27. September 2021 / 16:38 Uhr

Wirbel um Dahoud-Rot: Rafati schlägt engere Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichtern und Klubs vor

Wirbel um Dahoud-Rot: Rafati schlägt engere Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichtern und Klubs vor

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Babak Rafati (links) bewertet die Entscheidung von Deniz Aytekin.
Babak Rafati (links) bewertet die Entscheidung von Deniz Aytekin. © IMAGO/Laci Perenyi/Noah Wedel (Montage)
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Es war die Szene des Spieltags: Schiedsrichter Deniz Aytekin schickt BVB-Profi Mahmoud Dahoud bereits in der ersten Hälfte mit Gelb-Rot vom Platz. Und das nach einer abfälligen Geste des Nationalspielers. Ex-Referee und SPORTBUZZER-Kolumnist Babak Rafati ordnet die Vorgänge ein.

Die Gelb-Rote Karte für Mahmoud Dahoud im Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund (1:0) sorgte für hitzige Diskussionen. Schiedsrichter Deniz Aytekin musste jede Menge Kritik einstecken. Besonders deutliche Worte fanden BVB-Sportdirektor Michael Zorc und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Aytekin hatte den Platzverweis für den 25-jährigen Dahoud, der nach einem Pfiff eine abfällige Geste gemacht hatte, damit begründet, "ein Zeichen" setzen zu wollen. Ex-Bundesliga-Referee Babak Rafati schätzt im Gespräch mit dem SPORTBUZZER die Situation ein.

Das Regelwerk sieht für Abwinken zwar eine Gelbe Karte vor, in Dahouds Fall hält Rafati Aytekins Entscheidung aber für zu hart - zumal zum Zeitpunkt des Platzverweises erst 40 Minuten gespielt waren. "Die Schiedsrichter stehen unter Druck und Zugzwang, wenn es zu so einer Aktion kommt. Aber es muss einfach viel mehr mit der Persönlichkeit gearbeitet werden. Das habe auch ich in meiner aktiven Zeit verpasst, weil ich eher böse geguckt habe. Man darf nicht nur streng nach den Regeln pfeifen", sagt Rafati, der den Handlungsspielraum jedem Schiedsrichter selbst überlassen möchte.

Rafati macht Vorschlag für mehr Akzeptanz

Die Unparteiischen fordern mehr Respekt ein, setzen dafür aber "nicht die richtigen Mittel" ein, meint Rafati. Er betont: "Man muss weg von dieser Unnahbarkeit und auf Augenhöhe zusammenkommen und die menschliche Nähe suchen. Vielleicht wäre es gut, die Schiedsrichter einmal pro Woche zu einer Trainingseinheit der Profis zu schicken. Dann können sie ihre Entscheidungen etwas erklären und kommen näher an die Vereine ran. Das schafft Akzeptanz. Wir würden solche Diskussionen dann vielleicht gar nicht mehr führen."

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BVB-Sportdirektor Zorc hatte in der Bild erklärt, dass ihm bei Aytekins Entscheidung die Verhältnismäßigkeit gefehlt habe. "Ich mag Deniz Aytekin und halte ihn grundsätzlich für einen sehr guten Schiedsrichter, aber in Gladbach hat er einfach einen schlechten Tag erwischt", sagte er. Der Dortmunder Geschäftsführer Watzke hatte kritisiert, Aytekin habe durch seine Gestik und Mimik zusätzlich Hektik in die Partie gebracht und sei "wie ein Kapellmeister" aufgetreten.