09. April 2021 / 07:52 Uhr

SC DHfK Leipzigs Ex-Spieler Franz Semper arbeitet am Comeback: "Tokio wird auf jeden Fall nichts mehr"

SC DHfK Leipzigs Ex-Spieler Franz Semper arbeitet am Comeback: "Tokio wird auf jeden Fall nichts mehr"

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Nach seinem Kreuzbandriss kämpft sich Flensburgs Franz Semper wieder zurück. Für Tokio 2021 reicht es für den Bornaer, der beim SC DHfK Leipzig groß wurde, aber nicht.
Nach seinem Kreuzbandriss kämpft sich Flensburgs Franz Semper wieder zurück. Für Tokio 2021 reicht es für den Bornaer, der beim SC DHfK Leipzig groß wurde, aber nicht. © imago images/Beautiful Sports
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Nach seinem Kreuzbandriss vor knapp vier Monaten kämpft sich Franz Semper von der SG Flensburg- Handewitt langsam zurück - für Tokio 2021 reicht es allerdings noch nicht. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 23-Jährige über geplatzte Olympiaträume, die Reha und das Potenzial des SC DHfK Leipzig.

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Flensburg/Leipzig. Krafttraining und Physiotherapie bestimmen derzeit den Alltag von Franz Semper. Der 23-jährige Handballer von der SG Flensburg-Handewitt hatte sich im Dezember einen Kreuzbandriss zugezogen und arbeitet nun an seinen Comeback. Im SPORTBUZZER-Interview sprach der Ex-Leipziger über geplatzte Olympia-Träume, neue Trainingsmethoden und die Reha in der Messestadt.

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SPORTBUZZER: Sie spielen seit Sommer 2020 für Flensburg, haben sich in der Stadt und in der Mannschaft inzwischen eingelebt. Nach Ihren Kreuzbandriss im Dezember haben Sie sich aber in der Leipziger Heimat behandeln lassen. Wie kam es dazu? 

Semper: Pierre Hepp, der Mannschaftsarzt vom SC DHfK, ist ein absoluter Knie-Experte, mit dem ich in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Deshalb habe ich angefragt, ob ich mich am Leipziger Uniklinikum operieren lassen kann. Auch persönlich verstehe ich mich gut mit ihm – da hat einfach alles zusammengepasst. Nach der OP konnte ich Zuhause ein bisschen gepflegt werden, da man natürlich auch im Alltag zunächst stark eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen ist.

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Auch die Reha haben Sie noch in Leipzig begonnen. Wie kann man sich den Alltag vorstellen?

Ich war insgesamt bis Ende Februar in Leipzig. Die erste Zeit war ich noch auf Krücken unterwegs und wurde vor allem physiotherapeutisch behandelt. Mein Bein konnte ich am Anfang gar nicht belasten. Um nicht völlig aus dem Training zu kommen, konnte ich immerhin ein bisschen Oberkörper-Krafttraining machen. Das haben wir dann nach und nach gesteigert und Trainingsmethoden integriert, die das Knie wenig belasten.

Seitdem ist ein weiterer Monat vergangen. Wie weit sind Sie inzwischen?

Mir geht es immer besser. Ich merke, dass ich von Woche zu Woche mehr trainieren kann. Natürlich gibt es aber immer noch Übungen, bei denen ich merke, dass ich noch viel vor mir habe.

Ist ein Wiedereinstieg in das Mannschaftstraining schon absehbar?

Wann ich zurück ins Handballtraining starten kann, steht noch nicht fest. Wir müssen jetzt genau beobachten, wie das Knie auf zunehmende Lauf-Belastung reagiert.

Durch den Kreuzbandriss haben Sie auch die WM in Ägypten verpasst. Ist ein Comeback in die Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen denkbar?  

Nein, Tokio wird auf jeden Fall nichts mehr. Sollte ich bis dahin wieder komplett fit sein, hätte ich trotzdem bis zu neun Monate kein Handball gespielt. Dann ein Turnier mit einer solchen Belastung zu spielen, würde für mich einfach keinen Sinn machen.

Die Belastung in Flensburg ist im Liga-Alltag auch ziemlich groß. Welche Unterschiede sind Ihnen im Vergleich zu Leipzig aufgefallen?

In Leipzig gab es fast immer eine klassische Trainingswoche. Es wurden Schwerpunkte gesetzt, die von Woche zu Woche variierten. In Flensburg geht es nach dem Spiel um die Regeneration und dann wird der Blick sofort auf die Taktik für das nächste Spiel gelegt. Für unterschiedliche Trainingsbereiche ist fast keine Zeit, da noch mehr Spiele anstehen.

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Man erwartet also bereits komplette Spieler in Flensburg?

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Das Training ist hier zumindest nicht mehr auf eine solche Ausbildung der Spieler ausgelegt wie in Leipzig. Dafür wird man hier in den Spielen und auch im Training mehr gefordert und kann sich so immer weiter steigern. Jede Trainingseinheit ist eine Herausforderung, denn man muss in jeder Einheit ans Leistungslimit gehen, weil man einfach so qualitativ hochwertige Mitspieler in der Mannschaft hat. Eine Weiterentwicklung durch jede Trainingseinheit kommt dann ganz automatisch.

Sie sind über Borna und Leipzig nach Flensburg gekommen. Auf welcher der Stationen haben Sie sich am meisten entwickelt?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe überall viel dazugelernt und jeder Trainer hat mich auf seine Art und Weise geprägt. In Borna hat mich mein Jugendtrainer immer mit nach Leipzig genommen, mich unglaublich unterstützt und gefördert. Beim DHfK war André Haber lange mein Jugendcoach, unter dem ich viel lernen konnte, bevor mich Christian Prokop in die Männermannschaft hochgeholt hat. Unter ihm habe ich die meiste Zeit gespielt und trainiert. Die drei haben sicherlich die größten Einflüsse gehabt, aber auch meine Profiltrainer aus der Schule haben mich geprägt.

Das neueste Ziel der Leipziger ist es, in den kommenden Jahren auf europäischer Ebene zu spielen. Glauben Sie, das ist realistisch?

Ja, ich denke schon. Das Potenzial dafür ist vorhanden, die Entwicklung des Vereins ist bemerkenswert. In ein paar Jahren ist das für den DHfK sicherlich möglich.