29. September 2021 / 17:36 Uhr

Sevillas Thomas Delaney: "Wolfsburg hat eine beachtenswerte Mannschaft"

Sevillas Thomas Delaney: "Wolfsburg hat eine beachtenswerte Mannschaft"

Hans-Günter Klemm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mit dem FC Sevilla in Wolfsburg: Thomas Delaney .
Mit dem FC Sevilla in Wolfsburg: Thomas Delaney . © imago images / shutterstock
Anzeige

Champions League: Der VfL Wolfsburg trifft am Mittwoch auf den FC Sevilla - und damit auf einen alten Bundesliga-Bekannten. Thomas Delaney spielt seit Saisonbeginn für die Andulisier - im spricht im SPORTBUZZER-Interview mit die Partie, sein Image und über ein Lob von VW.

Das Champions-League-Spiel des VfL Wolfsburg am, Mittwoch (21 Uhr) gegen den FC Sevilla ist auch ein Wiedersehen mit einem alten Bundesliga-Bekannten: Thomas Delaney (30) spielt seit Saisonbeginn für die Andalusier, zuvor hatte er 107 Partien für Werder Bremen und Borussia Dortmund absolviert, ehe er für eine Ablöse von bis zu 8 Millionen Euro nach Spanien wechselte. In seiner Heimat Dänemark war Delaney mit dem FC Kopenhagen viermal Meister und dreimal Pokalsieger geworden. Im AZ/WAZ-Interview spricht der Mittelfeldmann über das Spiel in Wolfsburg, seine Rolle in Sevilla und sein Image als Musterprofi.

Anzeige

SPORTBUZZER: Sie gelten als Bundesliga-Experte beim FC Sevilla, haben in Bremen und Dortmund gespielt und kennen so den deutschen Fußballs bestens. Haben Ihre Kollegen Sie schon ausgefragt über den VfL Wolfsburg?

Thomas Delaney (30): Nein, so viel haben wir im Mannschaftskreis noch nicht über das nächste Spiel in der Champions League gesprochen, jedenfalls nicht bis zum letzten Wochenende. Wir konzentrieren uns immer auf das nächste Spiel, am letzten Samstag war dies das Match gegen Espanyol Barcelona. Am Sonntag hatten wir dann einen freien Tag, um zu regenerieren. Einen Tag später begann dann die direkte Vorbereitung auf Wolfsburg – mit intensivem Videostudium.


Hat Trainer Julen Lopetegui, der Nationaltrainer Spaniens bei der WM 2018, den Dialog mit Ihnen gesucht, um sich über Wolfsburg zu informieren?

Unser Trainer hat sich wie immer akribisch auf den Gegner vorbereitet. Er benötigte daher meine Expertise nicht unbedingt. Wir haben nur ganz allgemein geredet.

Wenn er Sie ausführlicher gefragt hätte, was hätten Sie ihm erzählt?

Ich schätze Wolfsburg als einen sehr starken Gegner ein, der VfL hat stets eine beachtenswerte Mannschaft gestellt im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Einheit ohne die ganz großen Stars, doch mit einem Kollektiv, das schwer zu bezwingen ist – immer gut eingestellt und mit einer hervorragenden Moral.

Vor welchem Spieler würden Sie besonders warnen?

Wout Weghorst ist ein Ausnahmespieler, der Holländer könnte in jeder europäischen Spitzenmannschaft eine gute Rolle spielen. Auf ihn müssen wir natürlich besonders aufpassen.

In der Bundesliga gibt es einen Robert Lewandowski und einen Erling Haaland, mit dem Sie in Dortmund gespielt haben. Wenn Sie Weghorst mit diesen Torjägern vergleichen, speziell mit dem Norweger: Erreicht der Holländer in Wolfsburger Diensten schon das Kaliber von Haaland?

Weghorst ist, wie gesagt, ein außergewöhnlicher Stürmer, doch Erling ist einzigartig. Er ist jung, für sein Alter schon sehr gereift. Er besitzt fantastische Fähigkeiten und hat eine untadlige Einstellung zum Beruf. Erling ist ein Vorbild für alle jüngeren Profis.

Zurück zum Spiel am Mittwoch: Nachdem der VfL in Hoffenheim die erste Saisonniederlage kassierte, wie beurteilen Sie deren Start?

Ich habe nur Ausschnitte gesehen, ein wenig gelesen. Wolfsburg ist gut aus den Startlöchern gekommen, hat auch in Hoffenheim gut gespielt und mischt in der Bundesliga oben mit.

Wie verlief der Start in Sevilla?

Anzeige

Ganz zufriedenstellend, die Generalprobe gegen Espanyol Barcelona haben wir 2:0 gewonnen. Wir sind im Spitzenfeld platziert, liegen momentan auf dem dritten Platz mit drei Punkten Rückstand auf Real Madrid, wobei wir ein Spiel weniger ausgetragen haben.

Gute Generalprobe für die Mannschaft, doch nicht für Sie?

Richtig, ich habe Rot gesehen, die erste Rote Karte in meiner Karriere.

Wie konnte dies passieren?

Es war blöd von mir, ich habe zweimal gestikuliert nach Entscheidungen des Schiedsrichters, zweimal Gelb gesehen.

Also so ähnlich wie bei Mahmoud Dahoud, Ihrem ehemaligen Mitspieler in Dortmund?

