24. März 2022 / 17:54 Uhr

"Spieler gehen zum Arbeitsamt": Türkgücü München steht vor dem Nichts

"Spieler gehen zum Arbeitsamt": Türkgücü München steht vor dem Nichts

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Türkcücü München musste den Spielbetrieb einstellen.
Türkcücü München musste den Spielbetrieb einstellen. © IMAGO/Passion2Press
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Noch vor dem Saisonfinale der 3. Liga ist Türkgücü München raus. Der zahlungsunfähige Klub wirbelt die Tabelle durcheinander. Wie geht es jetzt weiter? Und welche Zukunft hat der erste Migrantenverein im deutschen Profi-Fußball?

Ein letztes Mal stand Türkgücü Münchens Trainer Andreas Heraf mit seinen verbliebenen Spielern auf dem Rasen. Es war die abschließende Einheit vor dem Gang zum Arbeitsamt. Denn der erste Migrantenverein im deutschen Profi-Fußball ist am Ende und löst in der 3. Liga eine Kettenreaktion aus. Die zahlungsunfähigen Münchner müssen den Spielbetrieb zum Ende dieses Monats einstellen und wirbeln damit die Tabelle durcheinander.

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"Das ist natürlich ein trauriger Moment für den Verein, für die Spieler und für das Trainerteam. In Wahrheit haben wir irgendwie damit gerechnet, weil es schon in den letzten Tagen die Gerüchte gegeben hat", räumte Heraf nach dem letzten Training am Donnerstag ein. "Sehr, sehr traurig" sei das alles. "Die Spieler gehen zum Arbeitsamt, die Trainer gehen zum Arbeitsamt."

Alle bislang gespielten Partien des Tabellenletzten werden gemäß der DFB-Spielordnung aus der Wertung genommen, weil der Ausstieg vor den letzten fünf Meisterschaftsspielen erfolgte.

Türkgücü steht als erster Absteiger fest, ab dem 1. April geht es in der 3. Liga mit dem 32. Spieltag weiter. Verlierer in der Causa Türkgücü ist auch Aufstiegskandidat 1. FC Saarbrücken. Der Verein verliert seine sechs Punkte gegen die Münchner und rutscht vom dritten auf den vierten Tabellenrang. Der TSV 1860 München büßt dagegen nur einen Zähler ein.

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Die Chaos-Saison von Türkgücü endet vorzeitig mit dem sportlichen Worst Case. "Das hat die Vereinsführung in Anwesenheit des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Max Liebig der Mannschaft und den Mitarbeitern des Vereins am heutigen Donnerstagvormittag in einer Betriebsversammlung mitgeteilt", hieß es.

Die Münchner hatten Ende Januar einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Trotz "intensiver Bemühungen" fand der Verein keinen neuen Geldgeber. "Die zu erwartenden Einnahmen aus dem Spielbetrieb bis Saisonende können die laufenden Kosten bei weitem nicht decken", erklärte Geschäftsführer Max Kothny.

Den Münchnern waren wegen Insolvenzantrags und eines Auflagenverstoßes insgesamt elf Zähler abgezogen worden. Diese Strafe sei aber "nicht mehr relevant", schrieb der Deutsche Fußball-Bund (DFB). "Das ist ein trauriger Tag für die 3. Liga", erklärte Manuel Hartmann, beim DFB für den Spielbetrieb zuständig. "Ziel muss sein, dass dieser Fall in der 3. Liga einmalig bleibt."

Wie es für den Verein weitergeht, ist unklar. Das werde sich in den "kommenden Wochen" zeigen. Türkgücü München wurde 1975 von türkischen Migranten in München gegründet. Im Sommer 2020 stieg der Verein auch dank Investor Hasan Kivran in die 3. Liga auf. Türkgücü wollte die Rangordnung in der bayerischen Landeshauptstadt ändern. Das war zumindest einmal der Wunsch von Kivran, der später sein Engagement wieder zurückfuhr. Die brutale Realität hat den Verein längst eingeholt.

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