28. Februar 2021 / 19:54 Uhr

SC Potsdam verliert Pokalfinale gegen Schwerin klar

SC Potsdam verliert Pokalfinale gegen Schwerin klar

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Potsdams Kelsey Veltman (l.) und Brittany Abercrombie (M.) hatten Schwerin um Angreiferin Lina Alsmeier wenig entgegenzusetzen.
Potsdams Kelsey Veltman (l.) und Brittany Abercrombie (M.) hatten Schwerin um Angreiferin Lina Alsmeier wenig entgegenzusetzen. © Uwe Anspach/dpa
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Flau im Finale: Beim 0:3 gegen den Schweriner SC verpassen die Potsdamer Volleyballerinnen den erhofften Pokaltriumph deutlich. "Wir haben nicht in unseren Rhythmus gefunden", hadert Laura Emonts.

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Lindsey Ruddins fiel zu Boden, der Volleyball folgte ihr vom Netz aus in die eigene Spielhälfte. Ein Fehlangriff der sonst so starken Angreiferin des SC Potsdam besiegelte am Sonntag die bittere Niederlage im Finale des DVV-Pokals und hatte durchaus Symbolcharakter.

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Bei dem 0:3 (19:25, 13:25, 18:25) gegen den nunmehr siebenfachen Cupsieger Schweriner SC gelang es den Brandenburgerinnen nicht, die eigenen zuletzt gewohnten Qualitäten auf das Feld in Mannheim zu bringen. „Schade, das war leider zu keinem Zeitpunkt das, was wir können“, sagte SCP-Sportdirektor Toni Rieger nach der Partie. „Wir haben nicht in unseren Rhythmus gefunden“, haderte Laura Emonts im Interview bei Sport1.

Die Pokalsiegerinnen: Schwerins Team jubelt über den Sieg gegen den SC Potsdam.
Die Pokalsiegerinnen: Schwerins Team jubelt über den Sieg gegen den SC Potsdam. © Foto: Uwe Anspach/dpa

Die erste Endspielteilnahme der Vereinsgeschichte sollte für alle beim SCP ein Genussmoment werden, wie im Vorfeld stets betont wurde. Doch vergnüglich gestaltete sich der Nachmittag in der SAP-Arena dann nicht. Bei allen drei Sätzen handelte sich das Team von Cheftrainer Guillermo Naranjo Hernandez schnell deutliche Rückstände ein, schaffte keine einzige Führung im Spiel.

Den Finaldebütantinnen war die Nervosität auf der ganz großen – wenngleich auch coronabedingt zuschauerleeren – Bühne anzumerken. Emonts, 29 Jahre alt und schon Meisterin in Tschechien sowie Griechenland, ist eine der wenigen im SCP-Tross, die einen Titelkampf schon auf ganzer Linie miterlebt hat. Sie erwies sich letztlich auch als beste Potsdamerin, erzielte wie Ruddins zehn Punkte, wofür sie jedoch deutlich weniger Versuche benötigte. Brittany Abercrombie kam auf neun Zähler.

Insgesamt punktete der SCP zu wenig. Auch wegen der Unsicherheit auf der Zuspielposition. Ana Tiemi Takagui begann als Schaltzentrale der Potsdamer Offensive. Die Brasilianerin hatte aus persönlichen Gründen bereits Ende vorigen Jahres um die Auflösung ihres Vertrages gebeten – auf eine Aufhebung der Zusammenarbeit einigten sich die Spielerin und der Verein jedoch erst zum heutigen Montag. Denn: Weil die im Januar nachverpflichtete Jennifer Nogueras für das Pokalfinale nicht einsatzberechtigt war, sollte Takagui bis zum Duell von Mannheim bleiben.

Allerdings spielte die 33-Jährige seit neun Wochen gar nicht oder nur ganz kurz. Stattdessen kämpfte sich die Hernandez-Truppe mit Nogueras aus einer Serie von vier Niederlagen zurück in die Erfolgsspur und immerhin wieder auf Tabellenplatz vier der Bundesliga.

SC Potsdam: Kader 2020/21 in der Frauenvolleyball-Bundesliga

Das SCP-Team für die Saison 2020/21. Zur Galerie
Das SCP-Team für die Saison 2020/21. © Kathleen Friedrich/SC Potsdam

Beim Cup-Endspiel musste nun zwangsweise wieder gewechselt werden. Doch die international erfahrene Takagui bewies kein gutes Händchen. Die SCP-Offensive stockte. Bei nur rund 20 Prozent lag anfangs die Erfolgsquote der Potsdamer Angriffe, Schwerins war doppelt so hoch.

Die Diskussion, ob Takagui in den vergangenen Ligaspielen zur Vorbereitung mehr Einsatzzeiten hätte bekommen müssen, hielt Rieger für unnötig: „Wir haben das Training gesehen und wollten lieber mit Jennifer im Zuspiel das Team-Niveau durchweg hochhalten. Das war aus unserer Sicht die richtige Entscheidung, denn die Mannschaft hatte so Selbstvertrauen gesammelt und sich gut entwickelt. Jetzt mussten wir in der neuen Konstellation einfach durch – und es hat nicht gut geklappt.“

Beim Stand von 12:22 im ersten Satz tauschte Hernandez von Takagui auf Lindsay Flory. Anschließend verbesserte sich die Mannschaft, sammelte noch etliche Punkte und wehrte fünf Satzbälle ab.

Diesen Schwung nahm der SCP jedoch nicht mit in den zweiten Durchgang. Flory, die den Rest der Partie auf der Platte blieb, agierte solide, aber eben auch nicht auf dem Level, das in den Vorwochen mit Nogueras erreicht worden war. Als „schwer“ bezeichnete Emonts später die Umstände im Zuspiel. Daran habe es aber am Ende nicht gelegen, fügte sie hinzu. Schließlich hakte es auch in anderen Bereichen. Hoher Aufschlagdruck und starke Blockabwehr, Fähigkeiten, die Potsdam in der bisherigen Saison eigentlich auszeichneten, fehlten zumeist.

Auf der anderen Netzseite überzeugte der Deutsche Rekordmeister aus Mecklenburg-Vorpommern. Zuspielerin Denise Imoudu, die im vorigen Sommer nach insgesamt drei Jahren beim SCP zum SSC gewechselt war, lobte, das alles geklappt habe, was man sich vorgenommen habe. Schwerins Routine setzte sich durch. Und zwar klar.

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Nachdem die vorherigen vier Ligaduelle zwischen beiden Clubs allesamt über die Maximaldauer von fünf Sätzen gegangen waren, gab es dieses Mal einen Schnelldurchlauf. Emonts attestierte dem Gegner eine starke Annahme und Block-Feld-Abwehr. Außerdem passte es im Angriff, wo Lauren Barfield mit 14 Punkten und hoher Effizienz sowie Lina Alsmeier (12) und Hayley Spelman besonders auffällig waren. Auch Imoudu (4) zeigte eine starke Leistung.

Trotz der flauen Vorstellung im Finale hob SCP-Sportdirektor Rieger den bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte durch den Endspieleinzug hervor. „Wir dürfen stolz sein, dabei gewesen zu sein“, sagte er und kündigte zugleich an: „Wir werden weiter angreifen.“ Schon in der aktuellen Bundesligasaison. Dann wieder mit Nogueras als Zuspielerin erster Wahl.