02. Juni 2021 / 14:29 Uhr

Plötzlich Testpflicht für Nachwuchssportler: Auf der Wiese alles frei, auf der Vereinsanlage nicht

Plötzlich Testpflicht für Nachwuchssportler: Auf der Wiese alles frei, auf der Vereinsanlage nicht

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Im Nachwuchssport hat die Testpflicht Einzug gehalten.
Im Nachwuchssport hat die Testpflicht Einzug gehalten. © Imago / Eibner / Prautzsch
Anzeige

Von wegen Erleichterung: Der Freistaat Sachsen hat mit seiner neuen Corona-Schutz-Verordnung eine Testpflicht für Nachwuchssportler eingeführt. Wollen Mannschaften auf dem vereinseigenen Sportplatz ein kleines Trainingsspielchen machen, muss vorher getestet werden. Steigt das Spielchen auf der Wiese nebenan, geht's dagegen ohne. 

Anzeige

Leipzig. Beim Sächsischen Landessportbund (LSB) verstehen die Verantwortlichen in diesen Tagen die Welt nicht mehr. Und sie sind nicht die Einzigen. Grund der Verstimmung: die seit Montag (31. Mai) gültige Corona-Schutz-Verordnung im Freistaat. Die bringt zwar allerlei Lockerungen für Amateursportler mit sich, sieht aber völlig unerwartet eine Testpflicht für den Nachwuchs beim Kontaktsport auf Außenanlagen vor. Dies war bis dato nicht der Fall.

Anzeige

Ein Spielchen? Besser auf der Wiese

Tatsächlich sind die diesbezüglichen Regelungen der Verordnung einmal mehr kompliziert formuliert. Grundsätzlich sind kontaktfreier und Kontaktsport für Minderjährige in Gruppen bis zu 20 Personen testunabhängig erlaubt, aber eben nur im Außenbereich und nicht wie bisher auch auf Außensportanlagen. Für die gilt neuerdings: kontaktfreier und Kontaktsport sind altersunabhängig in Gruppen bis zu 30 Personen möglich. Für den Kontaktsport gilt allerdings die Pflicht zur Vorlage eines tagesaktuellen Negativtests sowie zur Kontaktdatenerfassung.

Mehr zum Thema

Das heißt ganz praktisch: Ein Nachwuchs-Fußball-Team aus 18 Kindern und Jugendlichen kann sich zum kontaktfreien Training auf dem Vereinsgelände treffen. Wollen die Kids dann allerdings ein Abschlussspielchen machen, geht das nur mit einem entsprechenden Test. Oder, ganz böse formuliert: Trainer und Team treten zum finalen Kick einfach auf der benachbarten Wiese außerhalb des Sportplatzes an. Denn die zählt zum Außenbereich und stellt keine Außensportanlage dar. Das alles mutet ein wenig an wie ein Schildbürgerstreich.

Landessportbund macht Front

Für den Landessportbund hört an diesem Punkt der Spaß auf. „Warum nun gerade Minderjährigen bei der Rückkehr zu ihrem Sport weitere Steine in den Weg gelegt werden, während überall sonst Beschränkungen entfallen, ist völlig unverständlich“, schimpft LSB-Generalsekretär Christian Dahms. „Mit Regelungen wie dieser verspielt der Verordnungsgeber, das Sächsische Staatministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, seine Glaubwürdigkeit und belastet gerade ehrenamtlich organisierten Strukturen mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand.“

Dahms und die Seinen suchen die direkte Konfrontation mit dem zuständigen Ministerium und haben Verbündete innerhalb der Staatsregierung, genauer gesagt im für Sport zuständigen Innenministerium des Freistaats. Eine entsprechende gemeinsame Beschwerde beider Instanzen ist bei den verantwortlichen Entscheidern eingegangen. Das bestätigte das Sozialministerium dem SPORTBUZZER am Mittwoch.

Beschwerde abgewiesen

Ändern wird sich allerdings erst einmal nichts an dem misslichen Zustand. „Im Rahmen der derzeit geltenden Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung vom 26. Mai 2021 wird es keine Änderungen geben, da gerade beim Sport aufgrund der körperlichen Aktivität und auch der damit oftmals verbundenen Nichteinhaltung von Mindestabständen diese Regelung derzeit noch als notwendig erachtet wird“, hieß es. Warum eine mögliche Nichteinhaltung der Mindestabstände auf einem Bolzplatz im Park als offensichtlich weniger gravierend eingeschätzt wird als auf einer Vereinsanlage, teilte das Ministerium indes nicht mit.

Die aktuelle Verordnung gilt bis zum 13. Juni. Abhilfe könnte es also frühestens mit den dann ab 14. Juni folgenden Regelungen geben. Ob eine solche Anpassung aber tatsächlich vorgenommen wird, „kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden“. Für Sachsens Regionen mit einer niedrigen Sieben-Tages-Inzidenz besteht indes Hoffnung auf eine anderweitige Lösung des Problems. Liegt der Wert an 14 aufeinanderfolgenden Tagen unter 35 entfällt laut Verordnung die Testpflicht. In Leipzig war das Stand Mittwoch an acht aufeinanderfolgenden Tagen der Fall.