08. Januar 2021 / 10:00 Uhr

Wie die "Maulwürfe" aus einem verwilderten Areal ein Schmuckstück machten

Wie die "Maulwürfe" aus einem verwilderten Areal ein Schmuckstück machten

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Maulwürfe um Vorstandsvorsitzender Marvin Marienfeld (rechts) renovieren in Eigenregie ihre Anlage.
Die Maulwürfe um Vorstandsvorsitzender Marvin Marienfeld (rechts) renovieren in Eigenregie ihre Anlage. © Verein
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2018 hat der Verein mit dem ungewöhnlichen Namen Ruppiner SV Maulwürfe eine verfallene Fußballanlage im brandenburgischen Gühlen-Glienicke übernommen. Mit viel Eigenleistung entstand eines der schönsten Sportgelände der Region.

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Seit 2018 steht im Neuruppiner Ortsteil Gühlen-Glienicke, mitten in der Natur, ein echtes Schmuckkästchen. Gemeint ist die Anlage des Ruppiner Sportvereins (RSV) Maulwürfe, auf der die Fußballer ihren Trainings- und Spielbetrieb seit knapp zweieinhalb Jahren betreiben. Einst kickten die Spieler aus Gühlen-Glienicke und Rägelin an Ort und Stelle, verzogen sich aber längst in den Nachbarort. Danach verwilderte das Areal, ein Fußballplatz war nur zu erahnen. In Eigeninitiative und mit großer Hilfe der Stadt Neuruppin erfüllten sich die „Maulis“, die zuvor im Neuruppiner Volksparkstadion ihre Heimspiele austrugen, den Traum vom eigenen Vereinsgelände.

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Maulwürfe kommen aus dem Tiefbau

Der Ursprung des ungewöhnlichen Namens liegt in der Geschichte des Vereins, als im Jahr 1982 mit einer Fußball-Freizeitmannschaft die Betriebssportgemeinschaft Tiefbau Neuruppin gegründet wurde. 1990 wurde daraus ein eingetragener Verein mit dem Namen Ruppiner Sportverein Maulwürfe. Seither graben sich die „Maulis“ durch den Fußballkreis.

Der Platz der Maulwürfe liegt mitten in der Natur.
Der Platz der Maulwürfe liegt mitten in der Natur. © Verein

„Damit haben wir alles richtig gemacht, es hat sich gelohnt und diesen Schritt bereut wirklich niemand“, sagt Marvin Marienfeld. Der 35-Jährige hat seit gut einem Jahr den Vorsitz inne – noch immer kommissarisch: „Sofern es in der Corona-Pandemie möglich ist, wollen wir in diesem Jahr eine Mitgliederversammlung einberufen.“ Dann will sich der gelernte Koch, der mittlerweile im Getränkehandel tätig ist, im Amt bestätigen lassen.



Grundsätzlich befindet sich der Mehrspartenverein – der RSV bietet neben Fußball auch Tischtennis und Volleyball an – mit seinen 80 Mitgliedern auf Kurs. Im Corona-Jahr 2020 lief aber auch bei den Maulwürfen nicht alles nach Plan. Neben der Feier zum 30. Vereinsjubiläum, die der Pandemie zum Opfer fiel, konnten auch gemeinschaftliche Projekte und geplante Arbeitseinsätze nicht umgesetzt werden.

Nächstes Projekt: Ersatzbänke

„Dafür, dass hier vor ein paar Jahren nur grüne Wiese zu sehen war, haben wir mittlerweile eine der schönsten Sportanlagen in Ostprignitz-Ruppin“, sagt Marvin Marienfeld voller Stolz. Ein schickes Vereinsheim, ein Fußballplatz mit Ballfanganlage, neue Tore, Equipment zur Platzpflege und ein Trainingsplatz mit Flutlichtanlage wurde geschaffen – der „Maulwurfshügel“, wie der RSV seine Heimstätte liebevoll nennt, macht mächtig was her. Und doch fällt in den Kreisliga-Duellen, wenn das Team von Trainer Paul Damrow Gastgeber ist, auf, dass etwas fehlt: Auswechselbänke. „Oder kleine Häuschen“, verrät Marienfeld, „diese wollten wir 2020 in Arbeitseinsätzen herstellen, aber Corona grätschte dazwischen. Wir wollen uns und die Gäste im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr im Regen stehen lassen, sondern das nächste Häkchen machen.“

Zumal man mit jener Neuanschaffung auch in die Zukunft denkt. „Wir wollen das Männerteam so lange wie möglich im Spielbetrieb halten, der Altersdurchschnitt ist aber ziemlich hoch. Tatsächlich gibt es aber aktuell einen Baby-Boom innerhalb des Vereins, mehrere Spieler haben in den letzten Jahren Nachwuchs bekommen“, sagt der Vorsitzende, der selbst noch die Töppen schnürt, mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Gut möglich, dass der zweijährige Sohn Mailo alsbald Bestandteil der geplanten Bambini-Truppe sein wird.

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Bis die Kids im Männerbereich auf Punktejagd gehen, dauert es aber noch fast zwei Jahrzehnte. „Deswegen halten wir immer Ausschau und finden auch Lösungen“, sagt Marvin Marienfeld. Zur RSV-Truppe, die zum Teil seit 20 Jahren in dieser Konstellation zusammenspielt, gesellen sich immer wieder neue Gesichter – ob Studenten aus den Ruppiner Kliniken oder Geflüchtete, die in der Fontanestadt nicht nur eine neue Heimat, sondern bei den Maulwürfen sogar eine neue Familie gefunden haben.

„Die Integration klappt, das wollen wir weiter fördern“, sagt Marienfeld, der für seine Fußballkumpels spricht, wenn er betont: „Wir wollen einfach nur auf den Platz zurück.“ Am liebsten mit neuen Auswechselbänken an der Seitenlinie.