14. Juli 2020 / 20:45 Uhr

Meister-Party mit Verspätung: Kreisligist braucht zum Feiern keine Spielpraxis

Meister-Party mit Verspätung: Kreisligist braucht zum Feiern keine Spielpraxis

Clemens Behr
Die Spieler der SV Viktoria Thorr zogen mit der Meisterschale auf einem Karnevalswagen durch die Stadt. 
Die Spieler der SV Viktoria Thorr zogen mit der Meisterschale auf einem Karnevalswagen durch die Stadt.  © Privat
Anzeige

Wie lange kann eine Mannschaft die Freude über einen Meistertitel konservieren? Lange, zeigen die Fußballer von der SV Viktoria Thorr II. Das Team aus der Kreisliga D wurde im Juni vom Fußball-Verband Mittelrhein zum Meister erklärt - und feierte den Erfolg nun mit mehrwöchiger Verspätung. 

Anzeige
Anzeige

Lauter Jubel schallt durch den Lukas-Podolski-Sportpark in Bergheim. Konfetti-Kanonen schießen goldene Schnipsel in die Luft, nacheinander recken die Fußballer der SV Viktoria Thorr II die Meisterschale gen Himmel. Am vergangenen Samstag feierte die Mannschaft aus dem Rhein-Erft-Kreis mit mehrwöchiger Verspätung den Titel in der Kreisliga D. Zuvor kehrte das Team 125 Tage nach dem letzten Ligaspiel auf den Rasen zurück - als offizieller Meister und Aufsteiger.

Die zweite Mannschaft der SV Viktoria Thorr war ohne Punktverlust durch die Saison 2019/20 marschiert: 16 Siege in 16 Spielen. Nur die Corona-Pandemie konnte den Siegeszug der Fußballer aus Bergheim stoppen. Der 1:0-Auswärtssieg bei Borussia Buir II am 8. März sollte für lange Zeit das letzte Spiel der "Macht von der Erft" bleiben, wie sich der Verein selbst auf seiner Homepage nennt.

Mehr zu #GABFAF

Der Fußballverband Mittelrhein hatte die Amateurfußball-Saison im Juni abgebrochen. Pro Liga sollte es nur einen Aufsteiger gegeben. Der wurde nach der Quotientenregel bestimmt. "Wir mussten uns da keine Sorgen machen, weil wir als Herbstmeister, bis zum Abbruch Erstplatzierter und Quotientenbester gut vorgesorgt hatten", sagt Pascal Hübner, Trainer des Teams.

Doch die "hochverdiente Meisterschaft" am grünen Tisch beraubte seinen Schützlingen ihrer nicht weniger verdienten Titel-Sause. Als in Nordrhein-Westfalen Anfang Juli wieder die ersten Freundschaftsspiele angepfiffen wurden, war der Plan bei den Bergheimern daher schnell gefasst: noch einmal auf dem Platz stehen und die Spielzeit gemeinsam beschließen.

Ligakonkurrent SC Glessen kommt zum Saisonabschluss

Am 3. Mai hätte die Viktoria in der Kreisliga D ursprünglich beim Ligakonkurrenten SC Glessen antreten sollen und dort - vier Spieltage vor Schluss - vielleicht schon die Meisterschaft perfekt machen können. Stattdessen kamen die Glessener nun am 11. Juli für ein Gastspiel in den Lukas-Podolski-Sportpark nach Bergheim. Der ehemalige Nationalspieler ist in der 60.000-Einwohner-Stadt westlich von Köln aufgewachsen und hat dort mit dem kicken begonnen. 2011 ermöglichte "Prinz Poldi" durch eine Großspende den Bau eines Kunstrasenplatzes. Seitdem ist die Sportanlage nach ihm benannt, auf der die Vikoria ihre Heimspiele austrägt.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. Zur Galerie
Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. ©

Das Ergebnis des Freundschaftsspiels war nebensächlich. Thorrs Top-Torschütze Marcel Heller stand zwischen den Pfosten und zeigte mehrere sehenswerte Paraden. Die etatmäßige Nummer eins Markus Brand trug sich wiederum als Feldspieler in die Torschützenliste ein. 60 Zuschauer sahen die torreiche Partie - sogar 100 wären laut Corona-Regeln erlaubt gewesen.

Über die 3:5-Niederlage gegen das befreundete Team vom SC Glessen musste sich Hübner nicht lange ärgern. Der war noch immer von dem Durchmarsch seines Teams in der Liga beeindruckt. "Ab einem Punkt in der Mitte der Saison ist einfach alles für uns gelaufen. Ich weiß jetzt, was es mit dem 'Bayern-Dusel' auf sich hat", sagt der 35 Jahre alte Viktoria-Coach. "Am Samstag sollten es die Jungs noch einmal krachen lassen."

Kreisliga-Meister zieht mit Karnevalswagen durch die Stadt

Das tat die Mannschaft dann auch: Nachdem zwei Vorstandsmitglieder die Spieler nach Abpfiff geehrt hatten, zogen sie auf einem Traktor durch die Stadt. Der ortsansässige Karnevalsverein stellte den Wagen, der in den Klubfarben rot und weiß geschmückt war. Nach dreieinhalb Stunden Fahrt ließ das Team den Abend im Vereinsheim ausklingen. Ein gelungener Abschluss einer für die Viktoria in allen Belangen einzigartigen Saison.