22. Mai 2021 / 07:38 Uhr

Rentner als Retter? Die Trainer-Oldies Schaaf und Funkel mit Bremen und Köln auf Mission Klassenerhalt

Rentner als Retter? Die Trainer-Oldies Schaaf und Funkel mit Bremen und Köln auf Mission Klassenerhalt

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Schaaf (l.) und Friedhelm Funkel sollen ihre Klubs vor dem Abstieg retten.
Thomas Schaaf (l.) und Friedhelm Funkel sollen ihre Klubs vor dem Abstieg retten. © IMAGO/Nordphoto/Laci Perenyi (Montage)
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Die Trainer-Routiniers Thomas Schaaf und Friedhelm Funkel versuchen, mit Werder Bremen und dem 1. FC Köln am letzten Bundesliga-Spieltag den Klassenerhalt zu sichern. Der SPORTBUZZER blickt auf das Fernduell der erfahrenen Coaches.

Die Trainerausbildung in Deutschland wird gerade von Grund auf reformiert. Der dafür beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit zuständige Akademieleiter Tobias Haupt sagt: "Wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren jeden Stein einzeln umgedreht." Heutzutage sei der Trainer eine moderne Führungskraft, die einen großen Expertenstab koordinieren muss. Kommunikation gilt als wichtigster Faktor, das Vieraugengespräch sei für die nachkommende Trainergeneration wichtiger als die Taktiktafel, heißt es. Ist es dann ein schlechtes Zeichen, wenn Thomas Schaaf als Retter in der Not bei Werder Bremen genau jene Taktiktafel an den Trainingsplatz gestellt hat? Gewiss nicht. Der am vergangenen Wochenende kurzfristig vom Technischen Direktor wieder zum Cheftrainer Profis beförderte 60-Jährige kündigte zugleich zahlreiche Gespräche im Trainingslager in Barsinghausen an.

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Die Spieler ermuntern, positiv zu denken, steht auf seiner Agenda ganz oben. Aber trifft der Trainer Thomas Schaaf, zwischen 1999 und 2013 bei seinem "Herzensverein" im Amt, jetzt noch den Ton der Zeit? Seine letzte Rettermission 2016 bei Hannover 96 ging grandios schief. Neun Niederlagen in zehn Rückrundenspielen, dann war vorzeitig Schluss – und seitdem hat die Trainerikone von der Weser nicht mehr in der Bundesliga gearbeitet. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr, Sky) geht es für die auf den Relegationsplatz abgerutschten Bremer darum, nicht auf den direkten Abstiegsplatz zurückzufallen.

Funkel glaubt an Köln-Rettung

Vor einem Jahr gelang mit einem furiosen 6:1 gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag noch der Sprung auf Rang 16 und dann die Rettung über die Relegation. Die Rheinländer waren damals bereits gesichert und Markus Gisdol noch ihr Trainer. Nun hat dort Friedhelm Funkel seit fünf Wochen das Sagen. Sein bei Fortuna Düsseldorf verkündeter Abschied aus dem Profifußball war eben doch nicht endgültig. Der 67-Jährige kann offenbar nicht ohne den Nervenkitzel Bundesliga. Ihn elektrisiert förmlich die Aufgabe, den Traditionsverein mit einem Sieg gegen den Absteiger FC Schalke 04 noch in der Liga zu halten.

Seine Ansage im Schloss Bensberg, wo sein Klub das Quarantäne-Trainingslager aufgeschlagen hat: "Wir haben in fünf Spielen sechs Punkte auf Bremen aufgeholt und einen auf Bielefeld. Dieser Punkt sorgt dafür, dass Bielefeld jetzt in Stuttgart gewinnen muss." Funkel gibt den Optimisten: "Wir können absteigen – aber das werden wir nicht. Es kann die Relegation werden." Auch der Altmeister Funkel, der gefühlt fast jeden Verein in Deutschland trainiert hat und mehrfach auf- und abgestiegen ist, setzt darauf, seinen Spielern in vielen Einzelgesprächen Selbstvertrauen einzuimpfen.

Trainer-Karussell in der Bundesliga

Dass sich die "Trainerrentner" Schaaf und Funkel in einem kuriosen Fernduell gegenüberstehen, ist die passende Pointe einer von wilden Rochaden auf den Trainerbänken geprägten Spielzeit. 13 Fußballlehrer mussten schon ihren Stuhl räumen. Und da sind die zur neuen Saison verabredeten Wechsel (Julian Nagelsmann, Adi Hütter, Marco Rose) nicht mitgerechnet. Bremen wie Köln setzen auf den kurzfristigen Faktor Erfahrung. Dabei gibt auch das gar keine Garantie; womöglich wird dieser Aspekt am Ende sogar überschätzt: Beim Zweitligist Hamburger SV hielt die Aufbruchsstimmung unter Horst Hrubesch, 70, nur ein Spiel, dann wurde der Bundesliga-Aufstieg unter der Vereinslegende verspielt. Dazu scheiterte Christian Gross, 66, krachend auf Schalke: Nach 13 Spieltagen geholt, war nach dem 23. Spieltag die Mission beendet. Der prominenteste Gescheiterte ist Otto Rehhagel, der 2012 bei Hertha BSC anheuerte. Mit 73 Jahren. Gebracht hat es nichts. Die Berliner stiegen nach den Relegationsspielen gegen Düsseldorf ab.