20. Juli 2021 / 17:45 Uhr

"Gelbes U-Boot" bis "Alte Dame": Das steckt hinter den Spitznamen der europäischen Top-Klubs

"Gelbes U-Boot" bis "Alte Dame": Das steckt hinter den Spitznamen der europäischen Top-Klubs

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kuriose Spitznamen der Vereine: Die Alte Dame, das Yellow Submarine, die Gunners.
Kuriose Spitznamen der Vereine: Die "Alte Dame", das "Yellow Submarine", die "Gunners". © Getty Images/IMAGO/agefotostock/Panthermedia/PA Images (Montage)
Anzeige

Mal lustig, mal kurios und oft geschichtsträchtig: Hinter den Spitznamen vieler europäischer Top-Klubs verbergen sich spannende Anekdoten. Warum ist Juventus Turin die "Alte Dame"? Welche Verbindung hat Atlético Madrid zu Matratzenmachern? Der SPORTBUZZER schafft Aufklärung.

U-Boote? Matratzenmacher? Rote Teufel? Viele europäische Top-Klubs haben zum Teil urkomische Spitznamen - und die Erklärungen dazu sind fast noch lustiger. Vor allem in England sind Spitznamen ein weit verbreitetes Phänomen und wichtiger Bestandteil des Sports und der Berichterstattung. So assoziieren Fans bei den "Gunners" oder den "Reds" sofort die jeweiligen Vereine. Doch wie sind die "Beatles" mit ihrer "Yellow Submarine" etwa nach Spanien gelangt? Und warum gibt es eigentlich zwei "Alte Damen" im europäischen Vereinsfußball? Fragen über Fragen, die der SPORTBUZZER beantwortet.

Anzeige

Juventus Turin – die "Alte Dame"

Der Spitzname des italienischen Rekordmeisters hat einen etwas negativ behafteten Ursprung. Anfang der 50er-Jahre bekam "Juve" diesen Namen, da sich ihre Trikots am Rücken beim Laufen aufblähten und einen Buckel bildeten. Es gibt allerdings auch eine andere Überlieferung, wie es zur "Alten Dame" kam: So soll der Turiner Klub früher nur als "Dame" bekannt gewesen sein – später kam aus Häme das Wort "Alte" hinzu. Auch in Deutschland gibt es einen Verein, der als "Alte Dame" bekannt ist: Hertha BSC. Fritz Lindner, einer der vier Gründer, hatte mit seinem Vater eine Schifffahrt auf der Spree auf einem Dampfschiff namens "Hertha" unternommen. Die Fahrt war offenbar so eindrücklich, dass er den Namen prompt für den Verein vorschlug. Als einer der ältesten Fußballklubs Deutschlands wurden die Berliner später auch "Alte Dame" genannt.

Atlético Madrid – die "Rojiblancos", die "Colchoneros"

Aufgrund der typischen rot-weißen Vereinsfarben ist Atlético als "Los Rojiblancos" bekannt. Seit den 1930er-Jahren wird der spanische Traditionsverein und aktuelle Meister der La Liga aber auch mit dem Synonym "Los Colchoneros" versehen. Übersetzt bedeutet dies überraschend: "Die Matratzenmacher". Grund dafür war die zu der Zeit meistverkaufteste Matratze in Spanien, die rot-weiß gestreift war – genau wie die Trikots von Atlético.

Manchester United – die "Red Devils"

Um sich vom großen Rivalen FC Liverpool abzusetzen, dessen primäre Vereinsfarbe ebenfalls Rot ist, erfanden sie die "Teufel" einfach dazu. Als Vorbild diente der benachbarte Rugby-Klub Salford City Reds, der den "Devil" im Logo trägt. Nicht nur das englische Traditionsteam, sondern auch die belgische Nationalmannschaft trägt diesen Kosenamen. 1906 war ein Reporter der Meinung, dass die Belgier in roten Trikots spielen würden wie der Teufel - ein Spitzname, der auch 115 Jahre später noch Bestand hat.

