08. März 2022 / 19:43 Uhr

Sorgen auf der „Sechs“: 96 braucht einen neuen Waldemar Anton

Sorgen auf der „Sechs“: 96 braucht einen neuen Waldemar Anton

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hat die Seiten gewechselt: Früher kickte Waldemar Anton (Mitte) bei Hannover 96, wie hier im Juli 2019. Vor knapp zwei Jahren wechselte er zum VfB Stuttgart - und 96 fehlt bis heute ein Anführer auf der Sechserposition.
Hat die Seiten gewechselt: Früher kickte Waldemar Anton (Mitte) bei Hannover 96, wie hier im Juli 2019. Vor knapp zwei Jahren wechselte er zum VfB Stuttgart - und 96 fehlt bis heute ein Anführer auf der Sechserposition. © imago images / Eibner
Anzeige

Die Abräumerposition auf der Sechs war mal ein Prunkstück bei Hannover 96 - Altin Lala, Sergio Pinto, zuletzt Waldemar Anton waren Vorbilder im defensiven Mittelfeld. Aktuell hat der Fußball-Zweitligist mehr Probleme und keinen, der die Position wirklich voll ausfüllt.

Es war einmal ein Kampfzwerg, der bei 96 für Ordnung sorgte und selbst vor sportlichen Riesen keine Angst hatte. Altin Lala hieß der Spieler, der nur 1,72 Meter klein, aber eine wichtige Größe bei 96 war. Franck Ribéry, einst Zauberfuß bei den Bayern, nannte Lala mal den unangenehmsten Gegenspieler der Liga. Der Franzose beschwerte sich heftig über den Einsatz des 96-Profis: „Der ging nie auf den Ball, traktierte nur meine Beine. Da hört der Spaß auf.“ Der 96-Türsteher vor der Abwehr konterte gelassen: „Ich könnte das auch als Kompliment auffassen.“

Anzeige

Lang ist’s her, aus dem Jahr 2007 datiert das Scharmützel. Aber es hat einen aktuellen Bezug – 96 sucht seit vielen Jahren vergeblich nach einem Aggressive Leader, einem Anführer, wie Lala und auch Sergio Pinto ihn verkörperten.

Die Stellenbeschreibung weist auf die speziellen Eigenschaften dieser Position hin: Er geht keinem Zweikampf aus dem Weg und bewegt sich am Rande der Legalität, manchmal auch darüber hinaus. Er hat eine große Klappe und ist bei den eigenen Fans beliebt.

Der Letzte, der im defensiven Mittelfeld diesen Job zufriedenstellend erledigte und sich in die Ahnenreihe der Lalas und Pintos einreihen konnte, war Waldemar Anton. Er verließ 96 vor zwei Jahren Richtung Stuttgart und spielt jetzt beim VfB als Innenverteidiger.

Anzeige

Aktuell versucht sich Gaël Ondoua als sein Nachfolger bei 96. Er wurde in Kamerun geboren, hat aber auch einen russischen Pass. Der 26-Jährige kam ablösefrei von Servette Genf. Er gibt aber noch mehr Rätsel auf, als dass er eine dauerhafte Lösung des Sechserpro­blems wäre. Mal spielt er ordentlich, dann aber wieder unterirdisch wie zuletzt in Sandhausen. Unbedrängt servierte er Bälle in die Füße der Gegenspieler. Ondoua ist nicht der schnellste und auch nicht unbedingt der beweglichste Spieler. Torgefahr strahlt er schon mal gar nicht aus. Selbst aus den besten Positionen frei vorm Tor verdaddelte er fahrlässig beste Chancen – ob mit dem Kopf oder mit dem Fuß. Schussversuche kann man es nicht nennen, wenn er den Ball Richtung Tor kickt. Und besonders wichtig: Konstanz bekommt er nicht hin.

Mehr über Hannover 96

„Es ist nicht angebracht, Einzelne rauszupicken.“

Trainer Christoph Da­brows­ki steht aber zu seinem Abräumer. „Es ist nicht angebracht, Einzelne rauszupicken, da kann man zig Spieler nennen“ nach dem Sandhausen-Spiel. „Gaël ist ein wichtiger Spieler, der stabile Leistungen abgerufen hat.“ Dabrowski schützt Ondoua wohl auch, weil er noch der einzige Spieler in seinem Kader ist, der allein auf der sogenannten Sechs agieren kann.

Mit Tom Trybull hat 96 den einzigen Ersatzkandidaten nach Sandhausen ziehen lassen. Dort erledigte Trybull im direkten Vergleich mit Ondoua seinen Job am vergangenen Samstag deutlich besser.

Mark Diemers sieht sich als Achter

Noch als Aushilfssechser im Kader steht Dominik Kaiser, dessen Zweikampferfolgsquote meist ernüchternd schlecht bei 20 Prozent liegt. Kaiser gehört offensiver eingesetzt wie auch Mark Diemers, der sich selbst als „Achter oder Zehner“ sieht, jedenfalls weiter vorn. Mit Sebastian Ernst hat zu Saisonbeginn ein weiterer offensiver Mittelfeldspieler als Abräumer herhalten müssen.

In der vergangenen Saison enttäuschte bereits der Slowene Jaka Bijol als erhoffter Anton-Nachfolger. Auch Ondoua kann die Lücke nicht schließen. Mit Tim Walbrecht will Dabrowski einen 20-Jährigen an die Aufgabe heranführen, aber das wird dauern. 96 hat vielmehr auf der Position dringenden Handlungsbedarf für die kommende Saison.

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv in der Konferenz bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.