12. Januar 2021 / 17:35 Uhr

Schiedsrichter Michael Wendorf über Welttrainer: „Klopp war immer gelb-gefährdet“

Schiedsrichter Michael Wendorf über Welttrainer: „Klopp war immer gelb-gefährdet“

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Aus 2.Bundesliga Saison 1998/1999 Hannover 96 Rot gegen den 1. FSV Mainz 05 3:2 am 04.04.1999 im Niedersachsenstadion. Im Foto: Begrüssung. Mainz Kpt. Jürgen Klopp 4 und Han96 Kpt. Jens Rasiejewski sowie Schiri Michael Wendorf mit Assi Kalus-Dieter Voigt und Bernd Reck. Li. mit 19 Gustav Policella *** From 2 Bundesliga season 1998 1999 Hannover 96 Red against 1 FSV Mainz 05 3 2 on 04 04 1999 in the Niedersachsenstadion In the photo welcome Mainz Kpt Jürgen Klopp 4 and Han96 Kpt Jens Rasiejewski as well as referee Michael Wendorf with Assi Kalus Dieter Voigt and Bernd Reck Li with 19 Gustav Policella
Schiedsrichter Michael Wendorf (Mitte) pfiff etliche Partien in der 2. Bundesliga, darunter auch Spiele mit dem Mainzer Jürgen Klopp (Nummer 4). © Imago
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Fußballkreis Oberhavel/Barnim: Schiedsrichter Michael Wendorf von Fortuna Grüneberg erinnert sich an Begegnungen mit dem Welttrainer Jürgen Klopp zurück. Nach seiner Laufbahn bis hoch zur 2. Bundesliga pfeift der heute 51Jahre alte Polizist immer noch in der Brandenburger Landesliga.

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie ruht der Fußballspielbetrieb auf Landes- und Kreisebene. Somit hat auch Schiedsrichter Michael Wendorf in diesen Tagen etwas mehr Freizeit. Die nutzt der gebürtige Zehdenicker gerne dafür, um in seinem persönlichen Archiv zu kramen und zu schauen, in welchen Partien er einst aktiv war. Denn immerhin pfiff der heute 51 Jahre alte Schiedsrichter sogar in der 2. Bundesliga und konnte nun einen ganz besonderen Spielberichtsbogen aus dieser Zeit ausfindig machen.

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In der Spielzeit 1998/99 pfiff der Polizist im deutschen Fußball-Unterhaus am Ostersonntag 1999 die Partie zwischen Hannover 96 und dem 1. FSV Mainz 05. Am Ende mit dem besseren Ende für die Hannoveraner, die das Match mit 3:2 gewannen. Damals stand in Reihen der Mainzer der heutige Liverpool-Coach Jürgen Klopp auf dem Feld. „Ich bin schon stolz darauf, solche Spielberichtsbögen zu zeigen und andere daran teilhaben zu lassen“, so der im Havelland lebende Wendorf, der ein Foto des Dokuments bei Facebook teilte. „Ich kann mich noch erinnern, dass Jürgen Klopp als Abwehrspieler immer gelb-gefährdet war. Ich habe ihm in diesem Spiel aber keine Karte geben müssen.“ Es war nicht die einzige Partie, in der sich der Unparteiische und Spieler Klopp trafen.

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Doch nicht nur der Liverpooler Meistercoach von 2020 und Fifa-Welttrainer musste auf die Pfiffe von Wendorf hören. In diesem Match im April 1999 wirkten etwa auch Gerald Asamoah, Sebastian Kehl oder Dieter Hecking mit. „Die Partie ist ja schon einige Jahr her, da kann ich mich nicht mehr an jedes Detail erinnern“, so der Unparteiische, der heute noch vor allem an seine zweite Saison in der 2. Bundesliga zurückdenkt. Dort durfte Michael Wendorf das Spitzenspiel zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt leiten. „Das war ein Highlight“, so der Schiedsrichter. „Es gab kritische Stimmen, dass mir als Neuling das Spiel doch noch weggenommen werden sollte. Doch Manfred Amerell hatte sich für mich stark gemacht, dass ich das Spiel leiten durfte.“ Am Ende mit Erfolg und abgeklärter Leistung.

Dieses Spielformular fand sich noch im persönlichen Archiv von Michael Wendorf. Darauf eingetragen unter anderen: Jürgen Klopp, Sebastian Kehl und Gerald Asamoah.
Dieses Spielformular fand sich noch im persönlichen Archiv von Michael Wendorf. Darauf eingetragen unter anderen: Jürgen Klopp, Sebastian Kehl und Gerald Asamoah. © Privat

Der Referee, der seit 2007 für Fortuna Grüneberg pfeift, zeigte damals eine souveräne Vorstellung und erhielt in einer späteren Auswertung der Partie 47 von möglichen 50 Punkten. Doch trotz seiner starken Auftritte auf dem Feld blieb dem Schiri ein Einsatz in der 1. Bundesliga verwehrt. Die Gründe sind ihm nach wie vor unklar. „Ich war auch angefressen, dass ich trotz super Bewertungen nie die Chance auf die Bundesliga erhielt. Demnach zog ich dann meine Konsequenzen, denn der Aufwand war riesengroß und es war schwer, Familie, Beruf und das Schiedsrichterwesen unter einen Hut zu bekommen. Ein Hobby war das nicht mehr und Geld ist nicht alles. Leider haben das damals nicht alle verstanden“, erklärte Wendorf einmal.

Wendorf: "Geld und Karriere sind nicht alles"

An seiner Einstellung dazu hat sich bis heute nichts geändert. „Geld und Karriere sind nicht alles. Die Fußballwelt ist am Ende zu oberflächlich“, findet Wendorf, der heute altersbedingt nur noch bis zur Landesliga pfeifen darf. Dies macht der Polizist, der bis vor drei Jahren noch in der Brandenburgliga amtierte, mit Freude und Eifer. Vor 13 Jahren hatte er sich den Grünebergern angeschlossen, die damals Probleme hatten, das Schiedsrichter-Soll zu erfüllen. Wendorf war zur Stelle, half den Fortunen und ist bis heute geblieben. „Ich habe Kontakt zum Vereinsvorsitzenden und wir tauschen uns regelmäßig zu verschiedenen Themen aus“, so der Mann mit der Pfeife, der sich zusätzlich ehrenamtlich im Fußballkreis Oberhavel/Barnim engagiert und im Schiedsrichter-Ausschuss als Schriftführer aktiv ist.

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Michael Wendorf vor der Leitung seines letzten Brandenburgliga-Spiels in Sachsenhausen. © Robert Roeske

Viel lieber steht Wendorf aber auf dem Platz und leitet Spiele. „Mir ist das Wurst, in welcher Spielklasse ich pfeife. Egal, ob für den Nachwuchs oder bei den Profis. Wenn man als Schiedsrichter eine Spielleitung annimmt, muss man seine beste Leistung zeigen“, so der 51-Jährige, der sich auf eine baldige Rückkehr auf den Rasen nach dem Lockdown freut. Doch bis dahin gilt es, die Zeit so gut es geht zu nutzen. Für Michael Wendorf stehen aktuell vor allem Radfahren und Wandern hoch im Kurs. Oder eben auch das Schwelgen in vergangenen Schiedsrichter-Erlebnissen. Keine schlechte Alternative in dieser fußballfreien Zeit für die Amateure.