FC Arsenal – die "Gunners"

Im Gegensatz zu vielen anderen Spitznamen, die sich aufgrund der Teamfarben gebildet haben, geht der Name des Londoner Klubs auf den Entstehungsort zurück. 1886 wurde der Verein in Woolwich gegründet, wo sich das Waffendepot der britischen Marine befand. Die "Kanone" ist auch im Wappen wiederzufinden.

Real Madrid – "Los Blancos", die "Galaktischen", die "Königlichen"

Während sich "Los Blancos" auf die weiße Trikotfarbe der Madrilenen bezieht, prägten besondere Transfers den Namen "Los Galácticos" ("Die Galaktischen"). Real-Präsident Florentino Pérez machte sich 2000 zur Aufgabe, jedes Jahr einen Topstar zu verpflichten. Begonnen hatte Pérez 2000/2001 mit dem Transfer von Luís Figo vom großen Rivalen FC Barcelona. Nach weiteren Neuzugängen, wie Zinédine Zidane und Ronaldo, fand die Zeit der "Galaktischen" mit David Beckham, der zur Saison 2003/2004 von Manchester United kam, allmählich ein Ende. Vor allem in Deutschland sind die Madrilenen aber als die "Königlichen" bekannt. Durch den damaligen König Alfons XIII. durfte der spanische Rekordmeister den Zusatz "Real" mit in den Vereinsnamen aufnehmen, was übersetzt "königlich" heißt.


Manchester City – die "Citizens", die "Sky Blues"

Aufgrund der hellblauen Trikotfarbe bekam der amtierende englische Meister den Namen "Sky Blues". Eine ebenfalls einfach zu erklärende Geschichte steckt hinter der Bezeichnung "Citizens" ("Die Bürger"), entwickelte sich der Spitzname doch aus dem Vereinsnamen "City".

FC Barcelona – "Barça", die "Culés", die "Blaugrana"

Weltweit kennt man den FC Barcelona fast nur unter dem Kosenamen "Barça". Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Vereinsgründung 1922 wurde dieser Name erst erfunden. Damals bezeichnete die katalanische Wochenzeitung Xut das Team zum ersten Mal so, wie es auch heute noch allseits bekannt ist. Ebenfalls interessant ist die Geschichte hinter den "Culés", wie sich die Anhänger des fünfmaligen Champions-League-Siegers nennen. Als Barça noch im Les-Corts-Stadion spielte, gab es für viele Fans häufig keinen Sitzplatz mehr. Aufgrund dessen mussten sie sich auf die Mauern der Arena setzen, wodurch die vorbeilaufenden Spaziergänger nur die Hinterteile ("culés") der Anhänger sahen. Weit verbreitet ist zudem der katalanische Begriff "Blaugrana", der auf die blau-roten Vereinsfarben des Klubs zurückzuführen ist.

FC Everton – die "Toffees"

Die Geschichte der "Toffees" geht weit zurück. Damals war der Süßwarenladen von "Old Ma Bushell" eine beliebte Anlaufstelle der Fans. Die Besitzerin des Ladens kam auf die Idee, die Vereinsführung davon zu überzeugen, ihre Karamellbonbons (Toffees) auch im Stadion zu verteilen. Die "Everton Toffees" erlangten ihre Berühmtheit und gaben dem Verein seinen Namen.

Leicester City – die "Foxes"

In 1948 wurde das Bild eines Fuchses ins Logo des Vereins aufgenommen – und das aufgrund einer besonderen Charakteristik des Gründungsortes. Leicestershire war schon immer bekannt für die große Population an Füchsen und die damit verbundene Fuchsjagd – mittlerweile aber auch für den Premier-League-Titelträger von 2015/2016.

