10. Juli 2020 / 15:27 Uhr

Dorfklub mit Fußballinternat: So funktioniert das Modell Schlotheim

Dorfklub mit Fußballinternat: So funktioniert das Modell Schlotheim

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
So sieht es beim Jugendfußball-Leistungszentrum in Schlotheim aus.
So sieht es beim Jugendfußball-Leistungszentrum in Schlotheim aus. © Veranstalter
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Zum SSV 07 Schlotheim zieht es Nachwuchskicker aus ganz Deutschland und aus dem Ausland. Ein privates Jugendfußball-Leistungszentrum sorgt für eine stetige Entwicklung in den starken Nachwuchsteams. Top-Teams wie RB Leipzig und Hertha BSC blicken gespannt in den kleinen Ort mitten in Thüringen.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Der SSV 07 Schlotheim mischt den Nachwuchsfußball in Thüringen auf. Mit der U17 steigt der Klub sicher in die Regionalliga auf, die U19 könnte folgen. Hinter dem Verein steckt mit dem Jugendfußball-Leistungszentrum Schlotheim ein spannendes Projekt.

"Bei uns steht die Förderung junger und talentierter Spieler im Vordergrund. Die Jungs sollen in ihrer Persönlichkeit reifen und die nächsten Schritte in ihrer fußballerischen Laufbahn machen", sagt Geschäftsführer Johannes Zachar im Gespräch mit #GABFAF. Das Internat nimmt Spieler ab elf Jahren auf. Ab der U13 steht Fußball neben Schule und Freizeit im Fokus. Und die Bedingungen können dafür kaum besser sein.

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In dem 1200 Quadratmeter großen Gebäude gibt es 19 Zimmer, die Platz bieten für 59 Personen. Für das Training stehen drei Rasenplätze, zwei Fußballhallen, eine Schwimmhalle mit Saunabereich, ein Fitnessstudio und ein Cardio-Raum zu Verfügung. Direkt nebenan befinden sich zudem die Schulen. Dort können sich die Fußballer neben der Vorbereitung auf eine mögliche Profi-Karriere auf einen guten Abschluss konzentrieren.

So sieht ein Tag im Internat aus

Der Wecker klingelt um 6.30 Uhr. Frühstück gibt´s bis 7 Uhr in Büfettform. Schulbeginn ist um 7.30 Uhr nach einem kurzen Fußweg. Nach der sechsten Stunde kehren alle ins Internat zum Mittagessen von 13 bis 13.30 Uhr zurück. Wer noch zur siebten oder sechsten Stunde in den Unterricht muss, geht wieder eine Straße weiter. Der Rest beginnt mit der ersten Lernzeit des Tages sowie einer Hausaufgabenhilfe. Ab 16 Uhr startet die erste Trainingseinheit. Zum Anschluss führt der Weg zur Regeneration ins Schwimmbad. Manche schieben auch noch ein Fitness- oder Athletiktraining nach. Zum Abschluss folgt von 19.30 bis 21 Uhr das Abendessen parallel zu einer weiteren Lerneinheit. Je nach Alter beginnt dann die Nachtruhe.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

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"Am Wochenende fahren auch viele Kinder und Jugendliche nach Hause zu ihren Familien. Es muss nur mit den Spielen passen", sagt Geschäftsführer Zachar. An den Wochenenden stehen die wichtigen Partien an. Dort stellt sich heraus, wie gut die Nachwuchsfußballer die Anforderungen auf dem Platz umsetzen. Bei der U17 läuft das zuletzt besonders gut. Das 3000-Einwohner-Dorf misst sich ab der kommenden Saison in der Regionalliga Nordost mit Teams wie RB Leipzig, Dynamo Dresden und Hertha BSC. "Vor zwei Jahren haben wir schonmal in der Regionalliga gespielt. Da haben wir aber einfache Fehler gemacht und sind mit einem kompletten Jung-Jahrgang dort an den Start gegangen", blickt Zachar zurück. In der nächsten Spielzeit soll der Plan besser aufgehen.

Aufstieg mit zwei Teams möglich

Wenn es gut läuft, kann das Jugendfußball-Leistungszentrum Schlotheim hinter ein großes Ziel schon vorzeitig einen Haken machen. Denn eigentlich besagt der ausgetüftelte Drei-Jahres-Plan, dass der Verein spätestens 2023 mit zwei Teams in der Regionalliga spielen möchte. Doch das wäre vielleicht schon in der kommenden Spielzeit möglich. "Sollte Wacker Nordhausen in der U19 auf den Aufstieg verzichten beziehungsweise diesen aufgrund der Insolvenz nicht wahrnehmen können, würden wir auch mit der U19 in der Regionalliga spielen", sagt der 27-jährige Geschäftsführer: "Somit würden wir zu den Aushängeschildern des Thüringer Jugendfußballs zählen."

Wie weit es Fußballer aus dem Internat bringen können, zeigt das Beispiel Nils Butzen. Der aktuelle Drittliga-Spieler von Hansa Rostock trainiert früh in Schlotheim und wechselt dann über den 1. FC Magdeburg an die Ostseeküste. "Es gibt viele Jungs, die uns im Alter von 15 oder 16 Jahren verlassen und zu einem großen Klub wechseln", erklärt Zachar, der dabei auch an Kossivi "Paco" Amededjisso denken muss. Direkt aus Togo kommt der Offensivspieler damals nach Schlotheim. Amededjisso spielt sich schnell in den Fokus vieler Top-Klubs. RB Leipzig erhält am Ende den Zuschlag, der damals 17-Jährige erzielt im November 2019 unter anderem zwei Buden in der Youth League gegen Zenit St. Petersburg. Jetzt könnte der Weg des Nationalspielers in der Schweiz beim FC St. Gallen weitergehen.

Spieler wie Butzen oder Amededjisso soll es in Zukunft häufiger beim SSV 07 Schlotheim geben. Die Eltern zahlen für den kompletten Service im Leistungszentrum einen monatlichen Betrag von etwa 1000 Euro. Die Summe richtet sich ja nach der Anwesenheit des Kindes oder auch der Herkunft. Denn durch Kooperationen ziehen auch Jungs aus den USA in das Internat ein. Oder wie zuletzt ein talentierter Kicker aus Österreich, der dort zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft zählt.

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Sichtungswoche vor Einzug

Zachar schätzt die Leistung eines privaten Internats noch größer ein als bei anderen Modellen. "Wir können nicht wie andere Leistungszentren vom DFB mit einer großzügigen Unterstützung jährlich rechnen. Wir müssen für sämtliche Kosten wie beispielsweise Schiedsrichter, Übernachtungen oder Fahrtkosten selber aufkommen", so der 27-Jährige. Talente schaffen den Sprung nach Schlotheim nur, wenn nach einer Sichtungswoche alles passt. Die Spieler lernen dabei das Leben in einem Internat kennen – inklusive Übernachtungen, Schulbesuche und Trainingseinheiten. Wenn am Ende das Schulische, das Auftreten im Internat und das Fußballerische stimmen, steht nach einem Abschlussgespräch einer Zukunft im Leistungszentrum nichts mehr im Wege.