16. November 2020 / 17:52 Uhr

SG Linum vor zehn Jahren: Gute Adresse im alten Fußballkreis

SG Linum vor zehn Jahren: Gute Adresse im alten Fußballkreis

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
David Braun ist mittlerweile Trainer der SG Linum - schnürt aber öfter auch noch die Töppen.
David Braun ist mittlerweile Trainer der SG Linum - schnürt aber öfter auch noch die Töppen. © Marius Böttcher
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Vor einer Dekade war der Verein aus dem Storchendorf auf dem Sprung in die Landesklasse - David Braun war als Spieler mit dabei.

"Obwohl Linum durch das Remis gegen Lindow die Herbstmeisterschaft perfekt machte, war die Heimelf nicht zufrieden“, schrieb MAZ-Sportredakteur Roland Möller im November vor zehn Jahren. Der damalige Kreisliga-Spitzenreiter agierte nach der Roten Karte gegen Lindows Krzystof Szydlowski 78 Minuten in Überzahl – am Ende rettete Nico Neuaug der Heimelf mit seinem Treffer zum 1:1 zumindest noch einen Zähler im Kampf um den Titel.

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„Wir hatten eine geile Truppe zusammen, da waren echte Typen dabei“, erinnert sich David Braun an die Spielzeit 2010/11. Für den Wirbelwind im Mittelfeld war es erst die zweite Saison im Storchendorf, zuvor kickte der gebürtige Pritzwalker in seiner Heimat bei Hansa Wittstock. „Mit 17 Jahren habe ich unter Jörg Lutter bei Hansa debütiert, ich glaube sogar noch mit Muttizettel“, sagt Braun schmunzelnd. Einigen Zufällen sei Dank verschlug es den technisch versierten Kicker aber eines Tages in den Fehrbelliner Ortsteil: „Ich war mit Maik Wodetzki zusammen in der Berufsschule, er hat mich letztlich davon überzeugt, nach Linum zu gehen.“

In Bildern: Linum-Kicker überraschen beim Cup der Bürgermeisterin.

Die Kreisliga-Kicker der SG Linum haben den 14. Cup der Bürgermeisterin gewonnen. Zur Galerie
Die Kreisliga-Kicker der SG Linum haben den 14. Cup der Bürgermeisterin gewonnen. © Marius Böttcher

Unter Urgestein Ernst Wodetzki, der das Team trainierte, entwickelte sich die SG Linum zu einer guten Adresse im Fußballkreis Ostprignitz-Ruppin. „Paul Bernhardt spielt heute in Langen, Lucas Pritzkow und Patrick Horn sogar bei Alt Ruppin – das war eine geile Zeit, ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein“, betont David Braun, der mit seinen Teamkollegen nach der ersten Saisonhälfte ganz oben stand – 37 Punkte sammelte die SGL in 15 Partien. Die Ausbeute in der Rückrunde war mit zwölf Siegen, zwei Niederlagen und einem Remis identisch. Und dennoch genügten die 74 Zähler am Saisonende nicht zum Aufstieg in die Landesklasse.

„Das hatten wir uns selbst zuzuschreiben“, weiß Braun auch eine Dekade später noch, „am vorletzten Spieltag haben wir Blumenthal/Grabow empfangen und 2:0 zur Pause geführt. Nach dem Seitenwechsel ging bei uns aber nichts mehr, das Spiel endete 2:2 und wir konnten es selbst nicht fassen.“ War der Druck zu groß? „Das ist schwer zu sagen. Ich weiß noch, dass vor der Partie der Vorstand in die Kabine kam und betont hat, dass wir den Landesklassen-Aufstieg als Dorfverein wagen würden. Auch Ernst Wodetzki hätte dafür sein letztes Hemd gegeben“, ist sich David Braun sicher. Nach 30 Spieltagen nützten aber selbst die 105 erzielten Tore in der Kreisliga, damals die höchste Spielklasse im Kreis, nichts – der MSV Neuruppin II wurde mit 75 Punkten Kreismeister.

Zehn Jahre später kämpfen die Fußballer aus dem Storchendorf noch immer in der Kreisliga, die aber mittlerweile nicht mehr das Oberhaus im fusionierten Fußballkreis darstellt. Zwar gelang Linum problemlos die Qualifikation für die zur Saison 2014/15 eingeführte Kreisoberliga, wegen der weiten Fahrten bis an die mecklenburgische Grenze verzichtete man allerdings. Auch David Braun, der zwischen 2016 und 2018 zwei Jahre für den FC Kremmen in der Kreisoberliga Oberhavel/Barnim kickte, ist zurück bei der SGL. Von der Seitenlinie aus koordiniert er als Trainer die Geschicke – hin und wieder muss der 31-Jährige aber auch noch die Töppen schnüren.

„Es geht teilweise nicht anders, heutzutage kann man ja froh sein, wenn überhaupt Alternativen auf der Bank sitzen“, sagt Braun mit Blick auf seinen zur Verfügung stehenden Kader, „das sind alles gute Jungs und mir macht die Arbeit großen Spaß. Man kann die Qualität aber nicht mit der vor zehn Jahren vergleichen.“ Und trotzdem findet man sich im Klassement der Oststaffel auf einem starken vierten Rang wieder. „Mit dieser positiven Entwicklung war nicht unbedingt zu rechnen. Wir spielen aber auch oft am Limit, viel mehr kann man nicht rausholen. Wenn wir uns unter den ersten Fünf halten könnten, wäre das ein Riesenerfolg“, schlägt der Dreifach-Papa eher zurückhaltende Töne an.


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Ohne eigenen Nachwuchs sei es vor allem im ländlichen Räum extrem schwierig, Jahr für Jahr eine schlagkräftige Truppe in den Spielbetrieb zu schicken. Mit Elias Böckel oder Justin Nguyen hat David Braun auch talentierte Youngster in seinem Team, „sowas ist aber eher die Ausnahme. Unser Altersdurchschnitt ist schon sehr hoch, was für die Zukunft nicht förderlich ist.“

„Brauni“ ist ein Kämpfertyp und will immer das Maximale rausholen – sowohl auf als auch neben dem Platz. Daher ist die Trainer-B-Lizenz das persönliche Ziel: „Linum ist für mich als Trainerneuling eine super Adresse. Ich bin aber ambitioniert, für mich soll die Kreisliga nicht das Ende der Fahnenstange sein.“ David Braun will lernen, Erfahrungen sammeln und sich weiterbilden – um irgendwann noch erfolgreicher als vor zehn Jahren zu sein.