichen Trainer-Dasein brauchen?
Es geht einfach um Planungssicherheit für alle Seiten. Für mich, den Verein und vor allem die Spieler. Die aktuellen Zeiten sind unsicher genug, da wollte ich ein Zeichen setzen.

Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten: Wie viele Angebote anderer Vereine hatten Sie seit 2017, als sie die RSV-Mannschaft in der Landesliga übernahmen und mit Ihrem Trainerteam in die Oberliga führten?
Es gab sicherlich die ein oder andere Anfrage. Aber es wurde nie so konkret, dass sich ein Abschied beim RSV wirklich abgezeichnet hätte.

Zumal Sie die Mannschaft, von der Sie einige Jungs schon in der B- und A-Jugend trainiert haben, sicher nicht beim erstbesten Angebot abgeben würden.
Natürlich sind wir sehr stolz auf das, was wir hier gemeinsam in den vergangenen Jahren geschafft haben. Wir hatten einen klaren Plan und haben den in die Tat umgesetzt. Da geht es aber nicht um meine Person. Die Mannschaft, das Trainerteam und der ganze Verein ziehen alle an einem Strang – nur so kann man wirklich etwas bewegen.

Sie reden dabei nicht nur von den sportlichen Erfolgen.
Genau. Mit diesen wachsen die Anforderungen an Infrastruktur und Kader. Da braucht es eine ganze Menge, um Schritt zu halten. Wir haben einen top Platz, ein neues Funktionsgebäude und im Frühjahr wird eine Sitzplatztribüne gebaut. Das sind Komponenten, die zur Attraktivität des Vereins beitragen.


In Bildern: RSV Eintracht unterliegt dem MSV Pampow.

Mit 0:3 unterliegen die Kicker des RSV Eintracht (weiße Trikots) dem MSV Pampow. Vor 140 Zuschauern waren die Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern das bessere Team und verdienten sich die drei Punkte. Zur Galerie
Mit 0:3 unterliegen die Kicker des RSV Eintracht (weiße Trikots) dem MSV Pampow. Vor 140 Zuschauern waren die Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern das bessere Team und verdienten sich die drei Punkte. © Benjamin Feller

Und es somit auch leichter machen, potenzielle Neuzugänge an die Stahnsdorfer Zillestraße zu locken. Nur mit Kickern aus dem eigenen Nachwuchs geht es in der Oberliga vermutlich nicht?
Der Sprung aus der Brandenburg- oder Regionalliga im A-Junioren-Bereich in die Oberliga der Männer ist natürlich brutal und ein anderer als vor ein paar Jahren in die Landesliga. Auch die Spieler, die mit uns den Weg von der Landesliga gegangen sind, stoßen jetzt ein Stück weit an Grenzen. Zudem ändern sich auch Dinge im privaten Bereich, sodass nicht alle den Weg immer weiter mitgehen können. Das ist aber völlig normal und auch in Ordnung.

Dennoch holten Sie im Sommer nur vier externe Neuzugänge. Bestätigt Sie Platz vier zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung in diesem Weg?
Wir haben trotz großer Verletzungssorgen gezeigt, dass wir in der Oberliga absolut konkurrenzfähig sind – aber halt nur, wenn wir in jedem Spiel mit der nötigen Einstellung und Überzeugung reingehen.

War das nicht immer so?
Nach nicht gewonnenen Spielen haben die Jungs oft in der Kabine gesessen und sich gedacht, dass sie eigentlich besser als der Gegner waren. Das bringt hinterher aber nichts mehr. Mir war da zu oft der Gedanke ,Das wird schon.’ dabei. In der Oberliga wird es aber eben nicht mehr so einfach. Die Spieler können marschieren, haben von uns einen Plan an die Hand bekommen, wie sie sich mit und ohne Ball verhalten sollen. Trotzdem müssen sie in jedem Spiel ihr Leben auf dem Platz lassen. So wie sie das zum Beispiel am zweiten Spieltag in Rostock gemacht haben. Da hab ich bei uns zum ersten Mal Spieler mit Krämpfen gesehen, nach dem zweiten Siegerbier im Bus haben alle gepennt – weil sie vorher alles gegeben haben.

Dürftige Vorstellungen wie das 2:2 gegen den BSC Süd 05 ärgern Sie wahrscheinlich umso mehr?
Nach so einem Spiel oder den Niederlagen gegen Stern 1900 und Pampow bin ich in der Videoanalyse schon auch mal lauter geworden.

16 Punkte aus neun Spielen sind im ersten Oberliga-Jahr des Vereins ja dennoch alles andere als schlecht.
Natürlich. Aber es hätten fünf, sechs Zähler mehr sein können. Wir hätten durchaus als Tabellenführer in die Pause gehen können.

Sie werden sich also auch nicht damit zufrieden geben, in den kommenden Jahren in der Oberliga um die goldene Ananas mitzuspielen.
Ich persönlich will immer mehr: In der Oberliga oben mitspielen, vielleicht mal in die Regionalliga aufsteigen. Jetzt geht es erstmal darum, sich in der Oberliga zu etablieren, die vielen Verletzten nach ihrer Rückkehr wieder zu integrieren und an den Plänen für die nächsten ein, zwei Jahre zu schmieden. Wir können weiter für Furore sorgen.

"Abpfiff" mit Patrick Hinze

Die Oberliga muss für den RSV nicht das Ende der Fahnenstange sein?
Ich glaube nicht. Wir sind in einer wirtschaftsstarken Region, die immer weiter wächst. In der Regionalliga müssten natürlich noch viel mehr Anforderungen erfüllt werden. Das geht wieder nur gemeinsam und mit der Unterstützung der Politik.

Es bleibt also spannend.
Definitiv. Ich träume zum Beispiel von einem großen Trainingsgelände für alle unsere Teams, die gerade auf verschiedenen Sportanlagen verteilt trainieren und spielen. Und warum soll nicht zum Beispiel hier in der Region mal ein Stadion für 6000 oder 7000 Zuschauer entstehen. Für den nächsten Schritt brauchen wir aber Politik und Wirtschaft.

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Wie lange sehen Sie sich noch als Bestandteil des RSV oder streben Sie persönlich ebenfalls nach Höherem.
Ich lebe im Hier und Jetzt und bin sehr froh, beim RSV so viel Vertrauen entgegengebracht zu bekommen – das ist alles andere als selbstverständlich. Alles weitere wird die Zukunft zeigen.

Einstieg als Nachwuchstrainer im Jahr 2013

Patrick Hinze, der als Aktiver selbst im Nachwuchs für Hertha BSC und Tennis Borussia Berlin auflief, begann seine Trainerlaufbahn 2013. Nachdem er seine eigene Karriere, in der er im Männerbereich auch das Trikot des Ludwigsfelder FC und des ZFC Meuselwitz trug, aufgrund anhaltender Knieprobleme früh beendete, übernahm er die B-Jugend-Mannschaft des RSV Eintracht 1949. Drei Saisons trainierte er von dort an bereits viele Kicker, die im jetzigen Oberligateam an Bord sind. Nach einem halben Jahr beim FC Hertha 03 Zehlendorf übernahm der heute 34-Jährige 2017 die erste Männermannschaft des RSV und führte sie von der Landes- in die Oberliga.