05. Dezember 2021 / 11:39 Uhr

Ex-Schiri Rafati über Ärger um Zwayer: "Er wird den BVB mindestens ein, zwei Jahre nicht pfeifen"

Ex-Schiri Rafati über Ärger um Zwayer: "Er wird den BVB mindestens ein, zwei Jahre nicht pfeifen"

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Babak Rafati blickt auf die strittigen Szenen beim Top-Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern.
Babak Rafati blickt auf die strittigen Szenen beim Top-Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern. © IMAGO/Norbert Schmidt/RND (Montage)
Anzeige

Hitzig, temporeich, begeisternd - das Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern war ein echtes Topspiel. Dennoch spielt das sportliche Geschehen im Nachgang beinahe nur eine Nebenrolle. SPORTBUZZER-Kolumnist und Ex-Referee Babak Rafati ordnet die Entscheidungen von Schiedsrichter Felix Zwayer und die heftige Kritik aus dem BVB-Lager ein.

Nach dem 3:2 (2:1) des FC Bayern im spektakulären Gipfel gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund wurde weniger über den sehenswerten Schlagabtausch beider Teams als vielmehr mehr über die Leistung des Schiedsrichterteams diskutiert. Referee Felix Zwayer musste sich schon während des Spiels einiges anhören. Nach der Partie wurden die Entscheidungen dann zum Dauerthema. Hintergrund für den Frust der Dortmunder war der spielentscheidende Elfmeter von Robert Lewandowski (78.) nach einem Handspiel von Mats Hummels, den Zwayer erst nach Studium der Video-Bilder gab. Zudem hatte der Schiedsrichter zuvor nach einem Tackling von Lucas Hernandez an BVB-Kapitän Marco Reus im Münchner Strafraum auf eine Sichtung der TV-Bilder verzichtet.

Anzeige

"Man kann bei diesen beiden Situationen nicht auf einer Seite Elfmeter geben und auf der anderen nicht. Wenn Zwayer bei beiden Szenen auf Strafstoß entschieden hätte, würde keiner schimpfen. Jetzt entstehen wieder die Diskussionen über den Bayern-Bonus. Und mir fehlen nach diesem Spiel die Argumente, die dagegensprechen", sagt der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

Bei der Situation zwischen Reus und Hernandez sah der frühere Referee ein "klares Foulspiel" des Franzosen am deutschen Nationalspieler. Der BVB-Angreifer sei in der besseren Position gewesen und der Bayern-Verteidiger habe nur noch die Intention gehabt, seinen Gegenspieler mit einem Foulspiel zu stoppen. "Er drückt ihm von hinten mit dem Ellenbogen in den Rücken. Der Kontakt unten am Fuß kommt noch erschwerend hinzu. Das hätte Zwayer auch sehen müssen. Er hatte freie Sicht auf den Vorgang im Strafraum der Münchner", meint Rafati.


Rafati: Elfmeter nach Hummels-Handspiel korrekt

Kurze Zeit nach dieser Aktion rückte Zwayer erneut in den Mittelpunkt. Nach einem Eckball berührte Hummels den Ball mit dem Arm, der Videoassistent schaltete sich ein. Und der Schiedsrichter entschied in seinem 191. Bundesliga-Einsatz auf Elfmeter. Für Rafati ein klarer Fall: "Das war eine korrekte Entscheidung von Zwayer. Hummels ging zwar nicht absichtlich zum Ball und verschätzte sich einfach, aber wenn der Ball so lange in der Luft ist und es dann ein Handspiel gibt, ist die Regelauslegung klar. Er hatte zudem noch seinen Ellenbogen weit vom Körper abgespreizt."

Rafati stört allerdings die "unberechtigte" Bewertung von Zwayer in vielen anderen Aktionen. Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter zählt auf: "Nach einer Viertelstunde sah Dayot Upamecano nach einem taktischen Foulspiel nicht Gelb, dann kam sogar Corentin Tolisso in der 42. Minute nach einer heftigen Grätsche gegen Marco Reus ohne Verwarnung davon – das war Dunkelgelb. Und dann sah Emre Can kurz nach der Pause für eine weniger gefährliche Grätsche Gelb. Was später auch nicht passte, war die Gelb-Rote Karte gegen Rose. Nagelsmann stand sich mit dem vierten Offiziellen Kopf an Kopf gegenüber und wurde nicht bestraft. Das Verhältnis stimmte einfach nicht."

Zwayer stellt sich nach dem Spiel

Rafati zeigt Verständnis dafür, dass BVB-Trainer Rose und die Spieler sich nach der Partie aufregten. Die härtesten Worte wählte Youngster Jude Bellingham. "Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?", hatte der 18 Jahre alte englische Nationalspieler beim norwegischen Sender Viaplay Fotball gesagt. Zwayer gehörte 2005 zu den Kronzeugen im Fall des Schiedsrichters Robert Hoyzer, der Spiele manipuliert hatte. Der Referee selbst stellte sich nach dem Spiel und begründete seine Entscheidungen. Rafati schätzt dieses Vorgehen, hätte sich aber eine bessere Erklärung gewünscht.

"Er wirkte sehr genervt und war inhaltlich zu sehr im Verteidigungsmodus. Er war nicht selbstkritisch genug und hätte auf die Frage nach dem Rose-Platzverweis besser eingehen müssen. Da ging es mir zu schnell, er hat nur auf seinen Spielbericht verwiesen", sagt der Ex-Schiedsrichter. Rafati geht davon aus, dass der DFB nun reagiert und Zwayer vorerst nicht mehr zu Spielen von Borussia Dortmund schickt. Beim Verband sei in diesen Fällen die Rede von einem "Selbstschutz". Der 51-Jährige meint: "Zwayer wird den BVB mindestens ein, zwei Jahre nicht pfeifen. Der DFB schickt ihn vielleicht mal nach Dortmund, wenn sie im DFB-Pokal gegen einen klaren Außenseiter spielen."