29. Dezember 2020 / 07:30 Uhr

44 Tore in sieben Spielen: Sebastian Döscher jagt bundesweiten Tor-Rekord

44 Tore in sieben Spielen: Sebastian Döscher jagt bundesweiten Tor-Rekord

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Sebastian Döscher glänzte in sieben Spielen mit 44 Toren für den FC Motor Süd Neubrandenburg.
Sebastian Döscher glänzte in sieben Spielen mit 44 Toren für den FC Motor Süd Neubrandenburg. © Verein
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Der Angreifer des FC Motor Süd Neubrandenburg in der Kreisliga ist derzeit der treffsicherste Spieler im deutschen Amateurfußball. In seiner ersten Saisonpartie hatte Döscher gleich 17 Tore erzielt.

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Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de.

Von dieser Quote können selbst Top-Stürmer wie Cristiano Ronaldo oder Robert Lewandowski nur träumen. Stolze 44 Treffer in sieben Partien sind Sebastian Döscher in der laufenden Saison schon gelungen. Damit schoss der Angreifer vom Fußball-Kreisligisten FC Motor Süd Neubrandenburg rund sechs Tore pro Partie. Döscher ist mit seiner Ausbeute aktuell der treffsicherste Akteur im deutschen Amateurfußball.

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Interesse an Döscher steigt

Beim Torjäger standen die Medien in den vergangenen Wochen Schlange. Vielen Internetportalen, darunter auch dem Fußballfachmagazin kicker, musste der gebürtige Neubrandenburger Frage und Antwort stehen. „Bei einem Spiel hat uns sogar DFB-TV besucht. Diese ganze Aufmerksamkeit ist neu für mich“, gesteht Döscher. Zuvor war er nach eigenen Aussagen vereinzelt immer mal in den lokalen Medien abgebildet.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Kapitän Maxi zeigt trotz Krankheit bedingungslosen Einsatz für den Verein. Zur Belohnung schicken GABFAF und Volkswagen ihn und 19 Teamkollegen von der SpVgg Maxkron zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn. Zur Galerie
Kapitän Maxi zeigt trotz Krankheit bedingungslosen Einsatz für den Verein. Zur Belohnung schicken GABFAF und Volkswagen ihn und 19 Teamkollegen von der SpVgg Maxkron zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn. ©

Jagd nach Torrekord Corona-bedingt gestoppt

Döscher ist hungrig auf viele weitere Tore, doch die Corona-Zwangspause Anfang November stoppte seinen Lauf. Der Stürmer wollte die Bestwerte von Dennis Tauber (VfB Habingshorst/Kreisliga B1 Westfalen) und Robert Schlicht (FSV Rühn/Kreisliga Warnow) jagen. Die Knipser erzielten jeweils satte 101 Treffer in einer Spielzeit. „Mit den ganzen Spielausfällen, wird das schwierig, den Wert noch zu knacken. Wir haben eigentlich noch 13 Spiele ausstehend. Wenn die alle tatsächlich noch durchgezogen werden, könnte es vielleicht noch etwas werden“, schätzt Döscher ein. Sollte sich für ihn und seine Mannschaft die Anzahl der Partien jedoch verringern, hält der 34-Jährige die Aussichten für schwierig, die 100-Tore-Marke in dieser Spielzeit noch zu durchbrechen.

Viel Erfahrung und viele Vereinswechsel

Dass der gelernte Kaufmann, der im Stahl-Großhandel beruflich tätig ist, Tore wie am Fließband markiert hat, liegt auch an seiner großen Erfahrung. Döscher begann beim LSV Triepkendorf mit dem Fußballspielen, in der Nähe von Feldberg – dem Wohnort seiner Eltern. In der 5. Klasse wechselte der Mecklenburger auf das Sportgymnasium in Neubrandenburg und fing zur gleichen Zeit beim heimischen FC Tollense an. Beim Nachfolgeklub 1. FC Neubrandenburg 04 blieb Döscher bis zum Beginn des Herrenbereichs.

Von Vater Wolfgang wurde der Offensivkicker in der B-Jugend trainiert. Heute ist der Papa auch sein Coach beim FC Motor Süd. „Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn der Vater dein Trainer ist. Nach dem Abpfiff quatschen wir meistens noch viel über das Spiel und telefonieren auch sehr regelmäßig“, erzählt Döscher, der aus einer richtigen Fußballer-Familie kommt. Bruder Oliver kickte auch einige Jahre, musste aber wegen drei Kreuzbandrissen seine Laufbahn vorzeitig beenden. Immerhin: Die Geschwister spielten einst beim SV Teterow zusammen.

Neben dem Verein aus der Bergringstadt gehörten der SV Waren, 1. FC Neubrandenburg II, SV Hanse Neubrandenburg und Neubrandenburger FC zu den weiteren Stationen von Sebastian Döscher. Im Januar 2020 zog es ihn nach dem Rückzug des NFC zum SV Motor Süd. Dabei verriet Döscher, dass er auch höherklassige Angebote vom FCN und Penzliner SV aus der Verbandsliga ausgeschlagen habe. Für erstgenannten Verein hat der Rechtsfuß 2015 sogar zwei Spiele in der NOFV-Oberliga Nord bestritten. „Meine schönste Zeit hatte ich aber beim SV Hanse. Da haben wir viel Party gemacht. Die Momente beim NFC werde ich auch nicht vergessen“, schildert Döscher.

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Er wäre mit dem SV Motor Süd im vergangenen Sommer fast in die Landesklasse aufgestiegen. Doch anstatt in der Kreisoberliga einen neuen Anlauf für den Aufstieg zu starten, ging es runter in die Kreisliga. Grund dafür war im Juli die Neugründung des FC Motor Süd Neubrandenburg, der sich aus der Fußball-Sparte des SV Motor Süd löste. Döscher blieb seiner Mannschaft treu. „Fast das gesamte Team ist zusammengeblieben. Unser Ziel ist es, in die Kreisoberliga zurückzukehren“, macht er deutlich.

17 Tore im ersten Saisonspiel

Gleich im ersten Saisonspiel untermauerten der treffsichere Akteur und der FC Motor Süd ihre Aufstiegsambitionen. Mit 27:1 fegten die Neubrandenburger ihre eigene dritte Mannschaft vom Feld. Bemerkenswert: Döscher glänzte gleich mal als 17-maliger Torschütze in der Partie. „Bei acht Toren habe ich aufgehört zu zählen. Nach dem Spiel hatte mich unser Präsident informiert, dass es 17 geworden sind, das war schon verrückt“, kommentierte er. Sein persönlicher Rekord lag vorher bei acht Toren in einer Begegnung.

Die Treffsicherheit von Döscher hat sich in der Liga schnell rumgesprochen. Der Neubrandenburger wurde in den folgenden Spielen von einem, zum Teil auch zwei Gegenspielern in der ganzen Partie eng verfolgt. „In einem Spiel hat sich ein Gegenspieler vor dem Abpfiff schon im Sturm positioniert und mich dort dann sozusagen abgeholt“, berichtet Döscher über die dauerhafte Manndeckung gegen ihn in der Kreisliga.

Die ständige Bewachung tat der Tor-Serie des Vollstreckers jedoch keinen Abbruch. Döscher hat in bislang allen sieben Pflichtpartien der Spielzeit immer mindestens einmal getroffen. Wann weitere Treffer folgen werden, steht noch in den Sternen. Aufgrund der Corona-Unterbrechung ist noch ungewiss, wann die Saison fortgesetzt wird. Döscher hofft auf einen Re-Start zumindest im Frühjahr – auch um die Bestmarke nicht aus den Augen zu verlieren.