Vergleichbar, doch schon anders. Jedenfalls eine genauso dumme Aktion.

Zum Glück greift die Sperre nicht bei internationalen Spielen, so dass Sie in Wolfsburg auflaufen können. Zwei Spiele von Beginn an, zweimal eingewechselt. Sind Sie zufrieden in Sevilla?

Ich fühle mich sehr wohl, ich bin mit meiner Familie gut angekommen hier. Es waren schon etwas andere Umstände als damals beim Wechsel in die Bundesliga nach Bremen: andere Sprache, andere Mentalität, andere Spielweise. Sevilla hat einen exzellenten Kader, da gibt es erst recht keine Garantie auf einen Stammplatz. Das möchte ich auch nicht.

Sie haben Dortmund verlassen, weil Sie bei der Borussia nicht mehr erste Wahl waren. Erleben Sie in Spanien grade eine ähnliche Konstellation?

Es ist schon anders, ich schätze, dass ich hier eine größere Rolle spielen werde als in Dortmund. Mein Ziel ist es, Stammspieler zu werden, einen der drei Plätze im Mittelfeld zu belegen. Die Konkurrenz ist namhaft: der Kroate Ivan Rakitic und der Spanier Joan Jordan, der Brasilianer Fernando und der Argentinier Alejandro Gomez beispielsweise.

Ihr Traum war ein Wechsel in die Premiere League. Warum hat es nicht geklappt?

Vor einiger Zeit hatte ich mal die Chance, nach Everton zu wechseln. Es gab Anfragen aus England in diesem Sommer. Doch manchmal lassen sich Träume nicht realisieren. Ich träume auch davon, mal in Japan oder den USA zu spielen, möglicherweise am Ende meiner Laufbahn nach Kopenhagen zurückzukehren.

Es hieß, auch Wolfsburg soll Sie auf dem Radar gehabt haben. Nur ein Gerücht oder mehr?

Das kann schon sein. Warum nicht? In dieser Transferphase ist viel passiert.

Wissen Sie, dass ein hochrangiger Funktionär aus Wolfsburg ein Fan von Ihnen ist?

Nein. Sie machen mich neugierig.

Frank Witter, der ehemalige Finanzvorstand bei Volkswagen, der den Aufsichtsrat beim VfL führt, hat von Ihnen mal in einem SPORTBUZZER-Interview geschwärmt. Wenn er einen Spieler aus der Bundesliga holen würde, dann Thomas Delaney.

Freut mich, schön zu hören. Erstaunlich, denn mir fallen noch einige andere Profis ein, die ich gerne verpflichten würde.

Winters Lob zielt auf Ihren Charakter und Ihre Berufseinstellung ab. Sie gelten als Musterprofi.

Ich bemühe mich, nur ehrlich zu sein, immer alles zu geben, mit dem Herzen dabei zu sein und meine Persönlichkeit auf den Platz zu bringen. So macht mir mein Beruf auch Spaß. Der Erfolg der Mannschaft ist mir wichtig. Wenn die Mannschaft gut spielt, bin auch ich meistens gut. Natürlich mache ich auch Fehler, siehe den Feldverweis am Wochenende. Niemand ist perfekt.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Lassen Sie uns über den Trainer sprechen! Welchen Fußball lässt Julen Lopetegui spielen?

Er bevorzugt die Offensive, will technisch geprägten Fußball mit vielen Verlagerungen. Zudem legt er viel Wert auf Körperlichkeit und in erster Linie auf die Einstellung. Er verlangt hartes Arbeiten, insofern sehe ich Parallelen zu meiner Dortmunder Zeit.

Wer ist am Mittwoch der Favorit?

Wir fahren mit gehörigem Respekt nach Niedersachsen. Wolfsburg ist nicht so leicht zu bezwingen. Doch wir brauchen Punkte und wollen dort etwas mitnehmen.

Wie sehen Sie die Gruppe G?

Recht ausgeglichen, eine sehr enge Gruppe, in der Sevilla vom Namen her ein wenig favorisiert ist. Doch Lille ist Meister in Frankreich geworden, beachtlich bei der großen Konkurrenz aus Paris und Lyon, ein Klub, der seit Jahren immer oben dabei ist. Und Red Bull Salzburg ist wie Wolfsburg nicht zu unterschätzen. Sie haben schon für Überraschungen gesorgt.

Fünf Cupsiege in Spanien, zweimal Gewinner des UEFA-Pokals sowie gar viermal in der Europa League, zuletzt 2020. Ist Sevilla eine typische Pokalmannschaft?

Das sehe ich nicht so. Der Verein ist in La Liga immer vorne dabei, wobei in Spanien mit Real, Atletico und Barca ein Trio dominiert, anders als in Deutschland. Natürlich sind die Andalusier stolz auf ihre Erfolge in den Pokalwettbewerben. Es ist ein Teil der Historie.

Schlussfrage zur Nationalelf nach dem überragenden Abschneiden bei der EM: Besitzt Dänemark gegenwärtig eine Goldene Generation?

Wir haben nun eine richtig gute Mannschaft, die auf hohem Niveau agiert und die noch besser wird. Viele junge Spieler wie Joakim Maehle, Andreas Skov Olsen und Mikkel Damsgaard werden sich noch steigern. In der Qualifikation zur WM in Katar läuft es bestens. Und übrigens: In der FIFA-Weltrangliste sind wir unter den Top Ten platziert – besser als Deutschland.