01. August 2021 / 18:20 Uhr

Sorgen ums Sprunggelenk: Otavio-Ausfall täte Wolfsburg mehr weh als die Testspiel-Pleiten

Sorgen ums Sprunggelenk: Otavio-Ausfall täte Wolfsburg mehr weh als die Testspiel-Pleiten

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Dicke Bandage: Paulo Otavio hat sich gegen Atletico Madrid offenbar eine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen.
Dicke Bandage: Paulo Otavio hat sich gegen Atletico Madrid offenbar eine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen. © Boris Baschin
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Es sah nach einer Knieverletzung aus - aber es ist wohl das Sprunggelenk. Dennoch muss der VfL Wolfsburg möglicherweise eine lange Zwangspause für Paulo Otavio befürchten. Und die täte mehr weh als die Serie von fünf Testspiel-Pleiten in Folge.

Die Testspiel-Reihe des VfL Wolfsburg in der Saisonvorbereitung ist vorbei - sie endete mit einer erneuten Niederlage. Dass das 1:2 am Samstag gegen den ohne seine Stars spielenden spanischen Meister Atletico Madrid die fünfte Pleite im sechsten Spiel war, ist die kleinere von zwei VfL-Sorgen. Die größere: Paulo Otavio droht eine Zwangspause, der Linksverteidiger verletzte sich am rechten Sprunggelenk, musste ins Krankenhaus.

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Nach einem Zweikampf mit Atleticos Rodrigo Riquelme war Otavio mit deutlich schmerzverzerrtem Gesicht liegen geblieben, Kapitän Josuha Guilavogui musste ihn trösten, ehe er nach einer Behandlungspause mit bandagiertem Knie vom Platz geführt wurde. Wie schwer die Verletzung ist und ob möglicherweise ein Bänderschaden eine lange Zwangspause nach sich zieht, sollen weitere Untersuchungen am Montag ergeben. Via Twitter sprach sich der 26-Jährige selbst Mut zu: "Ich glaube, dass alles aus einem Grund passiert. Ich weiß noch nicht, was los ist. Aber wir bleiben positiv." Was die Aussichten verbessert: Otavio fasste sich in der Szene zwar zunächst ans Knie, die eigentliche Verletzung aber passierte an anderer Stelle. "Es sah nach einer Knieverletzung aus, aber es ist wohl das Sprunggelenk", so Sportdirektor Marcel Schäfer. Ein längerer Ausfall ist damit allerdings längst nicht vom Tisch.

Sollte der Brasilianer tatsächlich länger fehlen, hat der VfL auf der Linksverteidiger-Position ein Problem. Denn mit Jerome Roussillon fehlt ein weiterer Profi für hinten links mit Muskelproblemen, allerdings: "Ich hoffe, dass Rouss schnell wieder einsteigt. Die Entwicklung bei ihm ist positiv", sagt van Bommel und denkt schon an ein Comeback beim Pokal-Spiel am 8. August bei Viertligist Preußen Münster. Klappt's nicht, könnte Kevin Mbabu (eigentlich Rechtsverteidiger) aushelfen, er spielte schon am Samstag nach der Otavio-Auswechslung auf der linken Seite. Weitere Alternativen sind Mittelfeldakteur Yannick Gerhardt, Offensivmann Renato Steffen und Youngster Kobe Hernandez-Foster, der sich nun möglicherweise Chancen auf einen Kaderplatz beim Pokalspiel ausrechnen darf.

Dann soll auch Koen Casteels (fehlte gegen Madrid wegen einer Grippe) einsatzbereit sein, am Montag könnte er wieder mit dem Team trainieren. Des gilt auch für Maximilian Arnold, der Mittelfeldspieler ist nach dem Olympia-Aus der deutschen Auswahl wieder daheim, saß gegen Atletico bereits auf der Tribüne. "Ich bin froh, dass Max zurück ist", freut sich auch Coach Mark van Bommel.

Weniger erfreulich war die Niederlage gegen die Spanier. Der VfL hat nur seinen ersten Test (gegen Aue) gewinnen können, danach gab es ausschließlich Niederlagen. "Ob es das fünfte Mal in Folge ist oder das erste Mal – das ist egal", sagte van Bommel ernüchtert. "Sowas darf nie passieren", aber es könne im Fußball nun mal passieren. Und viel wichtiger als das Ergebnis sei für den Coach die Leistung der Mannschaft. "Wenn wir auf das Ergebnis gucken, ist es nicht gut. Man kann sagen, es ist egal, weil es ein Testspiel ist, aber man gewinnt lieber. Auf der anderen Seite, besser jetzt verlieren als nächste Woche. Man kann es von zwei Seiten sehen", so van Bommel.

Ähnlich bewertet es auch der Sportdirektor. "Mich ärgert schon ein einziges verlorenes Spiel. Aber es sind eben Testspiele - und wir haben gegen Monaco und gegen Atletico einige Dinge auch sehr ordentlich gemacht", so Schäfer. "Es wäre natürlich schön gewesen, wenn wir das eine oder andere Mal als Sieger den Platz verlassen hätten. Aber das ist nichts, was uns nervös macht. Und wir haben uns ja bewusst dafür entschieden, nicht gegen unterklassige Klubs zu testen." Stattdessen ging es gegen Aue, Rostock, Kiel, Lyon, Monaco und Atletico, also deutsche Zweitligisten und internationale Top-Klubs. Und das, so Schäfer, "haben wir gemacht, weil wir von Anfang an auf hohem Niveau gefordert werden wollten."