04. April 2021 / 19:06 Uhr

Schiedsrichter-Assistent über das kaputte Netz bei RB Leipzig gegen Bayern: "Hat mich sofort an das Phantom-Tor in Hoffenheim erinnert"

Schiedsrichter-Assistent über das kaputte Netz bei RB Leipzig gegen Bayern: "Hat mich sofort an das Phantom-Tor in Hoffenheim erinnert"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Manuel Neuer (l.) versuchte das Loch im Tornetz mit seinem Handtuch zu flicken, das ließ Assistent Lasse Koslowski nicht durchgehen.
Manuel Neuer (l.) versuchte das Loch im Tornetz mit seinem Handtuch zu flicken, das ließ Assistent Lasse Koslowski nicht durchgehen. © Getty Images
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Der Brandenburger Jan Seidel stand am Samstag beim Topspiel zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München an der Linie und spricht im Interview über die kuriose Szene.

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Schon vor dem Anpfiff zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München, das 0:1 endete, gab es eine Aufreger-Szene: Bei der Kontrolle des Netzes fiel Schiedsrichter-Assistent Lasse Koslowski ein Loch im Tornetz auf, das Bayern-Keeper Manuel Neuer mit seinem Handtuch flicken wollte. Der Brandenburger Jan Seidel aus Schwante, der zweite Assistent beim Topspiel, spricht im SPORTBUZZER-Interview über die kuriose Szene, den mentalen Druck eines Spitzenspiels und mehr verbrannte Kalorien als bei sonstigen Spielen.

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SPORTBUZZER: Herr Seidel, was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihr Schiedsrichter-Assistenten-Kollege Lasse Koslowski durchs Headset durchgesagt hat, dass ein Loch im Netz ist?

Jan Seidel: Das war schon sehr kurios und es hat mich sofort an das Phantom-Tor in Hoffenheim erinnert. Deshalb war es auch wichtig, dass es geflickt wurde.



Warum wird das Netz erst kurz vor Anpfiff kontrolliert und nicht schon vorher, um Verzögerungen zu vermeiden?

Wir kontrollieren das Netz zweimal, einmal bei der Platzbegehung vor dem Warmmachen und dann noch einmal vor dem Anstoß, um zu kontrollieren, ob nicht jemand ein Loch ins Netz geschossen hat - das muss dieses Mal passiert sein.

Haben Sie selbst auch schon einmal ein Loch entdeckt?

Ja, aber das war nicht so groß, dass ein Ball durchgepasst hätte, so wie es jetzt in Leipzig war. Und dieses Mal war es auch noch genau an einer Stelle, wo man von der Seite beispielsweise den Ball hätte durchköpfen können.

Bayern-Torwart Manuel Neuer hat das Netz gleich mit seinem Handtuch geflickt, Ihr Kollege hat das aber nicht durchgehen lassen, warum?

Man kann ja nicht ausschließen, dass er während des Spiels vergisst, dass es das Loch gibt und sich mit dem Handtuch dann den Schweiß oder die Handschuhe abwischt und das Loch wieder offen ist. Deshalb waren die Kabelbinder die sicherere Lösung.

War die Verspätung von rund drei Minuten ein Problem?

Es war zum Glück kein K.o.-Runden-Spiel, wo es beispielsweise Parallelspiele gibt und es wichtig ist, dass die Partien gleichzeitig angepfiffen werden. Aber der Kollege von Sky war nicht so begeistert, als ich ihm gesagt habe, was das Problem ist (lacht).

Hat sich der Schiedsrichter-Beobachter zu der Szene geäußert?

Nein, das war gar keine Erwähnung wert, weil wir ja alles richtig gemacht hatten. Es wäre ein Fehler gewesen, das Spiel einfach anzupfeifen.

Jan Seidel (r.) assistierte am Sonnabend beim Bundesliga-Kracher.
Schiedsrichter Jan Seidel (r.) war mit Daniel Siewert (M.) und Lasse Koslowski schon im Hinspiel in der Allianz-Arena im Einsatz. © privat

Wie hat er Ihre Leistung insgesamt eingeschätzt?

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Die Schiedsrichter-Kommission hat sich telefonisch gemeldet und waren beide sehr zufrieden. Sie haben uns ein Lob ausgesprochen und waren auch erleichtert, dass es in so einem wichtigen Spiel keine strittige Szene gab. Und für uns war es eine große Ehre, nach dem Hinspiel nun auch das Rückspiel bekommen zu haben, das war eigentlich nicht zu erwarten.

Wie groß ist der Druck für Sie bei so einem Topspiel?

Es war sehr anstrengend, ich war mental richtig platt. Man hat schon sehr viel Druck verspürt, weil die mediale Aufmerksamkeit sehr groß war und es sportlich ja eine Vorentscheidung in der Meisterschaft geben konnte. Wir hatten auch allerhand zu tun, insgesamt gab es elf Abseitsentscheidungen, bei denen wir zum Glück immer richtig lagen und auch Daniel (Siebert, Schiedsrichter, d. Red.) hat einen Super-Job gemacht. Wir wissen auch, dass wir mit einem Fehler in so einem Spiel eine ganze Saison kaputt machen können - sowohl für die Mannschaften, als auch für uns. Und gerade, weil die beiden Mannschaften so hoch verteidigen, ist es auch körperlich ein anstrengendes Spiel gewesen.

Inwiefern?

Beide Teams verteidigen fast schon am Mittelkreis, wenn dann ein Ball in die Spitze kommt, dann müssen auch wir im Vollsprint hinterher, so ging es fast das ganze Spiel. Normalerweise laufe ich zwei bis drei Kilometer in einer Halbzeit, gestern waren es dreieinhalb pro Halbzeit. Mit dem Aufwärmen hatte ich am Ende neun Kilometer auf der Uhr, statt 1100 Kalorien habe ich 1300 verbrannt.

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