15. Februar 2021 / 11:01 Uhr

Sachsen streicht Fördermittel für die Integration von Flüchtlingen im Sport

Sachsen streicht Fördermittel für die Integration von Flüchtlingen im Sport

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Der SV Lindenau arbeitet seit vielen Jahren mit Flüchtlingskindern.
Der SV Lindenau arbeitet seit vielen Jahren mit Flüchtlingskindern. © Regina Katzer
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500.000 Euro stellte der Freistaat Sachsen bisher für das Programm "Förderung der Integration von Flüchtlingen durch Sport" zur Verfügung. Diese Mittel wird es künftig nicht mehr geben. Der Landessportbund schlägt Alarm.

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Leipzig. Sachsen streicht die Fördermittel für die Integration von Flüchtlingen im Sport (FIF), und zwar komplett. Kurz vor Weihnachten erhielt der Landessportbund Sachsen auf Nachfrage aus Dresden die Information, dass im kommenden Doppelhaushalt 2021/22 keine Mittel mehr für das Programm zur Verfügung stehen. „Geschockt“ war man über die Aussage, so Marko Arsenijevic, der kommissarische Projektleiter gegenüber dem SPORTBUZZER.

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Konkrete Willkommenskultur

Seit 2015 existiert das FIF, finanziert vom Sächsischen Staatsministerium des Inneren. Durch die finanzielle Ausstattung von jährlich 500.000 Euro wurden bisher 13 Kreis- und Stadtsportbünde unterstützt. Sie beschäftigen Integrationslotsen, die als erste Ansprechpartner Sportvereine beraten und begleiten, wenn es um das immer noch sehr aktuelle Thema "Integration durch Sport" geht. Außerdem werden jährlich Sportvereine als Leuchttürme der Integrationsarbeit sowie Veranstaltungen mit integrativem Bezug unterstützt.

Ziel des Programms ist es, Menschen mit Migrationshintergrund nachhaltig in die Gesellschaft einzubinden. Das bedeutet konkrete Willkommenskultur, die Fremdenfeindlichkeit abbaut. Beides stellen keine auf den Sport allein bezogenen wichtigen Aspekte dar. Vielmehr wirken sollen die Netzwerke vom Sport aus in die Gesellschaft hinein wirken. Laut Marko Arsenijevic wurden „nachhaltige Integrationsstrukturen“ geschaffen.

Lange Liste negativer Folgen

Seit 2015 arbeitet eine Person beim Landessportbund, die hauptamtlich das Programm koordiniert, sich um die Qualifizierung und Vernetzung der Integrationslotsen kümmert, sich mit dem Innenministerium austauscht und die Verwaltungsarbeit bewältigt. Gemeinsam mit dem Bundesprogramm „Integration durch Sport“ konnten sächsische Sportvereine „in besonderem Maße ideell, materiell und finanziell gefördert werden.“

Was seit fünf Jahren im Freistaat entstanden ist, droht mit der ersatzlosen Streichung der Gelder wegzufallen. Welche konkreten Folgen drohen? Die Punkte, die Arsenijevic benennt, führen zu einer langen Liste. Neben den Stellen für die Integrationslotsen fallen über 3700 Beratungsstunden ebenso weg wie die Netzwerke mit Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften, Paritätischen Wohlfahrtsverbänden, Schulen, Migrationsdiensten, Kommunen. Die 20 Stützpunktvereine erhalten keine Förderung mehr und Veranstaltungen fallen aus.

Die geplante Null im Haushaltsplan, der im Mai beschlossen werden soll, suggeriert, dass die interkulturelle Öffnung des Sports in sächsischen Sportvereinen erfolgreich abgeschlossen ist, eine fatale Fehleinschätzung in Dresden, die es dringend zu überarbeiten gilt. Gemäß dem Motto: „Mit Fairplay Vielfalt verbinden“.