29. April 2020 / 10:44 Uhr

SHFV-Vorsitzender Schneider macht klar: "Wir können es nicht allen Vereinen recht machen"

SHFV-Vorsitzender Schneider macht klar: "Wir können es nicht allen Vereinen recht machen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Auch nach der Quotientenregelung wäre der FC Kilia Kiel um Yannik Jakubowski (re.) Verbandsligameister, Marten Henke (li.) und Dennis Lühr rückten mit dem TSV Stein auf Rang zwei vor.
Auch nach der Quotientenregelung wäre der FC Kilia Kiel um Yannik Jakubowski (re.) Verbandsligameister, Marten Henke (li.) und Dennis Lühr rückten mit dem TSV Stein auf Rang zwei vor. © Uwe Paesler
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Amateurfußball: SHFV beschließt Saison-Ende am 30. Juni – Vereine bevorzugen Quotientenregelung – Entscheidung am 9. Mai

Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) beendet die Saison 2019/20. Das entschied das SHFV-Präsidium in einer außerordentlichen Videositzung am Montagabend. Der Abbruch gilt für alle Alters- und Spielklassen im Bereich des SHFV und der Kreisfußballverbände. Wie die Saison gewertet und wie mit Auf- und Abstiegen sowie den Pokalwettbewerben verfahren wird, wird das Präsidium in der nächsten ordentlichen Sitzung am 9. Mai entscheiden.

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"Fortsetzung mit zu großen Unsicherheiten verknüpft"

„Vor allem unter den Kreisvorsitzenden, die die Interessen ihrer jeweiligen Vereine im SHFV-Präsidium vertreten, hat sich ein einstimmiges Votum für eine Beendigung der Saison am 30. Juni ergeben“, sagte SHFV-Präsident Uwe Döring. 114 der anwesenden Mitglieder hatten bei einer Enthaltung für das Saisonende votiert. „Aus sportlicher Sicht tut uns und sicher auch den Vereinen, die in der laufenden Saison Ziele verfolgt haben, diese Entscheidung weh“, meinte Sabine Mammitzsch, SHFV-Vizepräsidentin Spielbetrieb.

„Wir müssen aber akzeptieren, dass eine Fortsetzung der Saison zu einem aktuell noch nicht absehbaren Zeitpunkt mit zu großen Unsicherheiten verknüpft wäre.“„Das Wichtigste für alle war die Planungssicherheit“, sagte Peter Möller, Vorsitzender des Kreisfußballverbands Kiel.

Vorsitzender des Segeberger KFV ist gegen Annullierung

„Alles andere als der Abbruch hätte einen noch größeren Rattenschwanz hinter sich hergezogen, als es so schon der Fall ist.“ Auch Herbert Bornhöfft, Vorsitzender des Segeberger KFV, erklärte, das Gros der Klubs habe den Abbruch favorisiert. „Der Fußballkreis Holstein, also Neumünster und Plön, hat einen Rundbrief geschickt“, beschrieb Bornhöfft.

„80 Prozent haben geantwortet, und fast alle haben sich für ein Ende entschieden.“ Nach der Präsidiumssitzung am 9. Mai, so hofft Bornhöfft, gebe es erste belastbare Fakten, ob und wie die verkürzte Saison gewertet wird. „Ich bin gegen eine Annullierung“, betont er. „Bei einer Wertung muss natürlich die Auf- und Abstiegsfrage dringend geklärt werden. Eine Quotientenregelung wie in anderen Sportarten halte ich für denkbar – aber das ist nicht mehr als eine Spekulation. Warten wir ab, bis es eindeutige Regelungen gibt.“

Die KFV-Vorsitzenden sind über die Stimmung in den Vereinen im Bilde, eine gesonderte Befragung wird es nicht geben.


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Was ist die Quotientenregelung?

Die wahrscheinlichste Lösung für die Wertung der aktuellen Saison ist: Aussetzung des Abstiegs, Quotientenregelung – Anzahl der Punkte dividiert durch Anzahl der Spiele multipliziert mit 100 – für den Aufstieg der Tabellenführer, keine Relegation der Zweitplatzierten.

"Die negativen Folgen für die Vereine sollen so gering wie möglich gehalten werden"

Zudem ist für die nächste Saison ein neuer Zuschnitt der Ligen denkbar, falls der Zeitdruck bei Beginn im September oder gar später zu groß wird. Auch die Winterpause könnte verkürzt werden. „Wir denken verschiedene Modelle, die abhängig vom Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Spielbetriebes sind. Die negativen Folgen für die Vereine sollen so gering wie möglich gehalten werden“, sagte SHFV-Geschäftsführer Tim Cassel.

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Todesfelde würde sich über Meisterschaft freuen

Bei einer Anwendung der Quotientenregelung drohen dabei zur aktuellen Tabellenspitze kaum entscheidende Änderungen – zumindest in den drei obersten Landesspielklassen. In der Oberliga zöge der SV Todesfelde zwar am punktgleichen 1. FC Phönix Lübeck vorbei – hat aber im Gegensatz zu den Hansestädtern für die Regionalliga gar nicht gemeldet.

„Sollten wir zum Meister erklärt werden, wäre das großartig“, sagte SVT-Teamchef Sven Tramm dennoch. „Und es wäre auch gerecht. Zwei Drittel der Saison sind gespielt, da besitzt eine Tabelle Aussagekraft.“

Mit Todesfelde auf Meister-Kurs: Kevin Benner (li.). 
Mit Todesfelde auf Meister-Kurs: Kevin Benner (li.).  © Sonja Paar

"Wie ein Kindergeburtstag ohne Geschenke"

In den Landesligen sowie den Verbandsligen Ost und West bliebe alles wie gehabt. „Es kann aus unserer Sicht nur auf eine Quotientenregelung hinauslaufen“, sagte Harry Witt, Sportlicher Leiter des Ost-Tabellenführers FC Kilia Kiel. „Mir ist klar, dass es immer Härtefälle geben wird. Aus unserer Sicht ist es leicht zu argumentieren, dass die Spitzenreiter aufsteigen sollten.“

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Den Verbandsliga-Aufstieg würde auch der SV Boostedt, Tabellenführer der Kreisliga Mitte, annehmen – auch wenn das „irgendwie wie ein Kindergeburtstag ohne Geschenke“ wäre, wie Trainer Lars Kröger beschrieb.Ohne konkreten Starttermin Szenarien für die kommende Saison zu entwickeln, sei schwierig, sagte Klaus Schneider, Vorsitzender des SHFV-Herrenspielausschusses. „Wir müssen vom Worst-Case-Szenario ausgehen.“ Schneider machte klar: „Die eierlegende Wollmilchsau wird es nicht geben. Wir können es nicht allen Vereinen recht machen.“

Von Niklas Schomburg, Jürgen Brumshagen und Jan-Phillip Wottge