16. März 2021 / 18:01 Uhr

Tattoos und Fußball sind Ulf Brunnemanns Leben

Tattoos und Fußball sind Ulf Brunnemanns Leben

Dirk Becker
Märkische Allgemeine Zeitung
Ulf Brunnemann vom FSV Veritas Wittenberge sticht ein Tattoo bei Daniel Hackius vom Fanclub Eiserne Legion Prignitz-Ruppin
Ulf Brunnemann vom FSV Veritas Wittenberge sticht ein Tattoo bei Daniel Hackius vom Fanclub Eiserne Legion Prignitz-Ruppin © Privat
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Fußballkreis Prignitz/Ruppin: Veritas A-Junioren-Trainer Ulf Brunnemann verziert seit 14 Jahren die Haut seiner Kunden mit Tattoos.

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Ulf Brunnemann stichelt gern, meistens gegen den Kapitän der ersten Männermannschaft, Sebastian Metschulat. Über was? Na weil die Männer beim FSV Veritas Wittenberge/Breese fast alle Reinhäuter sind. Was bedeuten soll, dass die Spieler frei von Tattoos sind. Beim Frauenteam sind es doch einige mehr, die den Körperschmuck bevorzugen. Und die meisten Spielerinnen hat Ulf Brunnemann tätowiert. In seinem eigenen Tattoostudio in Wittenberge stichelt der 52-Jährige nicht mit Worten, sondern mit seinen Tattoonadeln. Am 1. April hat Ulf Brunnemann sein Geschäft im 14. Jahr geöffnet.

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Ulf Brunnemann spielte in Ludwigsfelde in der Südwest-Oberliga

Geboren und aufgewachsen in Wusterhausen, hat Ulf Brunnemann bereits mit sechs Jahren begonnen, Fußball zu spielen. Nach der Schule folgte die Lehre als Tischler in Wusterhausen. Und dann kam die Wende. Mit seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Diana – „wir sind seit 35 Jahren zusammen“ – wollte das Paar ein wenig andere, als DDR-Luft schnuppern. Sie landeten in Ludwigshafen, wo Ulf und Diana zwei Jahre blieben. „Ich habe dort Südwest-Oberliga gespielt“, sagt der ehemalige Torjäger von Blau-Weiß, der Wusterhausen fußballerisch begleitete durch die DDR-Bezirksliga, Landesliga und Landesklasse bis später in die Kreisliga. Nach dem Ludwigshafener Intermezzo zog es Ulf Brunnemann nach Berlin. Während der 13 Jahre, die die Brunnemanns mit Sohn Nils dort lebten, wurde allerdings weiterhin in Wusterhausen Fußball gespielt. „Ich bin immer hin und her gefahren“, sagt Brunnemann zu seiner Zeit in Berlin.

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Tattoos galten in der DDR als anrüchig

Tattoos hatten den gebürtigen Wusterhausener schon zu DDR-Zeiten fasziniert. „Das war irgendwie provokant und anrüchig, da meistens Seeleute so etwas trugen oder Leute, die im Knast gewesen sind.“ Und dann griff Ulf Brunnemann selbst zur Nadel. „Das war Mitte der 90er Jahre“, da stach sich Brunnemann die Anfangsbuchstaben seiner Frau, mit der er damals noch nicht verheiratet war: D.A.. Dieses erste Werk ist heute noch zu sehen, allerdings etwas verblasst steht es neben den Namen seiner zwei Söhne sowie seiner Frau.



„Da haben meine Lieben selber unterschrieben“, die Söhne Nils (30) und Luca (17) sowie Diana also selbst ihre Namen in Ulf Brunnemanns Arme gestochen. Nach Anfangsbuchstaben folgten kleine Tribals, die er sich selbst stach. „Dann hat mich ein Kumpel gefragt, ob ich ihm was stechen kann.“ Durch Mundpropaganda verbreitete sich das Talent Brunnemanns schnell und „es wurden immer mehr und mehr.“ Durch seinen schweren Beruf als Tischler stellten sich im Laufe der Jahre starke Rückenprobleme ein, „und gemalt habe ich immer schon gerne“. Fast automatisch steuerte Ulf Brunnemann auf die Selbstständigkeit als Tätowierer hin.

2007 gründet Ulf Brunnemann eigenes Tattoostudio

2007 folgte der nächste, wenn auch mit einigen, existenziellen Sorgen begleitete Schritt, „die Eröffnung des Tattoostudios in der Rathausstraße in Wittenberge.“ Die Sorgen erwiesen sich als unbegründet, die Qualität seiner Tattoos zogen die Kundschaft an. Brunnemann entwickelte seinen eigenen Style, arbeitet gerne in Schwarz-Weiß. „Das finde ich besser als knallbunt.“ In den 14 Jahren hat sich rein stilistisch einiges getan. „Als ich angefangen habe, waren eben solche Tribals gefragt oder chinesische Schriftzeichen.“ Heutzutage stehen 3D-Tattoos auf der Wunschliste der Kunden. „Man muss sich eben weiter entwickeln.“ Sitzungen dauern durchschnittlich vier Stunden, „dann macht der Körper irgendwann nicht mehr mit“, erklärt Brunnemann. „Meine längste Sitzung war bei einer Frau sieben Stunden lang, dann wollte ich aber nicht mehr. Sie hätte noch weitergemacht.“

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Brunnemann ist als Trainer bei den A-Junioren von Veritas tätig

In seiner Mannschaft – Brunnemann trainiert mittlerweile die A-Junioren vom FSV Veritas Wittenberge in der Landesliga Nord-West – hat noch niemand ein Tattoo, auch Sohn Luca nicht, der dort spielt. „Das ist eine Frage der Einstellung, dass muss jeder selbst wissen.“ Allerdings sieht er sich auch in einer gewissen Verantwortung. „Es kamen schon 18-Jährige ins Studio, die wollten sich auf Hände oder Gesicht tätowieren lassen. Die habe ich gefragt, ob sie schon eine Ausbildung hätten“, erklärt Brunnemann seine Ablehnung dieses Ansinnens, „die hätten doch nie eine Stelle bekommen.“ Die Kundschaft kommt mit bestimmten Vorstellungen zu ihm, wie sie sich ihre Motive so vorstellen. Dann wird die Umsetzung anhand von Bildern besprochen und los geht es.

Veritas-Spielerin Anne-Kathrin Kwasny mag es bunt auf der Haut

Anne-Kathrin Kwasny ist eine der Spielerinnen vom FSV Veritas Wittenberge, die sich ein Tattoo hat stechen lassen. Ihre Motivation sei es gewesen, dass viele ihrer Fußballidole ein Tattoo hätten. „Das hat mich einfach inspiriert“, sagt die Spielerin mit der Nummer zehn, „und deshalb wollte ich schon immer eins oder mehrere haben. Und ich bin auch noch nicht am Ende, weil ich es einfach schön finde. Die Haut darf bunt sein, ohne dass man ein schlechtes Gewissen haben muss, dass man sich hat tätowieren lassen.“ Unter hohen Sicherheitsstandards wegen der Pandemie darf Ulf Brunnemann seit dieser Woche wieder sticheln. „Wenn man so lange im Geschäft ist, kann man so schlecht nicht sein“, sagt er.

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