Glasgow Rangers – die "Teddy Bears"

Eine vergleichsweise simple Erklärung gibt es für die Teddybären aus Glasgow. Die Abkürzung "The Gers", kurz für "Rangers", war bereits vorhanden, als ein Reim darauf gesucht wurde und man bei "The Teddybears" landete. Seitdem sind Merchandising-Artikel ohne einen Teddybären aus Glasgow kaum noch vorstellbar.

FC Villarreal – die "Submarinos", das "Gelbe U-Boot"

Wie die englische Übersetzung "Yellow Submarine" bereits vermuten lässt, ist der Kosename des amtierenden Europa-League-Siegers eine Anspielung auf den Song der britischen Pop-Gruppe "The Beatles". In der Saison 1967/1968 sollen Fans des damaligen Drittligisten auf einem Plattenspieler hinter dem Tor den Song der Band aus Liverpool angespielt und das Ganze mit dem Gesang "Amarillo es Villarreal/amarillo es/amarillo es" (Villarreal ist gelb, sie sind gelb) unterstützt haben.

Viele Fans haben es sich in der Vergangenheit auch leicht gemacht. Warum ausgefallene Spitznamen, wenn man doch auch einfach die Vereinsfarben nutzen kann? Allerdings gibt es auch bei dieser Art der Abkürzung kuriose Ausnahmen: So wird Hannover 96 etwa die "Roten" genannt – obwohl die Vereinsfarben Schwarz-Weiß-Grün sind. Der Widerspruch zwischen den Vereinsfarben und der Trikot-Farbe ist nicht erklärt, existiert aber schon seit dem frühen 20. Jahrhundert. Andere Klubs machen es sich und den Zuschauern da leichter. Hier eine Auswahl:

FC Chelsea – die "Blues", die "Pensioners"

Die "Blues", wie der FC Chelsea auch genannt wird, charakterisieren sich vor allem durch ihr Logo und das tiefe Blau der Kleidung. Früher wurden die Londoner auch als "The Pensioners" bezeichnet; mutmaßlich, weil in Chelsea das Kriegsveteranen-Altenheim Royal Hospital beheimatet war, deren Einwohner landläufig als "Chelsea pensioners" bezeichnet wurden. Zwischen 1905 und 1952 zierte ein bärtiger Veteran auch das Klubwappen.

Anzeige

FC Liverpool – die "Reds"

Jürgen Klopp und seine Liverpooler von der Anfield Road sind als die "Reds" bekannt – ebenfalls eine Anspielung auf die Trikots und die Farben des Vereins.

AC Mailand – die "Rossoneri"

Der italienische Klub tritt im Gegensatz zu seinem Stadtrivalen Inter Mailand in rot-schwarz-gestreiften Trikots auf. "I Rossoneri" heißt übersetzt auch "Die Rot-Schwarzen".

Inter Mailand – die "Nerazzuri"

Im Gegensatz zum großen Rivalen AC dominiert bei Inter das Blau im Verein. Daher bekam der amtierende italienische Meister seinen Spitznamen "I Nerazzurri" ("Die Schwarz-Blauen").

FC Bayern – die "Roten", seltener der "FC Hollywood"

Der deutsche Rekordmeister und sechsmalige Champions-League-Sieger FC Bayern München ist vor allem unter dem Begriff "Die Roten" bekannt geworden. Mitte der 90er prägte aber auch ein anderes Synonym die Bayern: "FC Hollywood". Nachdem Streitigkeiten und interne Machtkämpfe öffentlich ausgetragen wurden, bekam der amtierende deutsche Meister eine Zeit lang diesen an das Schauspiel-Mekka angelehnten Namen.

Borussia Dortmund – "Die Schwarzgelben"

Auch das zweite deutsche Top-Team aus Dortmund hat keinen außergewöhnlichen namentlichen Begleiter. "Die Schwarzgelben" ist auf die Trikots und die Vereinsfarben des amtierenden DFB-Pokal-Siegers zurückzuführen.