03. Oktober 2021 / 15:57 Uhr

Schon wieder Gelb-Rot: Wolfsburger Kartenspiele und van Bommels Wunsch nach Fingerspitzengefühl

Schon wieder Gelb-Rot: Wolfsburger Kartenspiele und van Bommels Wunsch nach Fingerspitzengefühl

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gelb-Rot in Wolfsburg: Maxence Lacroix flog nach Foul gegen Breel Embolo vom Platz.
Gelb-Rot in Wolfsburg: Maxence Lacroix flog nach Foul gegen Breel Embolo vom Platz. © Swen Pförtner/dpa
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Schon drei Spieler des VfL Wolfsburg flogen in dieser Saison mit Gelb-Rot vom Platz, insgesamt gibt es viele Karten gegen die Wölfe. Trainer Mark von Bommel wünscht sich mehr Fingerspitzengefühl und sagt: "Ich habe keine Truppe, die bekannt dafür wäre, jeden umzutreten."

Für den VfL Wolfsburg ist in dieser Saison das Fußballspiel auch ein Kartenspiel. Siebenmal zeigte Schiri Frank Willenborg am Samstag beim 1:3 gegen Gladbach dem VfL den gelben Karton, darunter auch die beiden Karten gegen Maxence Lacroix, die in der Summe Gelb-Rot ergaben. Der Franzose ist nach Jay Brooks und Josuha Guilavogui (jeweils in der Champions League) bereits der dritte Wolfsburger, der vom Platz flog.

Guilavoguis Platzverweis gegen Sevilla war ein Witz, die insgesamt sechs Gelben Karten für Wolfsburg lagen vor allem daran, dass der bulgarische Schiri Georgi Kabakov überfordert war. Aber: Schon in Lille hatte es neben dem Brooks-Gelb-Rot fünf weitere Verwarnungen für Wolfsburg gegeben (davon eine für Trainer Mark van Bommel), und in der Fairplay-Tabelle der Bundesliga liegt der VfL jetzt mit 18 Gelben Karten und einmal Gelb-Rot auf dem vorletzten Platz.

Färbt da etwa der Trainer aufs Team ab? Immerhin war van Bommel zu seiner aktiven Zeit bei den Bayern durchaus auch für eine härtere Gangart bekannt. "Jeder kennt mich als Spieler, ich habe einige Gelbe Karten gekriegt", sagt der Niederländer. "Aber es ist nicht so, dass meine Spieler jetzt das gleich tun." Und insgesamt waren "da auch Entscheidungen dabei, die eigentlich keine Gelben Karten waren. Manchmal denke ich, dass ich heute kein einziges Spiel beenden würde, wenn ich noch Spieler wäre. Als Schiedsrichter muss man auch Fingerspitzengefühl haben."

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Außerdem wichtig: Die Zahlen verfälschen etwas den Gesamteindruck. Denn nimmt man das Gladbach-Spiels raus, ist die VfL-Bilanz in Sachen Gelb ganz normal. Und die Schiri-Entscheidungen gegen Sevilla waren ohnehin nicht mit normalen Maßstäben zu messen. Van Bommel: "Ich habe keine Truppe, die bekannt dafür wäre, jeden umzutreten."

Schiri Willenborg war gegen Gladbach kein Vorwurf zu machen - er pfiff konsequent, die Verwarnungen waren nachvollziehbar. Als der vorbelastete Lacroix beim Stand von 1:2 Breel Embolo im Strafraum foulte, gab es zu Gelb-Rot keine Alternative. Immerhin: Koen Casteels parierte den fälligen Elfmeter gegen Lars Stindl, und hat in seiner Bundesliga-Karriere jetzt mit zehn (von 34) gehaltenen Strafstößen, die beste Quote aller Erstliga-Keeper. "Es war ein Stück weit Intuition", so der Belgier. "Wenn er nicht genau schießt, kann man ihn halten, wenn man in der richtigen Ecke ist."

In Sachen Karten hatte der VfL auch etwas Glück, Willenborg nahm das Notbremsen-Rot gegen Jerome Roussillon nach Videostudium zurück, weil der Franzose (in seinem 100. Bundesliga-Spiel) gegen Hofmann mit der Fußspitze den Ball traf. Allerdings: Hofmann hätte den Ball wahrscheinlich dennoch erreicht, hätte Wolfsburgs Linksverteidiger nicht das Bein etwas hochgezogen und den Gladbacher so am Weiterlaufen gehindert. Das als Notbremse zu werten, wäre hart gewesen - aber ebenso vertretbar wie eine Elfmeter-Entscheidung bei Kevin Mbabus Grätsche vor der Pause gegen Embolo.